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Fremdsprachige als Leistungsförderer

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Fremdsprachige als Leistungsförderer

Autor: Irmgard Lehmann

Lesen ist für die Bewältigung des Alltags unabkömmlich. Schon allein die oft komplizierten technischen Anleitungen, mit denen sich der Mensch regelmässig befassen muss, stellen hohe Anforderungen an das Leseverständnis. Wer damit Mühe hat, ist schlecht gewappnet. «Rund 17 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz verfügen auch nach neun Schuljahren nur über unterdurchschnittliche Fähigkeiten», sagt Alois Niggli. Er ist Leiter der Forschungsstelle an der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg und Initiant der Lesestudie «Lesen in Familie und Schule» (Lifus).

Leseverständnis kann jedoch gemäss Studie mit einfachen Methoden gefördert werden – beispielsweise mit Gemeinsamkeitserlebnissen in der Schule wie Lesetheater und Gruppenarbeit. «Gerade schwache Leser leisten einiges mehr, wenn sie ohne Leistungsdruck lesen können», sagt Niggli. Vorab, wenn es um das Leseverständnis geht, sei der Austausch wichtig. Eine zentrale Erkenntnis betrifft aber auch die Eltern: «Um die Selbständigkeit des Kindes zu fördern, sollen Eltern Interesse zeigen, nicht aber kontrollierend zur Seite stehen», ergänzt Caroline Villiger, stellvertretende Leiterin.

Erster Motivationsknick

Während zwei Jahren hat sich die Forschungsstelle der PH mit rund tausend Viertklässlern in 56 Klassen Deutschfreiburgs beschäftigt. 27 Primarschulen waren in das Projekt einbezogen. Alois Niggli und Caroline Villiger haben die Leseleistung der Schülerinnen und Schüler der 4. Primarschulstufe untersucht. Die Forscher haben herausgefunden, dass Kinder, die unterstützt, begleitet und gefördert werden, ihre Fähigkeiten entwickeln und das werden, was sie sein könnten. Die überraschende Erkenntnis: In den zwei Jahren mit intensiver Begleitung gab es im Vergleich zu einer Kontrollgruppe keinen Motivationsknick und sogar eine leichte Steigerung der Leistungsfähigkeit. «Viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Freude am Lesen im Laufe der Primarschule zurückgeht», sagt Caroline Villiger. In der vierten Klasse zeigt sich der erste Motivationsknick. Erstmals tauchen Probleme auf bei jenen Kindern, die über weniger Wortschatz verfügen. Darum hat die Forschungsstelle gerade die 4. Primarschulstufe ins Visier genommen. «In den ersten Schuljahren lernen die Kinder lesen, später befassen sie sich mit anspruchsvollen Sachtexten – und dann ist Lesen eben auch Lernen», sagt Villiger.

Rolle der Eltern

Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der Leseförderung. Daher waren auch sie in das Projekt miteinbezogen. An zwei Bildungsabenden wurden rund 250 Eltern über Lesestrategien informiert. Villiger: «Es ist zum Beispiel wichtig, dass Eltern mit ihrem Kind über das Gelesene sprechen, anstatt zu fragen, was im Text steht.»

Eltern können in der Familie allgemein für ein anregendes Leseklima sorgen. «Über Bücher sprechen, ab und zu ein Buch anschaffen oder mit dem Kind in die Bibliothek gehen fördert die Motivation», sagt Villiger. Ein weiterer Einfluss auf die Schulleistung von Kindern hat gemäss der Studie der Bildungsabschluss der Eltern. Ein tieferer Abschluss könne jedoch kompensiert werden. «Wenn das Kind zu Hause Bücher zur Verfügung hat, kann einiges aufgefangen werden.» Ein Bücherangebot zu Hause oder ein regelmässiger Bibliotheksbesuch sei daher wichtig.

Fremdsprachige erstaunen

Dass Mädchen besser und lieber lesen als Jungen ist bekannt. Hinsichtlich des Einflusses der Fremdsprachigen jedoch muss die Meinung revidiert werden, sagt Niggli. «Entgegen der geläufigen Erwartung waren die fremdsprachigen Jungen punkto Leseleistung nicht schlechter als die deutschsprachigen Jungen.» Positiv haben sich auch die fremdsprachigen Mädchen entwickelt. «Sie waren am Anfang schlechter als die Jungen, haben dann aber aufgeholt.» Hier hat die Schule eine positive Integrationsleistung erzielt.

Die Studie hat aber auch festgestellt, dass Fremdsprachige die Klasse sogar positiv beeinflussen. Alois Niggli begründet dies so: «Fremdsprachige Kinder waren motivierter als die deutschsprachigen.» Gemessen an der allgemeinen Leistung haben sie sich besser entwickelt. Eltern von fremdsprachigen Kindern haben allerdings auch höhere Erwartungen an die Leseleistung ihres Kindes als Deutschsprachige. Die Quintessenz des Leiters: Schweizer Eltern geben sich mit weniger zufrieden als die Eltern fremdsprachiger Kinder. Dazu Nigglis pointierte Aussage: «Migrantenkinder sind in der Schule keine Bremsklötze.»

Im Grossen und Ganzen stellen Niggli und Villiger den Deutschfreiburger Schulen ein gutes Zeugnis aus: «Die Lesemotivation der Kinder ist sehr hoch. Das Engagement der Eltern und die Massnahmen der Schule scheinen Früchte zu tragen.»

Die Fähigkeit, den Alltag in unserer Gesellschaft zu bewältigen, ist eines der ersten Ziele der Schule. Die Forschungsstelle der PH wird voraussichtlich im Schuljahr 2013/2014 ein neues Leseprojekt starten. Dieses richtet sich an Drittklässlerinnen und Drittklässler mit Leseschwierigkeiten.

Freiwillige gesucht

Dieses Mal sollen zusätzlich zu den Eltern auch Lesecoachs eingesetzt werden. Daher sind Freiwillige gesucht, die leseschwachen Kindern zur Seite gestellt werden. Caroline Villiger: «Wir wollen herausfinden, ob Kinder, die beim Lesen Mühe haben, mit einer Förderung ausserhalb der Schule Fortschritte machen.»

Leseforschung:Hausaufgaben und Lesestudie

Die Forschungsstelle an der PH Freiburg hat in den letzten Jahren bereits drei Studien abgeschlossen. Zwei betreffen die Hausaufgaben. Im Mittelpunkt stand die Frage, inwiefern die Praxis der Hausaufgaben verändert werden soll. Basierend auf der wissenschaftlichen Untersuchung hat die Forschungsstelle die Broschüre «Hausaufgaben geben – erledigen – betreuen» herausgegeben. Die Studie ist schweizweit und auch im Ausland auf grosses Interesse gestossen. Im dritten Projekt stand das Lesen im Fokus. Die Studie «Lesen in Familie und Schule» (Lifus) wurde 2010 abgeschlossen. Alle drei sind vom Schweizerischen Nationalsfonds für Forschungsförderung finanziell unterstützt worden. il

Forschungsanlage

Unterschiedliche Schülergruppen

Für die Lifus-Studie («Lesen in Familie und Schule») wurden vier verschiedene Gruppen von jeweils 250 Kindern gebildet:

Gruppe A: Lesen mit selbst gewählten Texten.

Gruppe B: Gezielte Fördermassnahmen in der Schule, abwechslungsweise durch Lesen mit selbst gemachtem Quiz und Lesetheater.

Gruppe C: Fördermassnahmen in der Schule wie die Kinder der Gruppe B, zusätzlich dazu Unterstützung bei den Hausaufgaben durch die Eltern.

Gruppe D: Unterricht wie bisher. Diese Kinder erhielten ebenfalls Lese-Hausaufgaben. il

Wer will, dass seine Kinder gerne lesen, soll mit ihnen über das Gelesene sprechen – und sie nicht abfragen.Bild Aldo Ellena

Alois Niggli und Caroline Villiger haben das Leseverhalten von Viertklässlern untersucht.Bild Charles Ellena

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