Fussball 19.07.2019

Bereit für den nächsten Schritt

Nach dem grossen Umbruch im Sommer suchen die Berner Young Boys neue Leader. Zu einem Schlüsselspieler könnte der Heitenrieder Michel Aebischer avancieren.

Michel Aebischer ist bei den Berner Young Boys in der Teamhierarchie ein weiteres Stückchen nach oben geklettert: In dieser Saison gehört der Heitenrieder neu zum erweiterten «Captain-Team» der Berner. Die Captain-Binde trägt Fabian Lustenberger, der die Nachfolge des zurückgetretenen Steve von Bergen antritt. Guillaume Hoarau, Miralem Sulejmani und Marco Wölfli sind die offiziellen Vize-Captains – und David von Ballmoos und Michel Aebischer steigen ins erweiterte «Captain-Team» auf. Für Aebischer ist es eine Anerkennung für sein Auftreten auf und neben dem Spielfeld und ein weiterer Vertrauensbeweis vonseiten des Vereins: Erst Ende Mai hat der Schweizer Meister den Vertrag mit dem Heitenrieder vorzeitig um ein Jahr bis Ende Saison 2022 verlängert. Überraschend kam die Vertragsverlängerung nicht: Aebischer hat in der letzten Saison in seiner Entwicklung einen weiteren Schritt nach vorne getan und ist im zentralen Mittelfeld der Berner zum Leader gereift. In sämtlichen Rückrundenpartien stand er in der Startformation.

Die Entwicklung, die der Sensler innerhalb der letzten dreieinhalb Jahre durchgemacht hat, ist beeindruckend. Ende 2016 hatte er als U21-Spieler sein Debüt in der Super League gegeben, Anfang 2017 erhielt er bei YB seinen ersten Profivertrag, danach kam er als Ergänzungsspieler fix ins Team, schaffte es letzte Saison zum Stammspieler und ist nun mit Captain-Aufgaben betreut worden. Angesichts des steilen Aufstiegs geht fast ein bisschen vergessen, dass Aebischer erst 22 Jahre jung ist.

Erhöhte Erwartungen

Mit dem erhöhten Standing innerhalb der Mannschaft steigen allerdings auch die Erwartungen. Nachdem im Sommer mit Kevin Mbabu, Sékou Sabogo, Djibril Sow, Loris Benito und Steve von Bergen gleich fünf Leistungsträger die Young Boys verlassen haben, könnte Michel Aebischer zum neuen Schlüsselspieler avancieren. «Von mir wird erwartet, dass ich auf und neben dem Platz noch mehr Verantwortung übernehme und ein wichtiger Eckpfeiler unserer Mannschaft werde», weiss der Sensler. Angst vor den gestiegenen Erwartungen ihm gegenüber hat er nicht. «Ich verspüre deswegen nicht mehr Druck. Ich bin allgemein nicht so der Typ, der schnell nervös wird.» Wa­rum man Aebischer seine Aussagen abnimmt? Weil er spricht, wie er Fussball spielt: ruhig, überlegt, souverän.

Im letzten Test vor dem Saisonstart am Uhrencup gegen das Premier-League-Team Crystal Palace hatte Michel Aebischer zusammen mit Neuzugang Vincent Sierro das zentrale Mittelfeld gebildet. Die beiden harmonierten gut, der Sensler zeigte sich in seinem zweiten Spiel nach dem auskurierten Muskelfaserriss wie gewohnt bissig in den Zweikämpfen und mutig im Abschluss. Eine Stammplatzgarantie hat Aebischer aber nicht. «Der gesunde Konkurrenzkampf zeichnet YB aus», sagt er. Jeder müsse sich immer wieder neu beweisen. «Das ist gut, so entwickelt man sich weiter.»

Viele neue Gesichter

Der Umbruch im Sommer hat bei YB dafür gesorgt, dass im Gegensatz zu anderen Jahren etliche neue Gesichter in der Mannschaftskabine anzutreffen sind. «Anfangs war es schon eine Umstellung. Man musste erst mal schauen, wer da alles neu in der Kabine ist», sagt Aebischer. Es sei aber interessant gewesen, die Neuen kennzulernen und herausfinden, wie sie ticken.

Alle neuen Spieler mussten das traditionelle Aufnahmeritual der Young Boys über sich ergehen lassen: Im Trainingslager während des Mannschaftsessens auf einen Stuhl steigen und ein Lied vorsingen. Welcher Neuling hat sich dabei als begabter Sänger erwiesen? «Christopher Martins Pereira hat eine beeindruckende Performance abgeliefert», sagt Aebischer mit einem Lachen. «Nach dem Trainingslager und der Saisonvorbereitung kann ich aber sagen, dass wir schon ein Team geworden sind.» Es brauche noch etwas Arbeit, bis man ganz zusammenfinde und alle Automatismen funktionierten. «Aber der Prozess ist am Laufen.»

Zwei weitere Freiburger bei YB

Neben Michel Aebischer sind mit Felix Mambimbi (Freiburg) und Esteban Petignat (Esta­vayer-le-Lac) noch zwei weitere Freiburger im Kader von YB. Mambimbi, der 18-jährige Stürmer, war im Frühling schon zu zwei kurzen Einsätzen in der Super League gekommen. In dieser Saison dürfte er wie der 19-jährige Mittelfeldspieler Petignat aber in erster Linie bei den U21 zu Einsatz kommen.

«Von mir wird erwartet, dass ich ein wichtiger Eckpfeiler unserer Mannschaft werde.»