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Europarat ehrt Pater Gregor Girard

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Pater Gregor Girard (1765–1850)hat als «Stiller» die Welt verändert, sagte der Guardian des Franziskanerklosters in Freiburg, Pascal Marquard, am Kolloquium, das kürzlich in Freiburg stattgefunden hat. Girard habe aus der «Glasglocke des Kirchlichen» herausgefunden. Sein Beispiel ermuntere die Franziskaner in Freiburg, deren Gemeinschaft immer weniger Mitglieder zählt, «durchzuhalten». Girard habe gezeigt, dass die Ordensleute eine Zukunft hätten. Marquard schlug eine Brücke zu einem weiteren berühmten Schweizer Pädagogen: Heinrich Pestalozzi.

Mit diesem habe Girard einiges verbunden. Beide seien gegen die Körperstrafe für Schüler gewesen und hätten sich bemüht, die Jugend auf den Weg der «Sittlichkeit» zu führen. Girards Lehransatz fand in Freiburg aber nicht nur Freunde. Sein Einsatz sei innerhalb der Kirche unterschiedlich wahrgenommen worden, die Meinungen über den Pädagogen seien geteilt. Der Franziskanerpriester wurde 1823 aus der Stadt verjagt.

Zweisprachigkeit kritisiert

Das «Kolloquium Girard 2015» ging den Gründen für Girards zwiespältige Rezeption in Freiburg ausführlich nach. Sein Engagement für die Zweisprachigkeit im deutsch- und französischsprachigen Kanton könnte angeeckt haben, meint der Autor Beat Bertschy, der gerade ein Buch über Girard geschrieben hat (siehe Artikel rechts). Girard galt mit seinem Lehransatz vielen Katholiken als progressiv und liberal. Er setzte sich für eine demokratische Schulbildung ein. Mit dem damaligen Bildungsminister der Helvetischen Republik, dem reformierten Theologen Philipp Albert Stapfer, habe Girard sich gut verstanden. Girard setzte sich für eine umfassende Ausbildung der Jugend ein. Er griff dabei auf die Methode des «wechselseitigen Unterrichts» zurück, die er gemäss Bertschy nicht erfand, aber weiterentwickelte. Fortgeschrittene Schüler begleiten jüngere oder leistungsschwache Schüler. Die heutigen Primar-, Sekundar- und Kantonsschulen gehen auf Girards Entwurf zurück.

Vielerorts respektiert

Das Freiburger Kolloquium ging ausführlich der Frage nach, ob Girards Pädagogik über die Kantonsgrenzen hinausgestrahlt habe. Um diese Frage zu beantworten, waren Wissenschaftler aus Europa und Übersee geladen worden. Der frühere Berliner Professor Dietrich Benner relativierte Girards Bedeutung für Deutschland. Dort gebe es zahlreiche Pädagogen von hoher Bedeutung, so dass Pater Girard nicht wahrgenommen werde.

Die junge französische Forscherin Marie Vergnon stiess bei ihren Recherchen oft auf den Namen Girard. Ihm komme ein «wichtiger Platz in der pädagogischen Szene Europas zu», erklärte sie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hätten sich viele Pädagogen für seine Lehransätze interessiert und seien deswegen nach Freiburg gereist. Man dürfe Girards Bedeutung aber nicht überschätzen. Englische Pädagogen, die nach Freiburg kamen, wollten vor allem wissen, «was auf dem Kontinent» vor sich gehe.

Junge Forscher wollen hinter das Geheimnis von Pater Girard kommen, sagt Vergnon: «Die Werte, die Girard vertrat, weisen über die Religionsgrenzen hinaus. Es sind vor allem menschliche Werte – und darum behält seine Lehre heute ihre Gültigkeit.» Deshalb wolle sie Girard der heutigen Generation bekannt machen.

Eine Girard-Renaissance?

Der junge Freiburger Historiker Alexandre Fontaine ist überzeugt, dass eine erneute Erforschung des Lebens und des Werks des «mönchischen Pädagogen» zu einer «substanziellen Erweiterung unseres Horizonts führt». Er weist darauf hin, dass Girard in das Projekt «Kulturweg Helois» des Europarats rund um die grossen Pädagogen aufgenommen wurde. Es sei wichtig, sich auch über die Pädagogik dem europäischen Kulturerbe zu nähern. Der Grundstein zur Pädagogik in Europa sei ein Gemeinschaftswerk gewesen.

Auf diese Weise gliedere sich das Werk des Freiburger Pädagogen in eine philosophische, soziologische und praktische Dimension des Schulwesens ein, die weit über die Schweizer Grenzen hinausreiche. Die Pädagogen des 19. Jahrhunderts seien nach Freiburg gereist, um die «girardischen Methoden kennenzulernen». Girard selber habe sich aber nicht als Visionär, sondern als Verbindungsglied verstanden. Er habe Neuerungen seiner Zeit überarbeitet und sei zu einem Resultat gelangt, das er «auf geniale Weise» in der Freiburger Gesellschaft umsetzte. Girards Werk sei ein Teil der pädagogischen Bewegung in Europa, die aus vielen kleinen transnationalen Elementen und Variationen bestehe.

Zur Stiftung

Andenken an den Priester-Pädagogen

Die Stiftung Père Girard hält die Erinnerungen an den Priester-Pädagogen wach. Diese wurde 1990 vom Kanton Freiburg, von der Universität Freiburg und vom Bistum Lausanne, Genf und Freiburg gegründet. Als Ziele hat sie sich gesetzt, Forschung, Unterricht und Studien auf dem Gebiet der christlich orientierten Pädagogik zu fördern und das Werk von Gregor Girard zu studieren und bekannt zu machen.kath.ch

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