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Früherkennung hilft bei Sprachproblemen

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Autor: Pascal Jäggi

Mucksmäuschenstill sitzen die Erstklässler auf ihren Hockern, ein ausgewähltes Buch auf dem Schoss. Nur gerade wenn jemand aufsteht, um ein neues Buch aus der grossen Kiste in der Ecke zu holen, sind Geräusche wahrzunehmen. Eine bewährte Fördermassnahme am Institut St. Joseph ist dieses tägliche Lesen, das 2005, jeweils zum Tagesabschluss eingeführt wurde. Zu Beginn seien die Schüler meist skeptisch, doch dann würden sie merken, dass es ganz schön langweilig sein kann, wenn man 15 Minuten lang stillsitzen muss, meint Isabelle Ryser-Stulz, Logopädin am Institut, schmunzelnd. Dabei wird nicht kontrolliert, ob die Kinder wirklich lesen oder bloss die Bilder anschauen. Das Ziel ist, dass Lesen etwas Alltägliches wird. Beispielsweise habe ein Schüler erst kürzlich alle «Harry Potter»-Romane gelesen, freut sich Ryser-Stulz.

Motivierte und ruhigere Kinder

Die Kinder scheinen die Massnahme nicht unbedingt als Lieblingsaktivität zu sehen. Dennoch meint ein Sechstklässler: «Ich lese viel mehr als früher, das hat mir geholfen.» Immerhin wird er in wenigen Tagen die OS-Prüfung absolvieren, auf die er schon gespannt wartet. Eine erste Erfassung 2005 habe gezeigt, dass durch das Lesen das Textverständnis der Kinder besser geworden sei und die Lesemotivation klar gestiegen sei, meint Isabelle Ryser-Stulz. Untereinander tauschten die Kinder Tipps aus, welche Bücher lesenswert seien, erzählt die Logopädin weiter. Einen anderen Vorteil spürten zudem die Fahrer des Transportdiensts: Die Kinder seien weitaus ruhiger als früher, wenn sie aus der Schule kommen und nach Hause gefahren werden.

Einzeltherapie und kleine Klassen

Das Programm der Schülerinnen und Schüler des St. Joseph in Villars-sur-Glâne ist dicht gedrängt. Neben dem normalen Stundenplan in Klassen von acht bis zwölf Schülern gehen die Primarschüler drei- bis viermal pro Woche in die Einzeltherapie bei einer ausgebildeten Logopädin. Vor allem diese Massnahme unterscheidet den Alltag von einer Durchschnittsschule. Sie ermöglicht es den Logopädinnen, sich mehrmals pro Woche während ungefähr einer halben Stunde intensiv mit dem jeweiligen Kind zu beschäftigen.

Insgesamt 67 Kinder umfasst die deutschsprachige Abteilung, verteilt von der 1. bis zur 6. Klasse. Danach folgt der Übertritt in die Orientierungsschule, nicht in eine Sonderschule, sondern in die reguläre Oberstufe. Nur sieben Prozent der Kinder verbringen ihre gesamte Primarschulzeit im Institut, wie Schulleiter Andreas Maag erklärt. Im Schnitt bleiben die Schüler, laut Maag, zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit soll die Reintegration gefördert werden, der Lehrplan sei dabei nach den gleichen Kriterien gestaltet wie jener in der Regelschule, betont der Schulleiter. Einzige Ausnahme: «Die 1. Klasse wird in zwei Jahren absolviert, einige Kinder schaffen dadurch den Weg zurück in die Regelklasse.»

Wichtig ist für Maag, nicht zu vergessen, dass jedes Kind lernen will. Nur weil ein Schüler im St. Joseph zur Schule geht, heisse das nicht, dass er sich nicht weiterentwickeln möchte. Oberstes Ziel der Sprachheilschule ist es denn auch, die Kinder wieder ins «normale» Leben zu integrieren. Allerdings kann auch das St. Joseph keine Heilung garantieren, wie Maag bedauernd feststellt.

Problemerkennung schon bei Zweijährigen

Isabelle Ryser-Stulz betont, wie wichtig die Früherkennung von Sprachproblemen ist: «Je später man Schwierigkeiten erkennt, desto komplexer ist es, diese wieder zu beheben.» Entsprechend wurde auch das Motto des diesjährigen Logopädietages gewählt, an dem sich auch der deutschsprachige Freiburger LogopädInnenverein (FLV) beteiligt. «Sprache nicht dem Zufall überlassen» bedeute, den Betroffenen rechtzeitig zu helfen, um späteren Schwierigkeiten entgegenzutreten. «Schon bei zwei- bis dreijährigen Kindern fällt es auf, wenn sie Probleme mit dem Verstehen und Produzieren von Sprache haben», sagt Ryser-Stulz. Hoffnung auf mehr Früherkennung setzt Andreas Maag auch in das neu eingeführte zweite Kindergartenjahr, da durch die frühere Einschulung eine schnellere Erkennung von Problemen möglich sein sollte.

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