Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Für viele Ärzte war es unvorstellbar»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Das Geburtshaus Le Petit Prince befindet sich mitten im Indus­triegebiet von Villars-sur-Glâne. Nichts deutet darauf hin, dass hier fast täglich neues Leben geboren wird. Doch kaum hat man die Schwelle zu den Räumlichkeiten an der Route du Petit-Moncor 1D überschritten, befindet sich die Besucherin in einer völlig anderen Welt: Hell gestrichene Wände, gemütlich eingerichtete Zimmer und eine Hebamme, die Ruhe und Zuversicht ausstrahlt, verströmen ein Wohlgefühl.

130 Geburten pro Jahr

Für heute sind keine Geburten angemeldet. «Aber das weiss man ja nie im Voraus», sagt Elisabeth Wyler lachend. Zu tun hat die Mitbegründerin des Petit Prince auch so genug. Denn eben erst hat das Geburtshaus einen zusätzlichen Trakt in Betrieb genommen (siehe Kasten). Bei jährlich 130 Frauen, die hier gebären und zwei bis drei Tage im Wochenbett verbringen, plus Wöchnerinnen, die nach einer Spitalgeburt zur Nachbetreuung ins Geburtshaus wechseln, hat sich eine Erweiterung aufgedrängt. Stolz zeigt Wyler das zusätzliche Geburtszimmer mit Badewanne. Die neuen Therapieräume werden untervermietet. Von den paramedizinischen Diensten, die dort unter anderem angeboten werden, kann auch das Petit Prince profitieren.

Schwieriger Anfang

Diese letzte Ausbauetappe und die damit einhergehende weitere Professionalisierung des Betriebs ist Ausdruck davon, dass das Geburtshaus ein ernst zu nehmenden Player im Gesundheitswesen ist.

Das war nicht immer so. Wichtige Arbeit haben die Hebammen des Petit Prince zwar schon immer geleistet. Aber in der Gesellschaft war die Einrichtung – damals in einer alten Villa in Givisiez – noch nicht angekommen. Denn noch immer rieten viele Ärzte von einer Geburt ausserhalb des Spitals ab. Zu riskant, lautete die weitverbreitete Meinung. «Für viele Ärzte war das unvorstellbar. Damals war die Geburtshilfe an den Spitälern noch sehr autoritär. Die Ärzte sagten, was gut ist für die Frauen. Ausserdem waren wir für sie eine Konkurrenz», erinnert sich Wyler. Heute sei die Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem HFR dagegen sehr gut. «Wir sind voll akzeptiert.»

Wyler betont auch, dass ein Teil der Schwangeren definitiv eine hochmedizinische Betreuung brauche. «Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO verlaufen aber 85 Prozent der Schwangerschaften und Geburten völlig normal.» Zudem zeigten Studien, dass sich Frauen bei einer ganzheitlichen Betreuung durch eine Hebamme – wie etwa im Geburtshaus – sicherer fühlten, und es darum zu weniger Komplikationen komme.

Ganzheitliche Betreuung

So war es auch dieser ganzheitliche Ansatz, den Wyler in jungen Jahren dazu bewog, sich selbständig zu machen. «Im Spital sah ich die Frauen oftmals weder vor noch nach der Geburt, und bei einem Schichtwechsel konnte ich manchmal nicht einmal die ganze Geburt begleiten.» Zwar arbeiten die Hebammen im Petit Prince auch nach Dienstplan. Damit die Eltern im Vorfeld aber alle kennenlernen, werden die Schwangerschaftskontrollen abwechselnd von allen Hebammen vorgenommen.

Grenzen des Geburtshauses

Für die Ultraschalluntersuchungen schickt das Geburtshaus die Frauen ins Spital oder zur Frauenärztin. Mehrlings- oder Risikoschwangerschaften betreut das Petit Prince nicht. Und auch von der Alleingeburt hält Wyler nichts. «Es gibt eine Tendenz, dass immer mehr Frauen ganz alleine gebären wollen – die Hebamme soll nur als Back-up dienen. Da sage ich ganz klar nein. Was physiologisch völlig normal beginnt, kann plötzlich in einer grossen Pathologie enden – für Mutter und Kind.»

Mehr Vertrauen der Frauen

Auch nach so vielen Berufsjahren und unendlich vielen Geburten, spürt die heute 60-jährige Elisabeth Wyler zwar eine gewisse Müdigkeit, aber die Faszination ist ge­blieben: «Es ist jedes Mal ein grosses Privileg, bei einer Geburt dabei sein zu dürfen.» Sie sei auch stolz, dass den Eltern mit dem Geburtshaus eine ­Alternative zur Haus- und Spitalgeburt geboten werde. Für die Zukunft wünscht sich Wyler, «dass sich mehr Frauen zutrauen, dass sie gebären können».

Geschichte

Erst seit 2012 auf der Spitalliste

Mit der Schliessung der Geburtsabteilung im damaligen Spital von Châtel-Saint-Denis, fiel auch das einzige Geburtszimmer für freischaffende Hebammen im Kanton weg. Darum gründeten 1999 die Hebammen Anne-Marie Mettraux und Elisabeth Wyler in Givisiez das Geburtshaus Le Petit Prince. Im ersten Jahr verzeichnete die Einrichtung 26, im zweiten 52 und in der Folgezeit 60  Geburten pro Jahr. 2012 wurde das Geburtshaus in die Spitalliste aufgenommen. Fortan wurden sämtliche Kosten von Krankenkassen und Kanton übernommen. Vorher hatten die Krankenkassen nur die Hebammenleistungen bezahlt, die Infrastrukturkosten über 600 Franken gingen zulasten der Gebärenden. Allerdings sprang der Kanton Freiburg schon vor 2012 ein, wenn eine Frau nicht zusatzversichert war. Das war schweizweit einmalig. 2013 verliess Mettraux das Geburtshaus, Elisabeth Wyler machte mit Fanny Toumi weiter. Weil die Platzverhältnisse im Petit Prince kein Verbleiben nach der Geburt erlaubten, zog dieses 2014 nach Villars-sur-Glâne – in die Nähe des Kantonsspitals. 2016 mietete die GmbH weitere Räume an. Und 2019 erfolgte der zweite Ausbau, mit einem weiteren Geburtszimmer sowie Therapieräumen, die auch untervermietet werden. Im Petit Prince arbeiten 28 Personen: Hebammen, Nachtwachen, Köchinnen, Pflegefachfrauen sowie Reinigungs- und Verwaltungspersonal.

 

 

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema