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Fachpersonal auch in Freiburg Mangelware

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Das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel hat erstmals die Situation in den Alters- und Pflegeheimen der Schweiz detailliert untersucht. Aussagen von mehr als 5000 Frauen und Männern des Pflege- und Betreuungspersonals von 163 Heimen wurden erfasst und ausgewertet. Die Studie hat gemäss der gestrigen Medienmitteilung der Uni Basel festgestellt, dass die Qualität der Pflege sehr hoch ist und die Pflegenden ihrem Beruf gerne nachgehen. Sie verdeutlicht aber auch die hohen beruflichen und gesundheitlichen Belastungen des Personals. So leide der Grossteil (70,9 Prozent) an Rücken- oder Kreuzschmerzen. Personal- und Zeitmangel wirke sich teilweise negativ auf die Pflege der Heimbewohner aus. Massnahmen zur Pflegeplanung und Dokumentation würden rationiert, und den Pflegenden fehle oft die Zeit, sich über den Zustand der Betagten zu informieren. So gab jeder fünfte Befragte an, aus Zeitgründen Pensionären bei Ängsten und Sorgen «keinen emotionalen Beistand anbieten» zu können.

Fast alle haben Probleme

Für 91,9 Prozent der Pflegeheime in der Schweiz erweist sich die Rekrutierung von Pflegefachpersonal laut Studie als schwierig. Diese Erfahrung machen gemäss René Thomet auch viele der total 54 Institutionen im Kanton Freiburg. Thomet ist Direktor des Pflegeheims Rose d’Autonome in Villars-sur-Glâne und Präsident des Dachverbandes der Freiburger Alterseinrichtungen Afipa. Er stellt fest, dass bei den Pflegefachfrauen, wie auch bei den Pflegeassistentinnen, ein grosser Mangel besteht. «Das macht uns grosse Sorgen», sagt er auf Anfrage.

Hinzu komme, dass die Anforderungen steigen. Die Aufgabe der Pflege sei vermehrt auch die Linderung von Schmerzen und die Palliativ- sowie die psychogeriatrische Pflege. Die notwendigen Stellen würden mit Personal aus dem Ausland besetzt, aus Frankreich und zunehmend aus Portugal, so Thomet weiter. Zurzeit litten vor allem die französischsprachigen Heime unter dem Mangel an qualifiziertem Personal.

Laut Thomet könnten in Zukunft die Rekrutierungsprobleme auch in den deutschsprachigen Gebieten zunehmen, da diese sich weniger leicht im Ausland eindecken können. «Bedenken Sie: In Portugal erhalten die zukünftigen Pflegeangestellten eine angepasste Ausbildung inklusive Französischkurs.»

Höhere Löhne als in Bern

Der Kanton Freiburg habe den Vorteil, dass er dem Pflegepersonal höhere Löhne bezahle als der Kanton Bern, sagt Peter Portmann, Präsident des Gesundheitsnetzes Sense und Mitglied der Pflegeheimkommission Sense. Dieser Umstand habe schon manche Bernerin und manchen Berner dazu bewogen, in einem Pflegeheim in Deutschfreiburg eine Stelle anzutreten. Trotzdem müsse man sehr grossen Aufwand betreiben, um den Personalmangel in den Griff zu kriegen, sagt Portmann, zu dessen Gemeindeverband das Pflegeheim Maggenberg in Tafers zählt. Die Einführung des zwölfstufigen Systems RAI, mit dem die Freiburger Pflegeheime den Pflegebedarf ihrer Bewohner ermitteln müssen, habe die Fachkräfte stark absorbiert, erklärt er. Nach bald zwei Jahren sei es nun aber so weit, dass eine gewisse Routine eingekehrt sei und wieder etwas mehr Zeit bleibe, um sich der Pensionäre anzunehmen. Dennoch betont Portmann: «Das Personal ist stark gefordert.»

Auf der Suche für Bösingen

 Auch die Stiftung St. Wolfgang mit Pflegeheimen in Flamatt, Düdingen und Schmitten und einem Tagesheim in St. Wolfgang muss einiges unternehmen, um die richtigen Leute zu finden, wie Geschäftsleiter Ivo Zumwald erklärt. «Vor allem beim diplomierten Personal wird es immer schwieriger.» Die Stiftung mit aktuell 250 Mitarbeitenden erfahre das bei der Personalsuche im Hinblick auf die Eröffnung des Pflegezentrums Bösingen im Frühjahr 2014. 

Im Arbeitsalltag müsse das Personal versuchen, die zur Verfügung stehende Zeit so gut wie möglich einzuteilen. Könne sich ein Bewohner zum Beispiel selbst rasieren, solle das Personal ihn dies ruhig tun lassen und sich in der Zwischenzeit bereits um den nächsten kümmern.

Für Jüngere unattraktiv

Zurzeit könne er alle freien Stellen ohne grosse Probleme besetzen, sagt Jürg Leuenberger vom medizinischen Pflegeheim Murten. Er könne auf viele Dienstältere und bei der Stellensuche auf Wiedereinsteigerinnen bauen. Er stelle jedoch fest: Die Arbeit in den Pflegeheimen sei für junge Diplomierte noch zu wenig attraktiv. Unter ihnen herrsche die Meinung vor, dass man seine Berufskarriere im anspruchsvolleren Akutspital beginnen solle. «Sie sehen wenig Perspektive im Langzeitbereich.» Die Arbeit im Akutspital gelte als moder- ner und herausfordernder, so Leuenberger. «Diese Sicht ist aber falsch.»

Zweisprachige gesucht

René Thomet betont, die Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung hätten auch eine sprachliche Komponente. Er fordert, dass die Zweisprachigkeit–wie beim Spitalnetz HFR–auch im Bereich der Pflegeausbildung gefördert wird. So könnten Angestellte in beiden Kantonsteilen arbeiten. Eine Anforderung, die im Seebezirk schon lange gilt. «Wir im Seebezirk sind zweisprachig, wie unsere Bewohner», so Leuenberger, «wir suchen unsere Angestellten deshalb in der Umgebung.»

 Die Probleme bei der Personalrekrutierung seien im Kanton Freiburg nicht akut, sagt Maryse Aebischer, Vorsteherin des kantonalen Sozialvorsorgeamtes. Aber man sei sich bewusst, dass für die Zukunft etwas unternommen werden müsse. So bezahle der Kanton bereits jetzt einen Teil der Kosten, wenn ein Pflegeheim für die Stellensuche einen besonders hohen Aufwand leisten müsse. Im Kanton Freiburg sei die Personaldotation im Pflegebereich deutlich besser als in den anderen Kantonen. Für fast 2600 Betten seien knapp 1900 Vollzeitstellen vorhanden, so Maryse Aebischer. Das heisse aber nicht automatisch, dass die Pflegenden mehr Zeit zur Verfügung hätten.

Zahlen und Fakten

Rund ein Drittel ist älter als 50 Jahre

Die Studie des Instituts für Pflegewissenschaft der Uni Basel zeigt weiter auf, dass rund ein Drittel des Pflegepersonals älter als 50 Jahre ist und seine Berufstätigkeit in den kommenden Jahren aufgeben wird. Dadurch werde sich die Problematik bei der Rekrutierung wohl noch verschärfen.ak

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