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Freiburg bangt um ein Kunstwerk

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Unbekannte haben die Serra-Skulptur auf der Grandfey-Brücke zerstört

Autor: Von REGULA SANER

Richard Serra gilt nach Ansicht von Experten als der bedeutendste lebende Bildhauer der Gegenwart. Eine Retrospektive im Museum of Modern Art in New York, MoMA, sorgt derzeit für regelrechte Jubel-Arien. «Das ist erst die zweite Einzelausstellung eines Künstlers im MoMA», unterstreicht der Vertreter von Richard Serra für Europa, Alexander von Berswordt, die Bedeutung des Künstlers gegenüber den FN. Wenn man das weiss und wenn man weiss, zu welchem Wert Serras Kunstwerke heute auf dem Markt gehandelt werden, dann ist klar: Freiburg hat einen Kunstskandal.Seit ein paar Wochen verunstaltet nämlich ein Handlauf die Skulptur «Maillart Extended» auf der Grandfey-Brücke. Dabei wurde das Geländer in die Skulptur eingeschweisst.Wer das gemacht hat, weiss niemand. Das kantonale Amt für Kulturgüter sucht derzeit nach möglichen Urhebern. Weder die Gemeinden Granges-Paccot oder Düdingen, noch der Kanton, noch die SBB, welche die Eigentümerin der Brücke ist, haben das Geländer offenbar in Auftrag gegeben. Das Amt für Kulturgüter erwägt nun eine Strafanzeige gegen Unbekannt.

Vier-Millionen-Werk

«Das Werk ist futsch», klagt die Direktorin des Freiburger Museums für Kunst und Geschichte, Yvonne Lehnherr, in einer ersten Stellungnahme. Die Schäden seien wesentlich und die Kunstexpertin bezweifelt, dass man sie rückgängig machen kann. Die Museumsdirektorin weiss, wovon sie spricht: «Ich habe 15 Jahre meines Berufslebens für diese Skulptur in Freiburg eingesetzt», sagt Yvonne Lehnherr. Zusammen mit Kunstliebhabern und Künstlern, wie Harald Szeemann, hat sie es ermöglicht, dass Freiburg die Skulptur heute zu seinen Kunstschätzen zählen kann. «Szeemann würde sich im Grab umdrehen, wenn er das erfahren würde», glaubt Lehnherr. «Und, wenn ich denke, wie grosszügig Serra mit Freiburg war, tut es mir doppelt leid.» Nur dank seiner Grosszügigkeit nämlich konnte Freiburg das Werk zu einem Pappenstiel von 120 000 Franken erwerben. Alexander von Berswordt schätzt den Wert der Skulptur heute auf rund vier Millionen Franken.

Entzug des Urheberrechts droht

Für Alexander von Berswordt, welcher Ende der Achtzigerjahre im Auftrag von Richard Serra die Skulptur schmieden liess und bei ihrer Installation auf der Grandfey-Brücke dabei war, ist eines klar: «Das mit dem Handlauf muss so schnell wie möglich in Ordnung gebracht werden.» Durch eine fachmännische Entfernung des Handlaufs könnte der Schaden in Grenzen gehalten werden, schätzt von Berswordt die Lage ein. Weil der Künstler die Skulptur nicht selber geschmiedet, also nicht selber Hand angelegt habe, könnte das Werk eine Restauration ohne allzu grossen Wertverlust verkraften.Vorausgesetzt, der Künstler entzieht dem zerstörten Werk nicht das Urheberrecht. Damit würde der Künstler nämlich deklarieren, dass das Kunstwerk nicht mehr von ihm stammt. Das wäre eine Katastrophe für Freiburg, bestätigt Yvonne Lehnherr.Und von Berswordt weiss: «Wenn Serra das erfährt, ist er sicher sehr verletzt. Er war von der Grandfey-Brücke sehr fasziniert und setzte sich für seine Arbeit intensiv mit der Geschichte Freiburgs und dem sogenannten Röschtigraben auseinander. Das Resultat zeugt von einer hohen Sensibilität des Künstlers.»

Kunst stört

Weniger sensibel scheinen die Urheber des Handlaufes gewesen zu sein. Aber auch sonst stösst die Skulptur nicht bei allen Leuten auf Verständnis. Zuweilen wird sie als hässlich oder störend empfunden. Dass Kunst störe, sei geradezu ihr Zweck, finden Museumsdirektorin Yvonne Lehnherr und der Kunstvermittler Alexander von Berswordt einhellig. «Früher hätte man die Impressionisten am liebsten gelyncht, heute hängt man Poster von ihnen im Wohnzimmer auf», meint von Berswordt dazu.Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Kunstwerke zerstört werden. So wurde vor Jahren der «Tilted Arc» von Richard Serra in New York durch einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt zerstört. Er glaubte, so seinen Wählern und sich einen Gefallen zu tun. Und in Deutschland wurde aus Ignoranz eine Badewanne von Joseph Beuys zerstört, weil Politiker bei einer feuchtfröhlichen Party die Badewanne mit Wasser füllten, um ihr Bier zu kühlen.

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