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Fischzucht zieht an andere Seeseite

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Die kantonale Fischzucht stand von Beginn weg unter einem schlechten Stern. Nachdem der Grosse Rat vor acht Jahren einen Kredit von zwei Millionen Franken genehmigt hatte, verzögerte sich der Bau wegen Einsprachen. 2015 wurde ein Zusatzkredit von noch einmal fast einer halben Million Franken nötig. Und als die Anlage im Herbst 2016 eingeweiht wurde, folgte das Desaster: Gleich in der ersten Saison starben 480 von 630 Litern Eier ab. Die neu gebaute Fischzucht versagte.

Jetzt kommt das endgültige Aus der Fischzucht. Sie wird nicht wieder instandgestellt, stattdessen beteiligt sich der Kanton Freiburg neu mit Neuenburg und der Waadt an einer interkantonalen Fischzucht in Colombier  NE. Dies verkündete der Staatsrat gestern an einer Medienkonferenz. Colombier diente zuletzt bereits als Zwischenlösung.

«Eine Reihe von Fehlern»

«Wir müssen das Scheitern unseres Projekts feststellen und setzen nun auf eine Lösung für die Zukunft», sagte Didier Castella (FDP), Direktor der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft.

Wie er betonte, habe man die Probleme rund um die Fischzucht in Estavayer in einer technischen und einer administrativen Studie analysiert. Diese beiden Studien hat der Staatsrat gestern in einer anonymisieren Fassung vorgestellt. «Aus den Analysen geht hervor, dass nicht ein grosser, sondern eine Reihe kleiner Fehler begangen wurde.»

Jean-François Steiert (SP), Raumplanungs-, Umwelt-und Baudirektor, sagte: «Wir haben festgestellt, wie komplex eine solche Anlage ist.» So spielten nicht nur die chemischen, sondern auch die physischen Eigenschaften von Wasser eine entscheidende Rolle bei Erfolg oder Misserfolg. Steiert erwähnte Druckunterschiede, Höhenunterschiede, die Wasserzirkulation und auch die Temperatur: «Das nötige Know-how ist im kleinen Rahmen kaum zu handhaben.»

Doch auch im Planungs- und Bauverlauf seien Fehler begangen worden. Die Anlage habe konzeptionelle Fehler gehabt, so Steiert. «Sie konnte vermutlich gar nicht funktionieren.» Das Projekt sei mehrfach abgeändert worden, ohne dass dabei die notwendigen Absprachen getroffen worden seien. «Es gab ein Koordinationsproblem zwischen den Ämtern.»

Dies wolle man mit einer neuen Verordnung korrigieren. Man müsse künftig das Hochbauamt von Anfang an einbeziehen, so Steiert.

Keine juristischen Folgen

Bei der Umsetzung habe es auch Fehler am Gebäude gegeben, die den Architekten betrafen, sowie technische Fehler bei den Unternehmen, was aber nicht zwingend zum Brutsterben geführt habe.

Der Staatsrat hält fest, dass die Studien keine Verletzung von Normen, Gesetzen oder Richtlinien zutage gebracht hätten. Insofern werden die Erkenntnisse für die Beteiligten keine juristischen oder personalrechtlichen Konsequenzen haben.

An der gestrigen Medienkonferenz nahmen neben den beiden Staatsräten auch die Dienstchefs der betroffenen Ämter teil. «Von den hier anwesenden Personen hat niemand am Projekt mitgearbeitet», sagte Castella. «Und die Projektverantwortlichen sind heute nicht mehr im Amt.»

Ohne Anerkennung einer Rechtspflicht haben die beteiligten Unternehmen aber eine Vereinbarung unterschrieben, laut der sie sich mit rund 200 000 Franken an den Kosten beteiligen, und zwar unabhängig davon, ob die Anlage in Estavayer wieder in Betrieb genommen wird oder nicht.

Der Staatsrat hat am 23. Oktober 2019 von Neuenburg eine Offerte zur Beteiligung an der Fischzucht Colombier erhalten und diese genehmigt. Zur Anpassung der Anlage in Colombier ist eine einmalige Investition von 145 000 Franken nötig, an welche Freiburg ein Drittel bezahlt. Dazu kommen jährliche Betriebskosten von 140 000 Franken, ebenfalls aufgeteilt auf die drei Kantone.

Demgegenüber hätte die Instandstellung der Anlage in ­Estavayer rund 1,5 Millionen Franken gekostet. Die jährlichen Betriebskosten hätten 180 000 Franken betragen.

Wie das Gebäude in Estavayer künftig genutzt wird, ist noch nicht klar. Die Bootsplätze werden von den Fischereiaufsehern Waadt und Freiburg genutzt, die Büros von den kantonalen Diensten. So sollen gemäss Steiert in Zukunft Mieteinnahmen fliessen, die die Kosten decken helfen.

Kommentar

Mit einem grossen blauen Auge davongekommen

Ein Fehler kann im Nachhinein sogar von Nutzen sein, wenn man daraus lernt. Das sagten beide Staatsräte an der gestrigen Medienkonferenz, bei der sie das Scheitern der Fischzucht Estavayer erklären mussten. Dass sich Freiburg nun an einer funktionierenden Anlage in Colombier beteiligen kann, ist ein Glücksfall, auf den sich aber niemand etwas einbilden kann. Es mag sein, dass die in die Fischzucht Estavayer investierten 2,4  Millionen Franken bis in 20 Jahren durch die Vorteile von Colombier wettgemacht sind. Und möglicherweise werden die Lehren in Bezug auf Bauverfahren in Form einer neuen Verordnung dazu führen, dass ähnliche Debakel in Zukunft vermieden werden. So kann der Staatsrat heute grossmütig darauf verzichten, die Verantwortlichkeiten einzelner Amtsträger aus vergangenen Jahren etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch das Scheitern der Fischzucht sollte vor allem ein Mahnmal sein: Im Umgang mit Steuergeldern haben Vertreterinnen und Vertreter des Staats sowie die beauftragten Unternehmen höchste Ansprüche zu erfüllen. Prestigeprojekte einzelner Direktionen oder gar Ämter sind fehl am Platz. Gefragt sind die Bündelung von Know-how und absolute Professionalität. Nur dann ist die sorgsame Verwendung von Steuergeldern bei solchen Projekten gewährleistet.

Zahlen und Fakten

Längerfristig günstiger

Mit der Beteiligung an einer interkantonalen Fischzucht in Colombier wird Freiburg hochgerechnet auf die Lebensdauer einer Anlage möglicherweise Geld sparen, selbst wenn man die Investitionen in Estavayer mitberücksichtigt. Für Estavayer wurden Kredite für rund 2,4 Millionen Franken genehmigt, 200 000 Franken fliessen nun von Unternehmen zurück. Wenn Estavayer keine technische Anlage mehr ist, wird das Gebäude länger amortisiert. Für eine Instandstellung wären weitere 1,53  Millionen Franken nötig gewesen, in Colombier sind es einmalig 47 000 Franken. Und die Betriebskosten machen einen Viertel aus.

uh

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