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Fremdsprachenkonzept auf dem Prüfstand

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«Mille feuilles» und «New World» soll die Primarschüler in den Fremdsprachen Französisch und Englisch glustig machen und ihnen eine neue Welt eröffnen. Die beiden Lehrmittel sind eine gemeinsame Entwicklung der zweisprachigen Kantone Freiburg, Wallis und Bern sowie die an französische Sprachgebiete angrenzenden Kantone Solothurn, Basel-Land und Basel-Stadt mit den Schulverlagen.

Die sechs Kantone haben sich im Anschluss an die eidgenössische Sprachenstrategie 2004 zusammengeschlossen und unter dem Projekt Passepartout beschlossen, den Fremdsprachenunterricht gemeinsam anzupacken; mit Französisch ab der 3. und Englisch ab der 5. Klasse.

Zeit reif für Evaluation

«Das gab es noch nie, dass sechs Kantone einen wichtigen Bereich der Volksschule gemeinsam entwickeln und verbessern wollen», sagt Reto Furter, Gesamtprojektleiter von Passepartout. Furter war bis zum Sommer letzten Jahres Verantwortlicher für deutschsprachigen Unterricht im Kanton Freiburg; seit er Projektleiter ist, hat Passepartout den Sitz in Freiburg.

Passepartout hat sich in den sechs Kantonen so weit etabliert, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, zu prüfen, ob das Konzept auch Erfolg hat. «Die Schulentwicklung ist eine Geschichte der abgebrochenen Projekte», sagt Furter. Bei Passepartout soll es aber zu einem Abschluss kommen. «Die betroffenen Kantone haben Geld in die Entwicklung neuer Lehrmittel und in die Weiterbildung der Lehrpersonen investiert. Nun soll es wissenschaftlich ausgewertet werden.»

Wie Furter sagt, sind die Passepartout-Kantone daran, eine Vereinbarung mit dem Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg einzugehen. Dieses soll prüfen, ob die Schüler die Lernziele in Französisch und Englisch erreichen. Nämlich, dass die Schüler am Ende der Volksschule ungefähr die gleichen Kenntnisse in Französisch und Englisch haben.

Schon bei der Einführung sei eine Evaluation in Testklassen erfolgt und die Lehrmittel laufend angepasst worden. Laut Furter ist nun eine «grosse ergebnisorientierte Evaluation über die ganze Zeit der Volksschule geplant». Ein erster Bericht ist auf Sommer 2018 zum Ende der 6. Klasse vorgesehen, der letzte Bericht im Sommer 2021 mit dem Ende der 9. Klasse. Die Lehrmittel bleiben während dieser Zeit unverändert.

Das Konzept für die Erhebung wurde von Peter Lenz vom Institut für Mehrsprachigkeit ausgearbeitet; Eva Wiedenkeller wird die Umsetzung koordinieren. Lenz spricht von einer «Kompetenzmessung», in der neben definierten Lernzielen auch vage Kriterien wie Sprachbewusstsein oder Sprachstrategien erhoben werden sollen. Gemäss Lenz stützt sich das Projekt auf eine gleichzeitig laufende Erhebung der Grundkompetenzen durch die Erziehungsdirektorenkonferenz in allen Kantonen. Die Passepartout-Erhebung soll zusätzlich eine regionale Erhebung bezüglich der spezifischen Lehrmittel sein. Diese findet stichprobenmässig bei mindestens 1500 Schülern in den sechs Kantonen statt, so Lenz. Neben der Uni beteilige sich auch die Pädagogische Hochschule am Projekt. Noch sei nicht alles bis ins Detail geregelt. Beispielsweise, wie das Sprechen einer Fremdsprache erfasst werden soll. Er sieht eine Methode über Computer mit Testleiter vor Ort vor. Die Erfassung selber werde ein Jahr vor Beginn übungsmässig durchgespielt.

Alles parat

Die Vereinbarung liegt bei den Kantonen zur Genehmigung bereit, so Furter. Die politischen Beschlüsse zu Durchführung und Finanzierung seien bereits getroffen.

Die Berichte würden gewiss Mängel aufzeigen, welche die Kantone dann auch gewillt sind zu verbessern. Die Organisation Passepartout ist bis Sommer 2018 vorgesehen, und bis dann dauert auch Reto Furters Mandat als Projektleiter. Wenn die Evaluation vorliegt, wird es Passepartout nicht mehr geben, aber die Zusammenarbeit, die dadurch überhaupt ins Leben gerufen wurde, wird auch darüber hinaus funktionieren, ist Reto Furter überzeugt.

Lehrmittel: Von den Lehrern akzeptiert

W er an «Mille feuilles» und «New World» mitgearbeitet hat, ist begeistert, die Schüler haben offenbar Spass damit, und bei der Lehrerschaft sind die neuen Lehrmittel weitgehend akzeptiert. Diesen Eindruck hat Jacqueline Häfliger, Präsidentin des Deutschfreiburger Lehrerverbandes. Dennoch ruft sie in Erinnerung, dass die Einführung nicht ganz problemlos verlief. Mit dem neuen Fremdsprachenkonzept waren auch höhere Anforderungen bei den Lehrerinnen und Lehrern in Sachen Fremdsprachenkompetenz verlangt. Diese mussten eine Zertifizierung gemäss einem internationalen Stufenmodell erlangen.

Jacqueline Häfliger sagt, dass die ehemalige Erziehungsdirektorin Isabelle Chassot für die Lehrpersonen ein Generalistensystem propagiert hatte, dass aber der Fremdsprachenunterricht wieder Richtung Spezialistentum gehe. Auch sei bezüglich des spielerischen Umgangs mit Fremdsprachen von einem Halbklassensystem die Rede gewesen. «Dieses wurde nicht umgesetzt», so Häfliger. uh

Chronologie

Ein System mit zwei Modellen

Die Eidgenössische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) hat im Jahr 2004 eine Sprachenstrategie für das ganze Land verabschiedet. Diese legt fest, dass eine zweite Landessprache und Englisch spätestens ab dem 3. beziehungsweise dem 5. Schuljahr unterrichtet wird. Welche Fremdsprache zuerst kommt, legt die Strategie nicht fest. Viele Deutschschweizer Kantone haben sich auf Englisch als erste Fremdsprache festgelegt, die Passepartout-Kantone hingegen haben sich 2006 offiziell zusammengetan und sich auf Französisch als erste Fremdsprache geeinigt. Während seither die Passepartout-Kantone an ihrem Modell festhalten, gibt es beim anderen Modell, das keine gemeinsame Organisation kennt, einige Abweichler. Bei der Volksabstimmung im März verlangte eine Initiative in Nidwalden, das Französisch aus der Primarschule zu verbannen. Das Volk sagte Nein. Im Kanton Thurgau hat die Bildungsdirektion vom Parlament den Auftrag gefasst, ein Modell mit Französisch ab der 7. Klasse zu entwickeln. Auch in den Kantonen Luzern, Zürich und Graubünden ist Französisch in der Primarschule infrage gestellt. Als Argument wird allgemein die Überforderung der Schüler genannt. Bundesrat Alain Berset hat klar zum Ausdruck gebracht, dass Französisch nicht aus der Primarschule fallen darf. Stelle er fest, dass es so weit komme, so würde er über die Bundesgesetzgebung eingreifen, hat er angekündigt. Wie Passepartout-Projektleiter Reto Furter sagt, wolle die EDK aber vermeiden, dass diese Situation eintritt. Für diesen Sommer plant die EDK eine Standortbestimmung bezüglich Umsetzung der Harmonisierung in der Volksschule.uh

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