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«Für mich ist jeder Gegner ein Feind»

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Es war eine Szene, der eine gewisse Komik nicht abzusprechen ist. Nachdem Martin Plüss am Donnerstag 22 Sekunden vor Spielende das 4:1 für Bern geschossen hatte, gab es für Shawn Heins nur noch eine Mission: Tristan Scherwey zu bestrafen. Dieser hatte im Startdrittel Benjamin Plüss überhart gegen den Kopf gecheckt und dem Freiburger Stürmer dabei das Nasenbein gebrochen. «Es war eine dreckige Aktion. Wenn ich so etwas mache, gibt es eine Matchstrafe, das ist ganz sicher», sagte Heins nach dem gestrigen Training. Scherwey hingegen war von den Schiedsrichtern während des Spiels nicht bestraft worden. Also gesellte sich Heins nach dem 1:4 vor dem anschliessenden Bully neben den Berner Stürmer und machte ihm klar, was gleich kommen würde.

Als Verteidiger am Bully

Scherwey hatte aber sichtlich Angst vor einer Rangelei mit dem kanadischen Hünen. Also ging der Flügelstürmer zum Bullypunkt, um das Bully auszuführen. Da schickte Heins seinen Teamkollegen Greg Mauldin kurzerhand vom Bully weg und übernahm das Anspiel. «Es war wohl das erste Bully meiner Karriere», so der 39-jährige Verteidiger. Allen war klar, was nun folgen würde. Der Schiedsrichter redete sekundenlang auf Heins ein und bei den Freiburger Zuschauern war nach dem bitteren 1:4 die Vorfreude auf das kleine Trostpflaster förmlich greifbar. Dass Heins das Bully verlor, war freilich zweitrangig, denn direkt nach der Aktion fing Heins an, auf Scherwey einzuprügeln. Dieser legte sich direkt auf den Boden, um die Hände schützend auf seinen Kopf zu legen.

 Wichtige Präsenz

In einer mitunter martialischen Sportart wie dem Eishockey ist die Massregelung per Faustrecht durchaus üblich. Nicht nur in der NHL hat sie eine Art selbstreinigenden Effekt, da ihre einschüchternde Wirkung die Zahl der bösartigen Checks dezimiert.

Nun muss man die Spielweise eines Heins nicht gut finden, aber wichtig ist das Einschüchterungspotenzial des Kanadiers durchaus. Nächstes Jahr wird bei Freiburg Neuzugang Timo Helbling diese Rolle übernehmen. Doch dieses Jahr liegt es hauptsächlich noch an Heins, eine Aura auszustrahlen, die dem Gegner sagt: Tust du unseren Schlüsselspielern etwas an, bekommst du es mit mir zu tun. Wie wichtig es ist, einen solchen Spieler in den Reihen zu haben, zeigte sich in der Halbfinalserie gegen Zürich. Als Heins in Spiel vier im Zürcher Hallenstadion fehlte, schienen sich die ZSC-Spieler viel mehr grenzwertige Aktionen zu erlauben als üblich. Die Folge waren mehrere angeschlagene oder verletzte Freiburger Spieler.

 Heins’ einschüchternde Aktion, genauso wie kurz darauf der Boxkampf von Sebastian Schilt–der in Sachen Einschüchterungspotenzial am ehesten an Heins herankommt–, könnte für den weiteren Verlauf der Serie deshalb durchaus wichtig sein. «Ob das so ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nicht beurteilen, welche Auswirkungen solche Aktionen auf meine Mitspieler und meine Gegenspieler haben», sagt Heins. «Ich war einfach sehr wütend und angepisst. Es pisst mich immer an, wenn meine Teamkollegen so angegangen werden.» Heins’ Loyalität und Bereitschaft zur Aufopferung sind durchaus bemerkenswert. Immerhin erhält er in Freiburg für nächste Saison keinen Vertrag mehr.

Tristan Scherwey gesperrt

 Es stellt sich allerdings die Frage, warum Heins erst zum Schluss der Partie Scherwey gemassregelt hat. Unmittelbar nach dem Check–Heins stand zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Eis–reagierte keiner der Freiburger Spieler. Danach bis in die Schlussminute ebenfalls nicht. «Bis zum 1:4 war die Partie zu eng. Da wollte ich keine Strafe riskieren und mein Team unnötig in Verlegenheit bringen», sagt Heins.

Fürs Erste wird es zu keiner Fortsetzung des Rencontres zwischen Heins und Scherwey kommen. Der Einzelrichter hat gestern gegen den Berner Stürmer ein Verfahren eröffnet. Für das heutige Spiel in Bern hat er Scherwey bereits gesperrt. Eine Rekursmöglichkeit gibt es nicht. Die Aktion sei unzweifelhaft als verletzungsgefährliche Handlung zu taxieren, heisst es im Communiqué der Liga. Eine solche sieht eine Matchstrafe vor, welche eine automatische Sperre von einem Spiel nach sich zieht. Bei der einen Spielsperre dürfte es jedoch nicht bleiben. Es scheint nicht einmal sicher, dass Scherwey in diesem Final überhaupt noch einmal zurückkehren wird. Wenn doch, will ihn Heins nicht zu seinem persönlichen Rivalen erklären. «Ich will mich nicht auf Tristan Scherwey fokussieren. Es sind Playoffs. Da ist für mich jeder Gegner ein Feind.» Gottéron tut gut daran, auch heute in Bern Emotionen aufkommen zu lassen. Wohl nur so ist das disziplinierte Abwehrgefüge Berns ins Wanken zu bringen.

 Rebounds provozieren

 Das sieht auch Heins so. «Eishockey besteht zu grossem Teil aus Emotionen. Und Gottéron ist erst recht ein Club, der von seinen Emotionen lebt. Im ersten Drittel haben wir das am Donnerstag schon sehr gut gemacht. Mit viel mehr Emotionen kann man nicht spielen.» Freiburg habe viel harte, faire Checks ausgeteilt und sich Chancen erarbeitet. «Nun müssen wir dieses Spiel einfach noch über 60 Minuten durchziehen–und natürlich die Torchancen nutzen.»

In dieser Hinsicht sind eher die Stürmer gefragt. Doch Heins hat auch noch zwei Appelle an sich und seine Verteidigerkollegen. Erstens müsse man vor dem eigenen Tor konsequenter aufräumen. «Und zweitens müssen wir Verteidiger unsereStürmer viel mehr unterstützen, von der blauen Linie abziehen und dadurch Rebounds provozieren.» Bei diesen Rebounds müssen die Freiburger Spieler anschliessend zeigen, dass sie ihre Körper nicht bloss bei Boxkämpfen einzusetzen wissen, sondern auch, um entscheidende Zweikämpfe zu gewinnen und so Tore zu provozieren.

«Ich war einfach sehr wütend und angepisst. Espisst mich immer an, wenn meine Teamkollegen soangegangen werden.»

Shawn Heins

Gottéron-Verteidiger

Vorschau: Auf der Suche nach dem richtigen Rezept

Gottéron befindet sich weiterhin auf der Suche nach der Taktik, um den SC Bern in Bedrängnis zu bringen. Mit dem defensiven und destruktiven Spiel des SCB haben die Freiburger ihre liebe Mühe. Immer wieder schaffen es die Berner, Gottéron dazu zu zwingen, den Puck von der Mittelzone aus ins Berner Drittel zu schiessen. Dort spedieren die Verteidiger des SCB den Puck sogleich wieder aus der Zone und hoffen dabei auf einen Konter. Sie sind sich gleichzeitig aber auch nicht zu schade, mit der Aktion ein Icing zu riskieren. Mit dieser Taktik, einem guten Marco Bührer im Tor und einer Portion Freiburger Unvermögen im Abschluss gewann Bern Spiel eins der Serie am Donnerstag im St. Leonhard mit 4:1.

Mehrere Spieler nicht im Training

Die Partie ähnelte den Spielen der letztjährigen Halbfinalserie, als Bern in selbem Stile die Serie klar mit 4:1 für sich entschied. «Am Donnerstag gab es einige Situationen, die wir nicht gut gehandhabt haben. Die ersten beiden Tore haben wir dem SCB fast geschenkt. So einfach dürfen wir es dem Gegner nicht machen», sagt Gottérons Trainer Hans Kossmann. Bern habe einmal mehr gezeigt, dass es ein sehr kompaktes und geduldiges Team sei. Eine grosse taktische Änderung ist für das Spiel von heute Abend (20.15 Uhr) in Bern nicht zu erwarten. «Am Donnerstag haben kleine Details den Unterschied ausgemacht. Es geht nun einfach darum, diese Details besser zu handhaben. Vor dem Tor müssen wir uns in bessere Positionen bringen. Und die Verteidiger müssen sich mehr in den Angriff einschalten.»

Beim gestrigen Training, das Gottéron wegen des Länderspiels im St. Leonhard in der benachbarten kleinen Halle absolvierte, fehlte der eine oder andere Spieler. Einer davon war Benjamin Plüss. Genauere Untersuchungen haben gestern ergeben, dass sich der Stürmer beim Check von Tristan Scherwey einen Nasenbeinbruch zugezogen hat. Mit einem Spezialvisier dürfte er heute dennoch zum Einsatz kommen. Spielen werden aller Voraussicht nach auch Andrei Bykow, Christian Dubé, Marc Abplanalp und Cédric Botter, die gestern allesamt ebenfalls nicht mittrainierten.

Auswärts wieder besser?

Hoffnung, die Serie heute auszugleichen, dürfte den Freiburgern die Tatsache verleihen, dass Gottéron in der letztjährigen Playoffserie gegen Bern auswärts stets besser ausgesehen hat als zuhause. Während Freiburg die Playoff-Heimspiele 2012 mit 2:4, 1:6 und 0:3 allesamt in der regulären Spielzeit verlor, wurden die Partien in Bern beide Male erst im Penaltyschiessen entschieden, einmal sogar mit dem besseren Ende für Freiburg. Auf ähnliches hofft Gottéron auch heute Abend. Das Team weiss, dass es gefordert ist. Oder wie es der erfahrene Christian Dubé formuliert: «Es liegt jetzt an uns, für den Samstag Lösungen zu finden.» fm

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