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Freiburger Kleider finanzieren Rot-Kreuz-Dienste

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Nicole Jegerlehner

Yvonne Cotting greift hinter sich und hebt den Plastiksack aus dem Karren, der hinter ihr steht. Sie legt ihn auf den Tisch vor ihr, öffnet ihn und ergreift das erste T-Shirt, das herausquillt. Sie breitet es auf der Tischfläche aus, fährt mit den Fingern den Nähten entlang, dreht das Kleidungsstück um, untersucht auch hier die Nähte, streicht es flach, faltet es und legt es in die grüne Kiste mit der Aufschrift «Homme, été». Schon liegt ein Hemd auf der Tischfläche; wieder untersucht Yvonne Cotting die Nähte, sucht das Hemd nach Schwachstellen ab und entdeckt einen gelben Fleck. Sie greift zum Fleckenspray, sprüht den Klecks ein, reibt darüber. Der Fleck lässt sich nicht entfernen; das Hemd landet in einem riesigen Plastiksack. Das nächste Stück – eine grellbunte Damenjacke mit Blumenmuster – fliegt ohne genaue Untersuchung hinterher: «Das ist aus der Mode, das will niemand mehr», sagt Yvonne Cotting.

Seit bald zwanzig Jahren prüft Yvonne Cotting zusammen mit weiteren Frauen im Sortierwerk des Freiburgischen Roten Kreuzes in Praroman Altkleider auf Knopf und Kragen. Mit ihrer Routine braucht sie rund zwanzig Minuten, um den Inhalt eines Dutzends Altkleidersäcke zu sortieren. Sie entscheidet, ob die Kleider in die Secondhand-Läden des Roten Kreuzes kommen – oder ob sie an ausländische Rezyklierwerke verkauft werden. «Wir verwerten alles», sagt Jean-Michel Gros, zuständig für den Textilservice beim Freiburgischen Roten Kreuz. «Nur wenn wir Abfall in einem Altkleidersack finden, werfen wir das weg.»

Sack um Sack stapeln sich die Altkleider im hinteren Teil der Armeebaracke. Im vorderen Teil hängt Jacke neben Jacke, liegt Pulli auf Pulli, Hemd auf Hemd, Bluse auf Bluse. «Jeder Quadratmeter hier ist belegt», sagt Jean-Michel Gros. Zurzeit füllen sich die Regale mit Winterkleidern; erste Abteile sind bereits voll mit dicken Pullis und Skihosen. Grosse Tücher schützen sie vor Staub. Auf anderen Tablaren liegen die letzten Sommerkleider. «Im Frühling bringen uns die Leute ihre Wintersachen, wir sind immer um eine Saison verschoben», sagt Gros. Und weil die Freiburgerinnen und Freiburger im Frühling besonders gerne ihre Schränke ausmisten, sind die Armeebaracken zu klein für all die Altkleidersäcke, welche zurzeit in den Sammelcontainern landen. Darum bringen die beiden Chauffeure, die mit ihren Lieferwagen ständig unterwegs sind und die Container leeren, auch Ware mitten in ein Einfamilienhausquartier in Praroman – in eine ehemalige Hühnerhalle. «Wir brauchen dringend mehr Platz», sagt Gros. «Wir suchen eine Industriehalle, um alles unter einem Dach unterbringen zu können – und auch, um mit Gabelstaplern arbeiten zu können.» Das sei besser für die Rücken der Mitarbeiter.

Mitten in der Armeebaracke, zwischen Sortierraum und Lager, ist das Büro von Rose-Marie Kolly untergebracht. Wobei ihr Büro nur aus einem Pult und einigen Tablaren besteht. Daneben stehen der Tisch, an dem die Angestellten Pause machen, sowie die Waschmaschinen und Tumbler, die unentwegt im Einsatz sind. «Ungewaschene Kleidung waschen und bügeln wir», sagt Rose-Marie Kolly. Sie arbeitet seit 24 Jahren im Sortierwerk – seit 19 Jahren als Verantwortliche. Ihr gefällt die soziale Seite ihrer Arbeit: Zwei Personen sind im Rahmen eines beruflichen Integrationsprojekts angestellt. «Und vor allem helfen wir mit unserer Arbeit den Leuten, zu günstigen, aber qualitativ guten Kleidern zu kommen.»

In den vier Zig-Zag-Boutiquen des Roten Kreuzes in Freiburg, Praroman, Bulle und Châtel-St-Denis gibt es Hosen für knapp acht Franken, Hemden für sechs Franken und Schuhe ab fünf Franken. «Für zwanzig Franken kann man sich bei uns einkleiden», sagt Jean-Michel Gros. 120 Kleiderkisten werden jede Woche alleine in den Freiburger Laden an der Perollesstrasse geliefert. In Châtel-St-Denis sind Faserpelze auch im Sommer gefragt, und in Bulle bleibt eines der raren Küherhemden, die den Weg in einen Altkleidersack finden, nicht länger als dreissig Minuten im Gestell. In Freiburg hingegen bleiben die blauen Hemden liegen.

Innert 45 Tagen kaufen die Kundinnen und Kunden in den Boutiquen rund 90 Prozent der gelieferten Kleider, Schuhe und Taschen. Die restlichen zehn Prozent kommen nach Praroman zurück – und werden dort im Geschäft «La Friperie» zu noch günstigeren Preisen angeboten. Was auch hier nicht wegkommt, wird wie die schadhafte und veraltete Ware in ausländischen Rezyklierwerken weiterverarbeitet – zu Polster für Autositze, beispielsweise.

Yvonne Cotting (links) sortiert Altkleider; erst stapeln sich diese in Säcken, dann geordnet im Lager.Bilder Corinne Aeberhard

Zahlen und Fakten

Freiburger spenden tausend Tonnen Altkleider

Tausend Tonnen Altkleider sammelt das Freiburgische Rote Kreuz jährlich. Ein Teil davon wird in den Zig-Zag-Boutiquen verkauft. Mit dem Erlös daraus bezahlt das Rote Kreuz die 45 Personen, die im Textilbereich arbeiten, und die Mieten. Der Verkauf der restlichen Altkleider ins Ausland bringt rund 100000 Franken ein. Damit finanziert die Organisation ihre verschiedenen Angebote im Kanton. «Ohne den Textilbereich könnten wir nicht existieren», sagt Direktor Charles Dewarrat. njb

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