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Fairness im Netz schrittweise lernen

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Wer im OS-Alter kein Smartphone hat, ist heute eine Ausnahme. Jugendliche gehen technisch ganz selbstverständlich mit den digitalen Geräten um. «Ebenso wichtig ist aber eine faire und respektvolle Nutzung der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten, und diese müssen sich Kinder und Jugendliche erst aneignen», sagt Felix Rauh. Er ist seit zehn Jahren Schulsozialarbeiter an der OS Sense und hat in seinem Arbeitsalltag festgestellt, dass es diesbezüglich Nachholbedarf gibt. «Die rasante Verbreitung von Smartphones war ein Quantensprung. Die Geräte entwickelten sich viel schneller, als wir mit ihnen kompetent umgehen konnten», sagt er im Gespräch mit den FN.

Die ständige Erreichbarkeit und die Möglichkeit, jederzeit Informationen abrufen und Nachrichten verbreiten zu können, sei Segen und Fluch zugleich. Seine Erfahrungen hat er im Buch «Fit und fair im Netz» zusammengefasst. Neben problematischen Phänomenen wie Cybermobbing und Sexting (siehe Kasten) zeigt er auf, wie Erwachsene gute Vorbilder sein können.

Turbulente Phase

Whatsapp, Instagram und Snapchat sind momentan die populärsten Apps und gehören zum ersten, was sich Jugendliche auf ihre Geräte runterladen. «Sie bedienen zu können heisst noch lange nicht, deren Wirkung auch zu verstehen», sagt Felix Rauh. «Es braucht eine gewisse Reife, um mit den vielseitigen Möglichkeiten eines Smartphones umgehen zu können.» Und diese Reife werde von Jugendlichen ausgerechnet in einem Alter verlangt, in dem sie sich körperlich, neurologisch und sozial in einer turbulenten Entwicklungsphase befänden. Auf der Suche nach einer eigenen Identität orientierten sich die Jugendlichen vermehrt an Gleichaltrigen, der sogenannten Peergroup. «Sie wollen dazugehören, mitreden und ihren Platz in der Gruppe finden.»

Dies mache auch anfällig, sich Gruppenzwängen unterzuordnen. «Es erfordert Charakterstärke und Reflexionsvermögen, gängige Meinungen im Gruppenchat nicht einfach gedankenlos zu übernehmen oder aus einer virtuellen Gruppe auszutreten.» Wurden früher Konflikte von Angesicht zu Angesicht ausgetragen, weiteten sie sich durch das Smartphone bis ins eigene Schlafzimmer aus. Angriffe können jederzeit und überall erfolgen. Sehr schnell kann ein Knatsch im Gruppen- oder Klassenchat verletzen, ausgrenzen oder schlimmere Ausmasse annehmen.

Präventiv ansetzen

«Smartphones können viel Unruhe ins Klassenklima bringen», stellt der Schulsozialarbeiter fest. Es gehe ihm aber nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger die Verantwortung oder gar die Schuld für die Probleme mit den neuen Kommunikationsmitteln jemandem zuzuschieben, sagt er. «Ich bin kein Richter, mein Ansatz ist sensibilisierend und vermittelnd: Wer kann was tun, um Probleme zu lösen, oder noch besser, was ist hilfreich, damit sie gar nicht erst entstehen.»

Lernen müssten aber nicht nur die Jugendlichen, sondern auch Erwachsene. «Auf sich alleine gestellt sind Jugendliche, Eltern und Schule sehr gefordert, manchmal überfordert», sagt er. Es brauche eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen und Eltern. Beide können einen wichtigen Beitrag leisten, und an beide richtet er sein Buch. Er zeigt darin gangbare Wege auf, wie sie die Herausforderung mit den neuen Kommunikationsmitteln gemeinsam anpacken können. Ergänzt ist das Buch mit Fallbeispielen zu Cybermobbing und Sexting, zwei Faltplakaten mit illustrierten Kurzgeschichten sowie online zugänglichen Workshops für die Präventionsarbeit.

An den Orientierungsschulen im Sensebezirk nehmen alle ersten OS-Klassen am Workshop teil, in dem es um Prävention in diesem Bereich geht. «Jugendliche lernen beispielsweise, wie rasch und unkontrolliert sich eine virtuelle Attacke ausbreiten kann, die vielleicht aus einem plötzlichen Gefühl von Wut, Neid, oder Liebeskummer entstanden ist», erklärt er. Solche überschwänglichen Gefühle seien gerade bei Pubertierenden häufig. Einen wichtigen Beitrag leisten Jugendliche und Eltern in Form eines kurzen Elterninterviews selbst. «Es ist ermutigend und bereichernd, wie viele gute Ideen so zusammengetragen und gemeinsam mit den Jugendlichen vertieft werden können», stellt der Schulsozialarbeiter fest. «Ein zentrales Ziel des Workshops ist es, die positiven Einflussmöglichkeiten und die konstruktiven Kräfte von Jugendlichen, Eltern und Schule zu bündeln.»

Konsum hinterfragen

Felix Rauh ist sich bewusst, dass ein gesunder Umgang mit Smartphones nicht nur Jugendliche betrifft, sondern viel früher anfängt. «Manche Kleinkinder erhalten bei jedem Quengeln das Smartphone von ihren Eltern», sagt er. «Dadurch können sie nicht lernen, schwierige Momente auszuhalten oder Langeweile selbständig zu überbrücken.»

Kinder, die den Blick ihrer Eltern ständig auf dem Display sehen, bekommen mit, dass diese Geräte als Agenda, Stadtplan, Musikquelle, Ticketautomat, Lexikon, Wecker, Diktiergerät, Gamekonsole, Portemonnaie, Fotoapparat, Videokamera – und als Telefon verwendet werden. «Sie nehmen dadurch schon sehr früh wahr, dass Smartphones im Alltag scheinbar eine unverzichtbare, allgegenwärtige Selbstverständlichkeit sind.» Der Schulsozialarbeiter erinnert in seinem Buch daran, dass Eltern auch während der Pubertät wichtige Bezugspersonen für ihre Kinder bleiben: Ihre Söhne und Töchter machen vieles nach, was sie vorleben. Er plädiert deshalb dafür, dass auch die Erwachsenen sich ihres eigenen Medienkonsums bewusst werden. «Smartphones bieten viel Nützliches und Positives.»

Unterstützt und begleitet

Es geht nicht darum, diese Geräte und ihre Möglichkeiten schlechtzumachen», betont der Schulsozialarbeiter. Das Kind müsse aber Gelegenheit erhalten, Schritt für Schritt Medienkompetenz zu entwickeln. «Es soll probieren und seine Erfahrungen machen dürfen, jedoch immer unterstützt und begleitet durch seine Eltern. Eigentlich ist es ähnlich wie beim Fahrradfahren: Dieses erlernen Kinder auch nicht ohne Lernrad, Stützen, Helm, Zuspruch und Begleitung durch Eltern.»

Verbindlicher Vertrag

Felix Rauh ruft dazu auf, mit den Kindern über mögliche Gefahren zu sprechen. Er schlägt vor, dass Eltern vor einem Smartphonekauf gemeinsam mit ihrem Kind einen Handyvertrag ausarbeiten und abschliessen. «Ein Patentrezept dafür gibt es nicht, er soll zur Familie passen und die Stärken und Schwächen der Jugendlichen miteinbeziehen.» Themen darin sind zum Beispiel klar definierte handyfreie Zeiten oder eine handyfreie Zone, aber auch der respektvolle Umgang mit anderen sowie die Kostenkontrolle bei der Handyrechnung. «Die Eltern dürfen sich vor allem nicht täuschen lassen durch den vordergründig versierten Umgang der Jugendlichen mit dem Smartphone: Technisch kapieren sie die Bedienung schnell, aber ebenso schnell sind viele emotional überfordert.»

Felix Rauh: «Fit und fair im Netz – Strategien zur Prävention von Cyberbullying und Sexting», 136 S., hep-Verlag Bern.

Definition

Cyberbullying und Sexting

Unter Cyberbullying oder Cybermobbing versteht man alle Formen von Schikane, Diffamierung, Belästigung, Ausgrenzung und Nötigung von Menschen mit elektronischen Kommunikationsmitteln, bei denen sich der Betroffene hilflos, ausgeliefert und emotional belastet fühlt. Sexting ist das Versenden selbst geknipster intimer Fotos und ist nicht ausschliesslich ein Jugendphänomen. Solange die Beteiligten vertraulich mit den intimen Aufnahmen umgehen, ist Sexting unproblematisch. Anders ist es, wenn diese aus Rache oder Neid öffentlich gemacht werden. Sexting kann Spott, Lästereien und Ausgrenzung zur Folge haben. Verbreiten unter sechzehn Jahre alte Personen intime Aufnahmen von sich oder Gleichaltrigen, machen sie sich als Anbieter von Kinderpornografie strafbar.

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