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Familiendrama um Ellys Verschwinden

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Zurück bleiben zwischen Hoffnungslosigkeit und Glauben an ein glückliches Ende ihre Eltern und die ältere Schwester. Sie alle verstricken sich unablässig in ein dichtes Netz von Trauer, Vorwürfen und Angst, das ihr Familienleben lahmlegt und kaum mehr Platz für ein Leben miteinander lässt. Wie der Hamster in seinem Rad sind sie mit sich und dem ewigen Treten an Ort beschäftigt, was ihnen die Zeit und Achtsamkeit füreinander stiehlt.

Es war einmal …

Ines, die grosse Schwester, erinnert sich an glückliche Zeiten. Daran, wie wach und lebendig sie war, selbstbewusst und stark, bis ihre kleine Schwester verschwand. Seither hat sich ihr Leben drastisch verändert: Sie fühlt sich schwach und verlassen von ihren Eltern, die nur noch mit sich selbst beschäftigt sind. Dauernd schweift sie mit kindlicher Fantasie ins Abstruse ab und entfernt sich immer mehr vom täglichen Geschehen. Ihre Gedanken kreisen nur noch um Elly, die sie vermisst und auch verflucht, da die Ungewissheit um ihre Abwesenheit ihr Leben vergiftet. Auch wenn die Familie versucht, die Normalität aufrechtzuerhalten, wird Ines über Jahre vom Schatten, der seit Ellys Verschwinden über ihr lastet, erdrückt; er hemmt sie in ihrer jugendlichen Entwicklung.

Hätte sie das Unglück, das Elly zugestossen ist, verhindern können? Die Mutter überschüttet sich mit Vorwürfen, sie flüchtet sich immer wieder zur kleinen rosa Pille, die ihr eine Nacht lang Trost verspricht.

Kommt Elly zurück?

Und dauernd gibt es für sie Hinweise auf eine baldige Rückkehr ihrer Tochter, daran klammert sie sich vehement. Bald wendet sie sich gegen ihren Mann, der sie allein lässt in dieser Hoffnung, weil er selber nicht mehr daran glaubt, eines Tages sein Kind wohlbehalten in die Arme schliessen zu können. Mühsam versucht er jedoch immer wieder, Harmonie herzustellen, um ihre Beziehung zu retten. Die Polizei ist nach jahrelanger vergeblicher Suche ratlos und auch misstrauisch. Der eine Polizist spricht lakonisch aus, was alle denken: «Es gibt zwei Möglichkeiten, wenn Kinder verschwunden bleiben. Sie können Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein, oder sie wollen nicht gefunden werden».

Es vergehen vier Jahre, da wird in Dänemark eine verwahrloste Jugendliche aufgegriffen, die Elly sein soll. Wohlbehalten, doch von schrecklichen Erfahrungen geprägt. Ines stellt beunruhigt fest, dass sich das familiäre Zusammenleben mit der wiedergefundenen Elly so anfühlt, als führten alle miteinander eine Fernbeziehung, und meint: «Unser Vater wiederholt die Litanei, dass Elly sich verändert habe. Mir ist nicht wohl dabei.» So geht es allen in der Familie, niemandem ist wohl dabei!

Ein tiefgründiges Drama

Das Romandebüt von Maike Wenzel fesselt mit ruhigem Erzählfluss und erstaunt immer wieder mit unerwarteten Aussagen, die mit einer aussergewöhnlichen Klarheit alle Beteiligten zum Leben erwecken. Tiefgründig leuchtet sie das Befinden aller bis in den hintersten, versteckten Winkel aus. Knappe Sätze verschieben die Wirklichkeit und verändern damit die Stimmung urplötzlich. Mit beeindruckender Sensibilität zeigt die Autorin auf, wie eine Familie durch ein schreckliches Ereignis aus der Bahn geworfen wird. Packende Lektüre bis zum letzten Wort.

Maike Wetzel: Elly. Roman, Schöffling & Co., Frankfurt a.M., 2018. 147 Seiten.

Giovanna Riolo ist freie Rezensentin.

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