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Freiburger Frauen an allen Fronten

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Wir schreiben das Jahr 1918. Der Erste Weltkrieg ist soeben zu Ende gegangen. Die Männer kehren aus dem Aktivdienst zurück, während die Frauen in der Zwischenzeit vermehrt deren Arbeit übernommen haben. In mehreren europäischen Ländern, unter anderem Deutschland und Österreich, wird das Frauenstimmrecht zumindest teilweise eingeführt. Eine bewegte Zeit für die Frauen – aber auch im konservativen Freiburg?

Der neue rund einstündige Stadtrundgang des Vereins Frauen in Freiburg, der am Samstag zum ersten Mal stattfand, geht dieser Frage gründlich nach.

Fiktive und reale Charaktere

Dafür hat die Arbeitsgruppe eigens zeitgenössische Zeitungsausgaben, unter anderem die «La Liberté» und die «Freiburger Nachrichten», nach vergessen gegangenen Episoden der Freiburger Geschichte durchforstet. Die Ergebnisse haben die Macherinnen des Stücks in informative und witzige Dialoge verpackt, die von zwei Schauspielerinnen präsentiert werden. Nach fast jeder der acht Stationen im Burgquartier wechseln sie die Rolle und bieten so Einblicke in das Leben einer Vielzahl fiktiver wie realer Freiburger Frauen im Jahr 1918. So zum Beispiel die «Kleine Louise», eine Bauerstochter, die sich in einen in der Schweiz internierten französischen Soldaten verliebt hat, oder eine modebewusste Nählehrerin, deren Rock nur noch bis zur Wade reicht – natürlich nur, um Material zu sparen, wie sie verschmitzt erklärt.

Kein Sozialismus in Freiburg

Die im Rundgang dargestellten Frauen vertreten die unterschiedlichsten Ansichten und Probleme. Die Krankenschwester Iris pflegt, unter Risiko der eigenen Gesundheit, Patienten mit der stark ansteckenden Spanischen Grippe, eine Witwe muss ihre Familie während dem Krieg selbst über Wasser halten, während ihr Sohn Dienst leistet. Einige unterstützen Rosa Bloch, die vor dem Zürcher Kantonsrat die Senkung der Milchpreise und das Frauenstimmrecht verlangte.

Andere sind konservativer eingestellt, zum Beispiel Marie-Elisabeth Python, Ehefrau des berühmten Staatsrats Georges Python. Sie spricht sich vehement gegen den Generalstreik und die Forderungen des Oltner Aktionskomitees aus. Es hatte neun Reformen verlangt, unter anderem das Frauenstimmrecht, eine Hinterbliebenen- und Altersvorsorge und die 48-Stunden-Woche – damals arbeitete der durchschnittliche Arbeiter noch rund 11 Stunden pro Tag. In Freiburg fasste das «bolschewistische Gedankengut» nie richtig Fuss: «Unsere katholischen Werte haben uns vor dem Schlimmsten bewahrt», kommentiert die Staatsratsfrau.

Vor 100 Jahren

Zum Thema des Rundgangs, «1918–2018: Krieg, Krankheit und Streik, die Freiburgerinnen an allen Fronten», habe sie vor allem die Archivarin und Schriftstellerin Jeanne Niquille inspiriert, erklärte Kathrin Utz Tremp, Historikerin und Präsidentin des Vereins Frauen in Freiburg. Die 1894 geborene Jeanne Niquille war eine der ersten Frauen, die in Freiburg eine akademische Ausbildung absolvierte. Nach ihrer Promotion im Jahr 1918 war die damals 24-Jährige im Staatsarchiv Freiburg tätig. Eine Familie blieb ihr verwehrt: «Frauen konnten damals nicht gleichzeitig im öffentlichen Dienst angestellt sein und heiraten», erklärte Kathrin Utz Tremp. In den 1950er-Jahren schrieb Niquille in der «Liberté» Beiträge für die Rubrik «Vor 100 Jahren». 100 Jahre später können nun Geschichtsinteressierte dank dem neuen Stadtrundgang wieder ebenso viele Jahre zurückblicken. Die originelle Führung durchs Burgquartier findet noch bis im Herbst regelmässig statt.

Burgquartier, Freiburg. Mi., 6. Juni, 18 Uhr (Treffpunkt in der Hochzeiter­gasse). Weitere Spieldaten auf Deutsch: 16.6., 20.6., 30.6., 1.9., 5.9., 15.9., 19.9. und 29.9. (Sa. jeweils um 16 Uhr; Mi. jeweils um 18 Uhr). Tarife und Anmeldung unter www.femmestour-fr.ch

Chronologie

Verein existiert seit über zwanzig Jahren

Der Verein Frauen in Freiburg hat zum Ziel, die Geschichte von Frauen der Stadt Freiburg bekannter zu machen. 1992 schlossen sich engagierte Frauen zu einer Arbeitsgruppe zusammen, die 1996 offiziell zu einem Verein wurde. Seit 1995 organisiert die Gruppe historische Stadtführungen auf Deutsch und Französisch. Behandelt wurden schon Themen wie die Zweisprachigkeit, weibliche Wassergeschichten, die Schicksale von Frauen im 15. Jahrhundert, die Geburt um das Jahr 1900 oder 40 Jahre Frauenstimmrecht. Angesiedelt sind die Rundgänge in den Zeitaltern des Mittelalters bis zur Neuzeit.

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«Frauen konnten damals nicht gleichzeitig im öffentlichen Dienst angestellt sein und heiraten.»

Kathrin Utz-Tremp

Präsidentin des Vereins Frauen in Freiburg

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