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Existenzsorgen wegen Liberalisierung

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Existenzsorgen wegen Liberalisierung

Zahlreiche Seeländer Gemüseproduzenten beteiligen sich an der friedlichen Demonstration in Bern

An der Kundgebung des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten am Dienstag in Bern beteiligten sich Sektionen aus der ganzen Schweiz. Stark vertreten waren das freiburgische und das bernische Seeland.

Von PATRICK HIRSCHI

Rund 400 Produzenten machten sich am Dienstagvormittag für Schweizer Gemüse stark. Man habe die Anzahl Teilnehmer bewusst begrenzt, sagt Thomas Wieland vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten vor Beginn des Marsches zu den Anwesenden. «Wir wollen schliesslich nicht die Stadt blockieren», unterstreicht er die friedliche Absicht.

Und in der Tat verläuft die Kundgebung ruhig und gesittet. Spontan tun sich ein Romand und ein Deutschschweizer zusammen, um gemeinsam ein grosses Transparent durch die Stadt zu tragen. Genfer und St. Galler, Tessiner und Zürcher – im Alltag teils erbitterte Konkurrenten – marschieren friedlich und demonstrieren Einigkeit.
«Diese Atmosphäre kann sich aber rasch ändern, wenn wir heute kein Gehör finden. Dann kommen wir nämlich wieder – und zwar mit Landwirten aus allen Bereichen», sagt ein Teilnehmer in Anspielung auf eine landwirtschaftliche Kundgebung vor ein paar Jahren, bei der es zu Ausschreitungen gekommen war.

Existenzängste gehen um

Gut vertreten sind die Gemüseproduzenten aus dem Seeland. Die Sektionen Ried, Kerzers, Galmiz und andere mehr schickten Delegationen, um ihren Unmut gegenüber der drohenden WTO-Liberalisierung zu äussern.

Hans Etter aus Ried befürchtet durch die Abschaffung des Zollsystems einen Preisnachteil, weil das Lohnniveau in der Schweiz höher ist als im Ausland. Er habe den Eindruck, dass der Gemüsebau stellvertretend für die gesamte Landwirtschaft herhalten müsse, weil der politische Druck eine Öffnung verlange, schildert er seine Beweggründe, an der Kundgebung mitzumachen.

Ernst Schmid, ebenfalls aus Ried, sieht seine Existenz als Gemüseproduzent in Frage gestellt. Bei gewissen Sorten müsse man mit einem Abbau der Zölle bis zu 88 Prozent rechnen. Er sei keineswegs gegen eine Anpassung, bevorzuge aber das gegenwärtige Modell, das die Zölle um zwei Prozent jährlich nach unten anpasse.

Auch für die Zwischenhändler sieht Schmid Probleme: «Die grossen Ladenketten werden bei einer Aufhebung der Zölle nur noch fertig verpackte Produkte aus dem Ausland einkaufen», meint er.

Schmid nimmt bereits zum dritten Mal an einer Demo teil. Früher hatte er sich an Kundgebungen gegen das Zoll- und Handelsabkommen Gatt gewehrt. «Und das hat doch immerhin etwas gebracht», sagt er rückblickend.
«Wenn die Zölle fallen, können wir höchstens noch zwei Jahre Rosenkohl produzieren», sagt Bioproduzent Kurt Frey aus Fräschels. Er schätzt zwar, dass ein gewisses Kundensegment auch in Zukunft ausschliesslich Schweizer Bioprodukte kaufen wird. Aber dies würde nicht genügen.

Ob seine Existenz als Gemüseproduzent gefährdet sei, könne er zurzeit nicht beurteilen, meint Andres Wyssa aus Galmiz. Aber die Möglichkeit bestehe zumindest. Eins ist für Wyssa sicher: «Durch die Aufhebung der Zölle wird ausländisches Gemüse nicht billiger. Das sieht man bereits jetzt jeweils im Winter, wenn in den Läden viel Ware aus dem Ausland angeboten wird.» Der Schweizer Konsument würde also nicht profitieren.

Bundesrat soll kämpfen

Für Bio-Suisse-Präsidentin Regina Fuhrer ist die Qualität stets massgebend gewesen für den Erfolg von Schweizer Gemüse. Mit einer Liberalisierung werde dieses hohe Niveau gefährdet, sagt sie in ihrer Ansprache vor dem Bundeshaus. «Das Gemüse aus der Nähe ist in Gefahr», sagte Verbandspräsident Melchior Ehrler in seiner Rede. Er forderte den Bundesrat auf, an den WTO-Verhandlungen «wie ein Löwe» zu kämpfen.

Die Kundgebungsteilnehmer signalisierten mit zahlreichen Symbolen, wie ernst die Lage für sie ist. Eine Delegation aus dem Wallis hatte einen Sarg nachgebaut, und auf dem Bundesplatz wurde mit Dutzenden von Holzkreuzen ein «Gemüsefriedhof» erstellt.

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