Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Freiburgs gute Schule ist in Gefahr»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Falls der Freiburger Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen (CVP) gestern um 18 Uhr noch in seinem Büro war, wird er wohl kaum mehr zum Arbeiten gekommen sein: Zu laut waren die Rufe der rund 2000 Demonstrantinnen und Demonstranten. «Jean-Pierre Siggen–carton rouge» und «Hände weg von meiner Schule» riefen diese, als sie sich vor der Direktion für Erziehung, Kultur und Sport (EKSD) versammelten, um gegen die geplanten Sparmassnahmen im Bildungswesen zu demonstrieren.

Weniger Mittel, mehr Arbeit

«Diese erneuten Sparmassnahmen sind ein sehr negatives Zeichen des Kantons den Lehrpersonen gegenüber», hatte Bernard Fragnière, Präsident des Staatspersonalverbandes Fede, im Vorfeld der Demonstration vor den Medien erklärt. Das Bildungswesen leide schon jetzt unter vielen Einschränkungen, welche das Unterrichten nicht leicht machten. Zudem leisteten die Lehrerinnen und Lehrer bereits einen Beitrag an die Sanierung der Staatskasse, da sie wie die anderen Staatsangestellten weniger Lohn erhielten. «Nun verlangt aber der Staatsrat, dass die Lehrpersonen mit noch weniger Mitteln dasselbe oder noch mehr leisten. Dies gefährdet die Qualität unserer Schule», betonte er.

Um dies zu verhindern, hatte die Fede zusammen mit diversen Verbänden, vor allem aus dem Unterrichtswesen, zu einer Kundgebung gegen die Sparmassnahmen des Kantons aufgerufen. Von den gut 4700 der EKSD unterstellten Lehrpersonen folgten gestern rund 2000 dem Aufruf.

«Fuder ist überladen»

«Die Vorschläge des Staatsrats zeigen, dass er wenig Kenntnis der Realität in unseren Klassen hat», sagte Jacqueline Häfliger, Präsidentin des Verbands der Lehrerinnen und Lehrer Deutschfreiburgs, vor der Menge auf dem Georges-Python-Platz, welche die Voten mit Klatschen und lauten Zurufen quittierte. Seit Jahren wiesen die Lehrerverbände darauf hin, dass es so nicht weitergehen könne. «Die Ressourcen fehlen. Unsere Lehrpersonen werden müde, das Fuder ist überladen. Freiburgs gute Schule ist in Gefahr.»

Die geplanten Massnahmen seien nicht gerechtfertigt, sagte Emmanuel Mejía vom Verein der Freiburgischen Mittelschullehrer (VFM). Der durchschnittliche Lohn der Freiburger Gymnasiallehrer sei unter dem Schweizer Durchschnitt, die Anzahl der Lektionen hingegen darüber. «Freiburg hat eine gute und kostengünstige Schule. Und diese will der Staatsrat nach und nach zerstören?»

Runder Tisch ist möglich

Trotz den schlechten Prognosen habe der Kanton Freiburg in diesem Jahr nur ein minimes Defizit verzeichnet und weise ein Vermögen von 82,5 Millionen Franken auf, sagte Gaétan Zurkinden, Regionalsekretär des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD). «Die Mittel sind da.» Nun gelte es, die Schule zu verteidigen, damit nicht die Kinder unter den Massnahmen litten. «Hört der Staatsrat uns nicht, müssen wir zu anderen Mitteln greifen, notfalls zum Streik», rief Zurkinden. Dann setzte sich die Masse langsam in Bewegung. Mit Sprechchören zog sie die Romontgasse hinauf, durch die Tempelgasse und zurück zur Erziehungsdirektion. Lautstark unterstützt von den versammelten Demonstranten deponierte Gaétan Emonet, Präsident des Freiburger Lehrerverbandes DFL, eine Kiste mit der Stellungnahme der verschiedenen Verbände vor der Tür.

Nun gelte es abzuwarten, wie der Staatsrat reagiere, sagte Emonet den FN. «Zieht er dieses Sparpaket zurück, sind wir bereit, an einen runden Tisch zu sitzen und zu diskutieren.» Dies bestätigte auch Häfliger. «Es gibt Optimierungspotenzial, aber nicht da, wo der Staatsrat vorschlägt», betonte sie. Anders sieht es aus, wenn der Staatsrat nicht einlenkt. «Dann ist alles denkbar», so Emonet.

Massnahmen

Grössere Klassen, weniger Lohn

Mit 14 kurzfristigen Massnahmen will der Staatsrat im Bildungsbereich Geld sparen. AufPrimarstufewird ein Spielraum von fünf Schülern pro Schule geschaffen, bevor neue Klassen eröffnet werden. Auf derSekundarstufe 2(Mittelschulen) reduziert sich die Entlastung einer Klassenlehrperson um eine halbe Stunde. Lehrpersonen, die bei den Maturaprüfungen als Experten funktionieren, werden nicht mehr doppelt entschädigt; die Expertentätigkeit kommt ins Pflichtenheft. Bei Schwerpunktfächern steigt die durchschnittliche Klassengrösse von 16 auf 17 Schüler. Nach dem ersten und dem zweiten Mittelschuljahr können Klassen neu zusammengesetzt werden, wenn sie durch Abgänge zu klein geworden sind. Für Fächer, die im Abschlussjahr nur bis Mai stattfinden, wird die Honorierung der Lehrer gekürzt. Bei kleinen Klassen reduziert sich die honorierte Stundenzahl. Fächer mit wenig Schülern finden nur noch an einem Kollegium statt. Der Sportunterricht an derHandelsmittelschulewird um eine Lektion gekürzt. Bei derBerufsfachschulewird die Expertentätigkeit neu geregelt; für die Berufsmaturität soll es eine Aufnahmeprüfung geben, und die Funktion der Fachverantwortlichen wird überprüft. BeimInstitut Grangeneuvewird eine Stellenaufstockung verschoben. Auch mittel- und langfristige Sparmassnahmen prüft der Staatsrat, so zum Beispiel höhere Gebühren für Fachhochschulen oder eine Verkürzung der Studiendauer bis zur Maturität aufdrei Jahre.uh/rb

Sparpakete: Freiburg steht nicht allein da

In vielen Kantonen bestehe ein Trend zu Sparmassnahmen im Bildungswesen, sagt Beat Zemp, Zentralpräsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, auf Anfrage. Die Massnahmen seien je nach Kanton sehr unterschiedlich: So gibt es Lohnkürzungen, die Pflichtstunden werden erhöht, das Angebot an Stunden zurückgefahren, die Klassengrössen erhöht oder der Sachaufwand minimiert. Diesen Massnahmen steht Zemp kritisch gegenüber. «Der hohe Bildungsstandard der Schweiz ist die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolgs. Es nicht sinnvoll, die Bildung zu beschneiden.» Auch bezweifelt er, dass die Sparübungen überall nötig sind. «Die Budgets der Kantone und Gemeinden waren in den letzten zwölf Jahren überall zu negativ, um damit weitere Sparmassnahmen zu begründen. Zudem werden oft nur die Schulden genannt, ohne dass die Vermögen auch berücksichtigt werden.»

Christian Amsler, Schaffhauser Regierungsrat und Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz Deutschschweiz, findet diese Entwicklung noch nicht alarmierend: «Muss ein Kanton sparen, haben alle ihr Scherflein beizutragen, auch das Bildungswesen», sagt er. Auch befinde sich die Schweiz auf einem so hohen Bildungsniveau, dass kleinere Anpassungen der Klassengrösse oder gewisse Optimierungen die Qualität kaum vermindern würden. Jedoch betont Amsler: «Sollte diese Tendenz zunehmen, müssen wir uns grosse Sorgen machen.» rb

Mehr zum Thema