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Frau als Fluchthelferin verurteilt

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Enttäuscht trat eine junge Jusstudentin gestern aus dem Saal Nummer 4 des Polizeigerichts des Saanebezirks. Soeben hatte Polizeirichter Benoît Chassot ihren Rekurs abgewiesen und sie schuldig gesprochen, einem Gefangenen zur Flucht verholfen zu haben.

Verdächtige Anrufe

Die erste Verurteilung per Strafbefehl geht zurück auf ein Ereignis vom 29. Dezember 2011. Damals war ein Mann aus der Strafanstalt Bellechasse ausgebrochen. Weit kam er allerdings nicht: Noch am selben Tag schnappte ihn die Polizei in der Nähe von Murten. Mit ihm im Auto waren zwei junge Belgier, die ebenfalls festgenommen wurden.

In den Verdacht der Mithilfe gerieten auch der Bruder des Entflohenen sowie dessen damalige Freundin, die nun gestern vor Gericht sass. Am Tag der Flucht hatten mehrere telefonische Kontakte zwischen ihrem Handy und denjenigen der Belgier stattgefunden. Das Argument der Frau, jemand habe ihr Handy benützt, während sie in Genf eine Party gefeiert habe, sei nicht sehr glaubwürdig gewesen, sagte der zuständige Staatsanwalt Laurent Moschini auf Anfrage: «Von den Leuten, die mit ihr den Abend verbracht haben sollen, konnte sie uns nur einen Namen nennen. Und diese Person haben wir nie gefunden.» Auch habe es bereits im Vorfeld der Flucht verdächtige Anrufe gegeben.

Wenige Stunden vor der Flucht seien die beiden Belgier zudem bei einem Treffen mit mehreren Personen gesichtet worden, unter anderem mit einer Frau. Die Beschreibung habe auf die Verdächtige gepasst, auch sei ihr Handy in der Nähe des Treffpunkts lokalisiert worden.

Schwerwiegende Folgen

«Ich habe die Taten, die mir vorgeworfen werden, nicht begangen», sagte die Frau, die ohne Verteidiger vor Gericht stand, gestern. «Hätte ich tatsächlich so etwas geplant, hätte ich bei einem Anruf zumindest meine Nummer unterdrückt.» Obwohl die Strafe nicht hoch sei, hätte eine Verurteilung für sie schwerwiegende Folgen, betonte sie: «Ich studiere Recht. Eine Verurteilung würde meine berufliche Karriere stark behindern.»

Rekurs abgelehnt

Benoît Chassot lehnte den Rekurs der Frau ab und sprach sie schuldig, die Flucht geplant zu haben. Es habe zu viele verdächtige Anrufe gegeben, zudem sei ihr Handy in der Nähe des Treffpunkts mit den anderen Helfern lokalisiert worden. Jedoch änderte Chassot die juristische Qualifikation der Tat. Statt nach Artikel 310 des Schweizerischen Strafgesetzbuches, welcher die Befreiung eines Gefangenen mit Gewalt, Drohung oder List behandelt, wurde sie gemäss Artikel 305 verurteilt. Dieser sieht unter anderem Strafen für eine Person vor, die jemanden dem Strafvollzug entzieht.

Das Strafmass bleibt dasselbe: Die Frau muss eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à zehn Franken bezahlen und die anfallenden Gerichtskosten übernehmen. rb

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