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Fotograf, Künstler, Visionär

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Poetische Stadtansichten. Einfühlsame Porträts. Lebendige Gesellschaftsszenen. Augenzwinkernde Strassenfotografie. Vielschichtige Bildreportagen. – Es gibt kaum eine Spielart der Fotografie, die der Freiburger Jacques Thévoz (1918–1983) nicht beherrschte. «Als Mensch wie als Fotograf fühle ich mich von allem betroffen, ich lege Wert darauf, die Vielfalt meiner Tätigkeit zu bewahren.» So hielt Thévoz selbst es knapp zwei Monate vor seinem Tod fest.

Das Werk, das der Autodidakt hinterlassen hat, ist beeindruckend: Allein die Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg verwahrt rund 60 000 Fotografien. Diese gelangten 1980 an den Kanton Freiburg, weil Thévoz diesem alle seine Negative verkaufte, um den Film «Vulcain» zu finanzieren, der sein letzter werden sollte. Dazu kommen einige Tausend weitere Bilder, die sich im Besitz der Familie Thévoz sowie in den Archiven verschiedener Schweizer Institutionen befinden. Ebenso produktiv war Thévoz als Filmemacher: Er drehte über zwanzig Dokumentar- und Porträtfilme, viele für das Westschweizer Fernsehen, andere für private Auftraggeber oder auf eigene Initiative. Um den grossen Nachlass kümmern sich nebst der Kantons- und Universitätsbibliothek die Vereinigung der Freunde von Jacques Thévoz und die «Archives du Futur Antérieur». Beides sind Initiativen von Thévoz’ Lebens- und Arbeitspartnerin Eliane Laubscher und dem gemeinsamen Sohn Adrien Laubscher. Vor gut zehn Jahren haben sie damit angefangen, mit Ausstellungen und anderen Veranstaltungen das Werk von Jacques Thévoz einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen und zu seiner Aufarbeitung beizutragen. Nun nutzen sie das Jahr des 100. Geburtstags des Fotografen und Filmers, um ihre Bemühungen zu intensivieren. «Wir wollen professioneller werden und noch mehr Leute ansprechen», sagt Adrien Laubscher.

Verschiedene Veranstaltungen finden während des Jubiläumsjahres in Freiburg, in der übrigen Schweiz und sogar im Ausland statt. Höhepunkt ist eine Ausstellung, die ab sofort in der Blue Factory in Freiburg zu sehen ist. Unter dem Titel «Fribourg, vue par Jacques Thévoz» umfasst sie rund 160  Fotografien, hauptsächlich aus Freiburg, welche die ganze Bandbreite von Thévoz’ Schaffen illustrieren. Da finden sich Stadtansichten, Strassenszenen, Porträtbilder, Zeitungsreportagen, Mannschaftsfotos der Basketballer von Fribourg Olympic oder der Eishockeyspieler von Gottéron, Aufnahmen von einem Schönheitswettbewerb und vieles mehr. «Mit der Ausstellung wollen wir die Verbindung zu Freiburg und zu seinen Bewohnern betonen», so Adrien Laubscher. Die Besucher erleben eine Zeitreise in das Freiburg der Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahre und sehen die Stadt aus der Perspektive eines Fotografen, der stets einen scharfen Blick für die Gegenwart und ein ausgeprägtes Gespür für den Wandel hatte. «Jacques Thévoz war ein Archivar der Veränderung», sagt sein Sohn. «Wenn er die Armut in der Unterstadt dokumentierte, eine Frau fotografierte, die am Brunnen ihre Wäsche wusch, oder den offenen Fleischverkauf auf dem Markt festhielt, dann ahnte er wohl, dass er hier eine Welt zeigte, die im Verschwinden begriffen war.»

Freiheit über alles

Sein Vater sei ein Visionär gewesen, sagt Adrien Laubscher, einer der alles ausprobiert habe, seiner Intuition gefolgt sei und sich ungern habe dreinreden lassen. «Nichts ging ihm über seine Freiheit und seine Unabhängigkeit.» Auch darum habe er angefangen, seine Filme selber zu produzieren, obwohl ihn dies in finanzielle Schwierigkeiten gebracht habe. «Er hat kompromisslos alles geopfert, um das Leben so zu leben, wie er es wollte.» Das ging so weit, dass er in seinen letzten Lebensjahren sogar Sozialhilfe in Anspruch nahm, in Genf, wo er ab 1971 lebte, weil er sich dort als Filmemacher mehr Möglichkeiten erhoffte.

Thévoz selbst schrieb 1967 in einem Ausstellungstext: «Der Künstler in unserer Gesellschaft? Geächtet, wenn er sich nicht anpasst; beneidet, wenn er in seinen Gesten, seinem Denken, seinen Werken frei ist.» Sein Vater habe sich durchaus als Künstler verstanden, sagt Adrien Laubscher. Er habe nicht nur fotografiert und gefilmt, sondern auch geschrieben. Die Arbeit mit ihm sei wohl nicht immer einfach gewesen: «Er konnte impulsiv und cholerisch sein.» Er selber habe nur schöne Erinnerungen, sagt Laubscher, der neun Jahre alt war, als sein Vater starb. «Da er in Genf lebte und meine Mutter und ich in Freiburg, habe ich ihn vor allem in den Ferien gesehen. Das waren immer schöne Tage.» Dass er sich nun um den künstlerischen Nachlass seines Vaters kümmere, habe auch mit dem Stolz eines Sohnes zu tun, sagt Laubscher, der selber als Fotograf und Kurator arbeitet. «Vor allem aber glaube ich an den aussergewöhnlichen und zeitlosen Wert von Jacques Thévoz’ Arbeit.»

Blue Factory, Freiburg (hinter dem Restaurant Les Menteurs). Bis zum 8. Juli. Mo. bis Fr. 8 bis 24 Uhr, Sa. und So. 14 bis 18 Uhr.

Zur Person

Vom Autosattler zum Fotografen

Jacques Thévoz wurde am 19. April 1918 in Freiburg geboren. Bei seinem Bruder erlernte er den Beruf des Autosattlers. Schon bald aber wandte er sich dem Fotografieren zu, das er sich autodidaktisch aneignete. 1948 eröffnete er in Freiburg sein erstes eigenes Geschäft und übernahm fotografische Auftragsarbeiten. Dreimal erhielt er in den folgenden Jahren ein eidgenössisches Stipendium für angewandte Kunst. 1959 wurde er Kameramann beim Westschweizer Fernsehen. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren unternahm er zahlreiche ausgedehnte Reisen, unter anderem nach Polen, Indien, Pakistan, Afghanistan und in mehrere afrikanische Länder. Filme und Fotografien zeugen von diesen Reisen. 1971 zog Thévoz nach Genf, wo er bis zu seinem Tod durch Suizid 1983 lebte. Er hinterliess vier Kinder von drei Frauen.

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Archiv

Die Bevölkerung ist gefragt

Der Verein der Freunde von Jacques Thévoz wurde 2005 gegründet, um das Werk des Künstlers zu erhalten und zu verbreiten. Er treibt die Aufarbeitung, Digitalisierung und Archivierung von Thévoz’ Arbeiten voran, teilweise in Zusammenarbeit mit der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg, die einen grossen Teil davon verwahrt. Ziel ist, bis 2023 den gesamten fotografischen Nachlass von Thévoz zu digitalisieren. Aus dem Verein ist 2013 die Struktur «Les Archives du Futur Antérieur» hervorgegangen, die kuratorische Projekte realisiert. Laut Adrien Laubscher soll sie demnächst zu einem eigenständigen Verein werden und auch für andere künstlerische Projekte im In- und Ausland offenstehen. Zum 100. Geburtstag von Thévoz haben «Les Archives du Futur Anté­rieur» das partizipative Projekt «Les archives sont à nous» lanciert, um neue Informationen zu Thévoz’ Bildern zu sammeln. Gesucht sind Erin­nerungen von Freiburgerinnen und Freiburgern in Zusammenhang mit den Bildmotiven. Im Rahmen der Ausstellung in der Blue Factory können die Besucher Thévoz Bilder an Computern konsultieren und kommentieren.

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Konsultation der Bilder während der Ausstellung: Do. 14 bis 21 Uhr; Fr. bis So. 14 bis 18 Uhr.

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