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Fluch und Segen der Tiefpreisstrategie

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Skiferien kosten: Der Gast braucht Schneesportausrüstung, Übernachtung, Verpflegung und obendrein noch ein Skiabonnement. Doch wer sich heute rechtzeitig nach den Angeboten der Bergbahnen umschaut, kann Geld sparen. Knapp nach der Wintersaison, wenn der Frühling begonnen hat, startet meist der Vorverkauf von Abonnements für die nächste Saison. Den Magic Pass beispielsweise, ein Westschweizer Skiabo-Verbund, gab es im vergangenen April für 399 Franken – und da gehörte auch das Sommerabonnement dazu.

Die Kaisereggbahnen Schwarzsee AG und die Jaun-Gastlosen Bergbahnen AG sind Teil des Magic Pass. Beide bieten dadurch günstigere Abopreise an, erhalten im besten Fall mehr Gäste und müssen innerhalb des Betriebes mehr leisten, um den Touristen einen zufriedenstellenden Skitag zu bieten. Eine Herkulesaufgabe für die Bergbahnen, besonders bei den ­Finanzen.

Mitmachen oder nicht?

Therese Lehmann ist stellvertretende Leiterin der Forschungsstelle Tourismus an der Universität Bern. Für sie ist klar: «Wenn Bergbahnen mit zu günstigen Abonnements­preisen Gäste anlocken, besteht die Gefahr, dass die Differenz zwischen den Betriebskosten und den Einnahmen grösser wird.» Über dieses Risiko habe der Verwaltungsrat der Kaisereggbahnen Schwarzsee AG lange diskutiert, bevor er dem Skiabo-Verbund Magic Pass beigetreten sei, sagt Verwaltungsratspräsident Felix Bürdel den FN. Die Kaisereggbahnen hätten sich zuvor neben dem Verbund der Freiburg Alpen eher in Richtung Berner Oberland orientiert. «40 Prozent unserer Gäste sind aber französischsprachig. Zudem haben alle Freiburger Bergbahnen beim Magic Pass mitgemacht, da haben wir uns für den Beitritt entschieden.» Und es sei der richtige Entscheid gewesen. «Die Gästezahlen sind im Sommer um 50 Prozent und im Winter um 20 Prozent gestiegen.»

Der Verwaltungsrat der Gastlosen-Jaun Bergbahnen AG habe keine Bedenken für den Beitritt zum Skiabo-Verbund gehabt, sagt Verwaltungsratspräsident und Syndic von Jaun, Jean-Claude Schuwey, auf Anfrage. «Wir wussten, dass es bei diesem Projekt nicht nur um die Steigerung der Abo-Verkaufszahlen ging, sondern auch darum, die touristische Wirtschaft anzukurbeln.» Es brauche ein komplettes Angebot, bei dem der Gast nach dem Skifahren noch im Restaurant etwas trinken oder auch vor Ort übernachten könne.

Zwei Auszahlungen

Doch ist der erste Vorverkaufspreis des Magic Pass im April tiefer als das Saison­abonnement der Kaisereggbahnen mit 460 Franken und der Jaun-Gastlosen mit 480 Franken. Wo ist der Mehrwert? «Die grosse Anzahl verkaufter Abonnemente und die Zunahme der Gäste», sagt Bürdel von den Kaisereggbahnen. Die teilnehmenden Bergbahnen des Magic Pass erhalten jeweils zu Beginn und am Ende der Wintersaison eine Auszahlung. Letztere orientiert sich anhand der Ersteintritte. Die Bergbahnen würden somit bei den Abo­käufern nicht wie früher nur den Abopreis einnehmen, sondern verdienen an jedem täglichen Magic-Pass-Erst­eintritt, sagt Schuwey von den Jaun-Gastlosen Bergbahnen (siehe Kasten).

Die Kaisereggbahnen hätten rund 40 Prozent mehr Einnahmen erzielt als noch vor dem Magic Pass, sagt Bürdel. Das Resultat sei aber auch vom guten Wetter im Sommer und Winter begünstigt worden. «Unsere Erwartungen wurden übertroffen», sagt Bürdel. Die Jaun-Gastlosen-Bergbahnen hätten auch mehr Betriebseinnahmen generiert. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, um wie viel höher die Einnahmen ausgefallen seien, sagt Schuwey. «Der Magic Pass ist seit knapp zwei Jahren auf dem Markt. Es braucht noch Zeit, bis wir die Zahlen vergleichen können. Zudem spielen Faktoren wie Wetter, Temperatur und Schneeverhältnisse auch eine wichtige Rolle, wenn es um das Betriebsergebnis geht.»

Zweites oder drittes Standbein

Doch reiche meist eine Finanzquelle heute nicht mehr aus, um die Betriebskosten zu tragen, sagt Tourismusforscherin Therese Lehmann. Eine weitere Möglichkeit, mit der Bergbahnen die steigenden Kosten finanzieren können, sei die Querfinanzierung durch andere Einnahmequellen. Dies ist eine Strategie, welche die Kaisereggbahnen schon lange anwenden: Sie besitzen das Berghaus Riggisalp, das Restaurant Gypsera, die Rodelbahn und den bewirtschafteten Parkplatz bei der Gypsera. «Im vergangenen Jahr haben diese Zusatzaktivitäten neben dem Bahnbetrieb rund 1,1 Millionen Franken eingebracht. Dies sind rund 30  bis 40 Prozent des Cashflows – also eine gute Einnahmequelle», sagt der Verwaltungsratspräsident.

Ein zweites Standbein zur Querfinanzierung habe Jaun nicht, sagt Schuwey: «2012 haben wir die neue Sesselbahn gebaut. Zeitgleich stand das Berghaus Gastlosen zum Verkauf. Eine weitere Investition konnten wir uns leider nicht leisten.» Der Verwaltungsrat der Jaun-Gastlosen-Bergbahnen sei aber stets bemüht, einen eigenen Gastrobetrieb zu erwerben. Er habe zudem Interesse an der Pacht des Berghauses für diese Saison bekundet, doch habe der Verwaltungsrat den vorgeschlagenen Mietpreis der Inhaberin als zu hoch empfunden. «Das Risiko ist uns zu gross. Wenn wir die Sesselbahn nicht betreiben können, dann auch nicht das Berghaus, weil es sich bei der Bergstation befindet. Dies kostet Geld.»

Die Bahnen würden mit günstigen Abos zwar mehr Gäste anlocken, so dass die Gewinner oftmals auch die Hotellerie und die Gastronomie seien, sagt Tourismusexpertin Lehmann. «Das Problem ist, dass die Kosten für die Infrastruktur meistens allein die Bahnen zu tragen haben.» In verschiedenen Berggebieten stehe deshalb immer wieder zur Diskussion, ob sich nicht alle Leistungsträger an den Kosten der Bergbahnen beteiligen sollten.

Öffentliche Hand rettet

Einige Berggebiete würden aber von der Unterstützung der öffentlichen Hand profitieren, die bei Engpässen einspringen, sagt Lehmann. Dies sei langfristig aber nicht immer die beste Lösung. Dies hat sich kürzlich in Charmey gezeigt: Die Gemeindeversammlung von Val-de-Charmey hat Ende November eine Steuererhöhung und somit auch eine weitere Unterstützung für den Betrieb der Seilbahnen Charmey abgelehnt (die FN berichteten).

«Für die Kaisereggbahnen Schwarzsee AG ist eine Defizitgarantie für den Betrieb durch die Gemeinde und den Kanton nie in Frage gekommen», sagt Verwaltungsratspräsident Felix Bürdel. «Die Bergbahnen sind ein privatwirtschaftliches Unternehmen.» Die Gemeinde Plaffeien unterstütze jedoch die Kaisereggbahnen stets bei grösseren Investitionen. Schliesslich sei sie Inhaber von 12 Prozent des Aktienkapitals und damit der grösste Aktionär der Bergbahnen.

Die Gemeinde Jaun hingegen zahlt pro Jahr 50 000 Franken an die Jaun-Gast­losen-Bergbahnen – ohne Zweckbindung. «Ziel wäre es schon, eines Tages ohne die Finanzhilfe der Gemeinde auszukommen. Doch ist dies ein frommer Wunsch», sagt der Verwaltungsratspräsident.

Qualität ist Zukunft

«Allgemein kann gesagt werden, dass der Anteil an Skifahrern tendenziell nicht grösser wird. Die Bergbahnen kämpfen heute vermehrt darum, wer die meisten Gäste anwerben kann», sagt Tourismus­expertin Lehmann zusammenfassend. Die verschiedenen Dumpingpreis-Strategien würden das Risiko bergen, die Zahlungsbereitschaft der Gäste zu senken. Vielversprechender sei aus ihrer Sicht, auf die Qualität zu setzen. «Der Skigast ist sehr anspruchsvoll geworden. Er wünscht sich ein ganzes Angebotspaket – von der Anreise über die Skimiete bis zur Pistenabfahrt und Übernachtung, dies in hervorragender Qualität. Dann ist er auch bereit, für diese Qualität zu bezahlen.»

«Allgemein kann gesagt werden, dass der Anteil an Skifahrern tendenziell nicht grösser wird.»

Therese Lehmann

Forschungsstelle Tourismus an der Universität Bern

Auszahlungssystem

Zwei Verteilschlüssel für Magic-Pass-Bahnen

Die Bergbahnen, die beim Skiabo-Verbund Magic Pass mitmachen, würden von der Träger-Genossenschaft Magic Mountains Cooperation zwei Auszahlungen pro Saison erhalten, sagt der Verwaltungsratspräsident der Kaisereggbahnen Schwarzsee AG, Felix Bürdel, den FN. Insgesamt generiere die Trägerschaft 39 Millionen Franken pro Jahr durch die Abo-Verkäufe. In einem ersten Verteilschlüssel erhalten alle Bergbahnen die Durchschnittsumme der in den letzten drei Jahren verkauften Wintersaisonabos – dies vor der Einführung des Magic Pass und anhand des Saisonabopreises der jeweiligen Destination. Diese Auszahlung erfolgt zu Beginn der Saison, damit die Bahnen zahlungsfähig sind. «Rund 50  Prozent der Einnahmen zahlt die Trägerschaft im ersten Verteilschlüssel an die verschiedenen Skidestinationen aus», gibt Bürdel an. In einer zweiten Auszahlung teilt die Trägerschaft die andere Hälfte der Einnahmen auf. Ende Saison erhalten alle Bergbahnen für jeden Ersteintritt eine Gutschrift, die anhand der gesamten Ersteintritte aller Bergbahnen berechnet ist. Kurz erklärt: Wenn ein Skifahrer X an einem Tag Y beispielsweise in Jaun Skifahren geht, generieren die Jaun-Gastlosen-Bergbahnen einen Ersteintritt. Wenn die Person X an einem anderen Tag wieder in Jaun auf die Piste geht, erhält die Bergbahn einen weiteren Ersteintritt – diese werden kumuliert.

jp

 

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