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Freiburg stellt seinen Pioniergeist unter Beweis

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Freiburg stellt seinen Pioniergeist unter Beweis

Dank der pharmazeutischen Betreuung in den Betagtenheimen sinken Medikamentenkosten

Die Medikamentenkosten in den Pflegeheimen konnten in den letzten zwei Jahren um insgesamt 7,1 Prozent gesenkt werden. Ohne pharmazeutische Betreuung hätte der jährliche Anstieg wohl weiterhin 10 Prozent pro Jahr betragen.

Von ARTHUR ZURKINDEN

Um diese Kostenexplosion zu stoppen, haben die Freiburger Pflegeheime (VFA) und die Krankenversicherungen (santésuisse) mit Beteiligung des Apothekerverbandes eine neue Vereinbarung getroffen, die ab 2002 in Kraft getreten ist. Darin hat sich santésuisse verpflichtet, den Pflegeheimen einen Forfaitbetrag von neun Franken pro Tag und pro Heimbewohner für die Medikamente zur Verfügung zu stellen. Weiter gewährte santésuisse einen zusätzlichen Franken pro Tag und Bewohner für die Bezahlung der Berater-Apotheker, die sich der pharmazeutischen Betreuung in den Betagtenheimen annehmen.

Optimale Betreuung

Ein Berater-Apotheker muss sich dabei verpflichten, mit dem Personal und anderen Verantwortlichen des Heims zusammenzuarbeiten. Auch hat er einen Bericht zu erstellen, der eine Analyse der Rezepte sowie Vorschläge für eine wirtschaftlich optimale Betreuung ohne Qualitätseinbusse enthält. Der Apotheker kann auch mit der Pharmaindustrie verhandeln, damit die Heime von denselben Einkaufsbedingungen profitieren können wie die Spitäler.

Das Heim seinerseits hat eine einheitliche Buchhaltung zu führen, damit Vergleichsanalysen möglich sind. Jedes Heim muss auch das finanzielle Resultat bezüglich Medikamente offen legen, kommentiert vom Berater-Apotheker. Erzielt ein Heim einen Gewinn (Kosten geringer als Forfait-Beiträge der Krankenkassen), so kann das betreffende Heim 40 Prozent davon behalten. 60 Prozent des Gewinns wandern in einen gemeinsamen Topf, der eventuelle Defizite in andern Heimen ausgleichen soll, die z.B. Bewohner mit höheren Medikamtenkosten beherbergen. «So wird dem Solidaritätsprinzip nachgelebt, wie es im KVG verankert ist», betonte Christian Repond, Präsident des Apothekerverbandes des Kantons Freiburg, am Montag an einer Pressekonferenz.Der Apothekerverband hat zudem eine Begleitung der Berater zugesichert, damit nützliche Informationen ausgetauscht werden können.

24 Apotheker im Einsatz

Im ganzen Kanton sind 24 Apotheker als Berater der Pflegeheime tätig. Sie werden vom Gesundheitsdepartement ernannt. Für den Apotheker Michel Buchmann aus Romont, Initiant des Projekts, bedeutet dies beispielsweise eine 50-Prozent-Tätigkeit. Er ist zuständig für 250 Heimbewohner in drei Heimen und erhält dafür einen Fran- ken pro Tag und Bewohner. «Ich stelle meine Infrastruktur, meine Informatikausrüstung usw. gratis zur Verfügung», ergänzt er.

Die Auswirkungen der pharmazeutischen Betreuung in den Heimen, die vom kantonalen Gesetz vorgeschrieben ist, hat ein Team der Poliklinik der Universität Lausanne analysiert. Der Privatdozent an dieser Uni, Olivier Bugnon, rief am Montag in Erinnerung, dass die Medikamentenkosten pro Heimbewohner im Jahre 2001 auf 2477 Franken angestiegen sind. Dies habe bei einem Forfait-Betrag von 9 Franken zu einem Defizit von 356 485 Franken geführt. Deshalb hätte dringend gehandelt werden müssen.
Die Früchte der pharmazeutischen Betreuung seien aber nicht ausgeblieben. Statt weiterhin jährlich um 10 Prozent anzuwachsen, seien diese Kosten im Jahre 2002 um 4,1 und im Jahre 2003 um 3,2 Prozent gesunken, führte Bugnon aus. Die durchschnittlichen Kosten pro Heimbewohner bildeten sich so innerhalb von zwei Jahren von 2477 auf 2300 Franken zurück.

Eine Million Franken Überschuss

«Im Vergleich zum Jahr 2001 konnte im Jahre 2003 eine Einsparung von 28 Prozent erzielt werden, wären die Kosten weiterhin jährlich um 10 Prozent angestiegen. Und die Einsparung beträgt 18 Prozent, wenn man sie mit der Kostenentwicklung bezüglich Medikamente im ambulanten Bereich vergleicht», hielt Bugnon weiter fest. In zwei Jahren hätten so insgesamt eine Million Franken Überschuss erzielt werden können. «Davon sind 400 000 Franken direkt den Heimen zugute gekommen, die so ermuntert werden, ihre Rationalisierungsbemühungen fortzusetzen», meinte er.

Grosse Differenzen

Nach seinen Worten sind aber die Kosten nicht für alle Medikamente gesunken. Steigende Tendenz weisen Medikamente auf, die bei Verhaltensstörungen für verwirrte Heimbewohner abgegeben werden. Im Rahmen einer Dissertation werde nun u. a. analysiert, weshalb im «günstigsten» Heim die Medikamentenkosten im Schnitt 1500 Franken pro Bewohner, im «teuersten» jedoch 3000 Franken ausmachen.

Sébastien Ruffieux, Generalsekretär von santésuisse Freiburg, gab zu verstehen, dass die erfreuliche Bilanz für die Heime nur dank den zusätzlichen 800 000 Franken gezogen werden konnte, welche die Krankenkassen pro Jahr für die Bezahlung der Berater-Apotheker ausgeben.

Forfait-Beträge müssten
gesenkt werden

Seiner Ansicht nach hätte deshalb der Forfait-Betrag von neun Franken gesenkt werden müssen, was aus verschiedenen Gründen jedoch noch nicht hätte vorgenommen werden können. Dank der pharmazeutischen Betreuung hätten jedoch Erhöhungen vermieden werden können. «Der Kanton Wallis hat das Freiburger Modell am 1. September 2004 übernommen», freute er sich.

Ein Pflegenetz
der Nähe

René Thomet, Präsident der Vereinigung Freiburgischer Alterseinrichtungen (VFA), gab zu verstehen, dass es sich bei der pharmazeutischen Betreuung in den Heimen um eine Rationalisierung handle und nicht um eine Rationierung der Medikamente. Seiner Ansicht nach sind die Kenntnisse der Apotheker bezüglich Dosierung, ihre Informationen bezüglich Nebenwirkungen oder bezüglich der Verträglichkeit verschiedener Arzneimittel wichtige Elemente in der Zusammenarbeit mit den Ärzten.

Richard Nyffeler, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Freiburg, betrachtete die pharmazeutische Betreuung als Ergänzung der Qualitäts-Kreise für die Abgabe von Medikamenten. Er versicherte, dass sich die Ärztegesellschaft weiterhin für solche Projekte einsetzen werde.

Für Michel Buchmann, Berater-Apotheker, ist es wichtig, dass sich die verschiedenen Fachleute im Gesundheitswesen an einen Tisch setzen, um vernetzt zu handeln. Ihm war es dabei ein grosses Anliegen, dass aber dieses Netz überschaubar bleibt und nicht schwerfällig wird, dass ein Pflegenetz der Nähe entsteht. az

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