Fussball 03.03.2018

Der FC Freiburg hegt Ambitionen

Der Freiburger Timothée Ndarugendamwo (r.) und Muhidin Becirovic (Portalban/Gletterens) stehen sich nächste Woche wieder gegenüber.
Mit einem erneuerten Kader will der FC Freiburg in der Rückrunde der 1.-Liga-Meisterschaft nicht nur viele Spiele gewinnen, sondern vor allem Spektakel bieten. Bis das Team von Ismaël Djelid ins Geschehen eingreifen kann, muss es sich aber noch gedulden.

Der FC Freiburg war zweifellos eine der grossen Überraschungen in der bisherigen 1.-Liga-Meisterschaft. Den vierten Tabellenrang hatte dem Team von Ismaël Djelid kaum jemand zugetraut, nachdem es in der Vorsaison abgestiegen war und nur dank eines Entscheides am grünen Tisch weiterhin in der 1. Liga spielen kann. Trotz der an sich guten Klassierung ist Djelid mit der Vorrunde nicht ganz zufrieden. «Wenn ich unseren vierten Platz mit dem Output der letzten Saison vergleiche, bin ich zufrieden. Anderseits weiss ich aber auch, dass wir fünf, sechs Punkte mehr haben und die Tabelle deutlich anführen könnten, wenn wir in einigen Spielen nicht so überheblich aufgetreten wären. Notabene gegen Thun II und Düdingen liessen wir den Respekt vermissen und wurden dafür richtigerweise bestraft.» In den letzten drei Spielen fehlte Freiburg zudem etwas das Glück, als man trotz guter Leistung und spielerischer Überlegenheit nur einen Punkt holte. «Da hat man gesehen, dass uns ein Stürmer mit Torinstinkt fehlt.»

Die rare Perle

Stürmer, die aus einer kleinen Chance ein Tor machen, sind rare Perlen. So ziemlich jeder Fussballverein ist auf der Suche nach ihnen, aber nur die wenigsten werden fündig. Auch Ismaël Djelid hat in der Winterpause nach einem Knipser Ausschau gehalten – und einen in der Person von Alexandros Tsoutsis in der zweithöchsten griechischen Liga entdeckt. «Er ist ein Stürmer mit einem starken Schuss und einer grossen Portion Schlitzohrigkeit», sagt der Trainer. Weil es in Griechenland Probleme mit dem Lohn gegeben habe, sei er ins Ausland gegangen. «Freiburg ist für Tsoutsis ein Sprungbrett, um sich für eine höhere Aufgabe zu empfehlen. Er hat definitiv das Potenzial dazu.»

Tsoutsis ist einer von sieben Neuzugängen, die der FC Freiburg in der Winterpause getätigt hat. Arthur Napo Ozouf, der togolesische Nationalspieler, und Nabil Souni sind zwei weitere. Von ihnen erhofft sich Djelid im Mittelfeld neue Impulse. «Beide sind physisch stark und können den Ball halten. Spielerisch sind sie im Mittelfeld eine klare Verstärkung.» Auch sonst ist Djelid seiner Philosophie treu geblieben und hat in erster Line junge Spieler geholt. Solche, die in den letzten Jahren bei grossen Vereinen die Juniorenstufen durchlaufen, aber den Durchbruch nicht ganz geschafft haben. «Sie kommen zu uns, weil sie wissen, dass sie sich bei uns entwickeln können. Die Ausbildung ist für mich zentral, an der Basis bin ich ein Nachwuchstrainer», sagt Djelid, der seine Trainerkarriere bei den YB U18 angefangen hat. «Der FC Freiburg ist eine Vitrine, wo sich die Spieler präsentieren und ihre Karriere neu lancieren können. Wegen des Geldes kommt niemand zu uns, da gibt es 1.-Liga-Vereine im Kanton, die besser zahlen.»

Enttäuscht über den SCD

Ismaël Djelid spielt dabei auf die Abgänge von Yannick Moussa, Robyn Chirita und Adan Rebronja an, die zum Ligakonkurrenten Düdingen gewechselt haben. «Chirita hat unter meinen Vorgängern kaum gespielt, ich habe an ihn geglaubt und ihn gefördert. Rebronja war im Sommer in Düdingen nicht mehr erwünscht, wir haben ihm eine Chance gegeben. Dass uns die beiden jetzt verlassen haben, nur weil sie anderswo ein paar Hundert Franken mehr erhalten, ist enttäuschend», findet Djelid. Auch die Art und Weise, wie der Wechsel angelaufen sei, habe ihn enttäuscht. «Weder hat der Verein mit uns Kontakt aufgenommen, noch haben die Spieler uns gesagt, dass sie zu Düdingen gehen. Auf der Homepage des SCD habe ich gesehen, dass die drei dort unterschrieben haben.»

Djelid weint beiden Spielern jedoch nicht nach, genauso wenig wie den neun anderen, die den FCF in der Winterpause verlassen haben. «Die Abgänge haben wir qualitativ mehr als kompensiert. Alles in allem sind wir stärker als in der Vorrunde», sagt der Trainer. «Wenn wir engagiert auftreten und unser ganzes Potenzial abrufen, dann können wir alle Spiele gewinnen.»

Erst Spektakel, dann Aufstieg

Trotz des Vertrauens in die eigenen Stärken, von einem Aufstieg spricht man in der Hauptstadt nicht. «Es setzt die jungen Spieler nur unnötig unter Druck, wenn der Aufstieg wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebt.» Natürlich denke er im Hinterkopf an eine Promotion, sagt Djelid. «Wenn ich diese Ambitionen nicht hätte, wäre ich ein schlechter Trainer. Der Aufstieg ist aber kein Muss. Priorität hat es, möglichst rasch den Ligaerhalt zu sichern und dann so lange wie möglich oben mitzuspielen. Dann schauen wir, was dabei herausschaut.»

Fast noch wichtiger als die Resultate an sich ist Ismaël Djelid die Art und Weise, wie sie zustande kommen. Sein Anspruch ist es, einen schönen und spektakulären Fussball mit viel Ballbesitz zu zeigen. «Wenn eine Mannschaft nur fürs Ergebnis spielt, wird es für die Zuschauer langweilig. Wir wollen Spektakel bieten, dann kommen die Zuschauer gerne und zahlreich ins Stadion», sagt der 48-Jährige aus Villars-sur-Glâne. Spektakuläre Auftritte hat der FC Freiburg in der Vorrunde einige abgeliefert, was von den Zuschauern offensichtlich honoriert wird. «Letzte Saison kamen im Schnitt 150 Leute an unsere Heimspiele, inzwischen sind es 300 bis 400», freut sich Djelid. «Unser Ziel ist es, jeweils 450 Fans ins Stadion zu locken.»

Geduld ist gefragt

Morgen Sonntag wäre für die Freiburg Fans eigentlich die erste Möglichkeit gewesen, ins St. Leonhard zu pilgern. Die Auftaktpartie gegen das drittplatzierte Azzurri Lausanne wurde wegen des schneebedeckten Terrains gestern allerdings verschoben. «Ich hätte lieber gespielt», sagt Djelid. «Wir haben uns seit Tagen auf das Duell gegen Azzurri vorbereitet. Wir wären bereit gewesen, nun müssen wir uns nochmals gedulden.» Nun werde er seinem Team das Wochenende frei geben und nächste Woche ein Trainingsspiel ansetzen. Der erste Ernstkampf der Rückrunde findet für Freiburg nun am 11. März beim Kantonsderby bei Portalban/Gletterens statt. «Ein Sieg im ersten Spiel ist wichtig, um allen klar zu machen, dass mit dem FC Freiburg auch in der Rückrunde zu rechnen ist», sagt Djelid. «Denn nach der dreimonatigen Winterpause und den vielen Wechseln, die die meisten Teams vollzogen haben, beginnt in der zweiten Saisonhälfte praktisch eine neue Meisterschaft.»

Als stärkste Kontrahenten sieht der FCF-Trainer Lancy und Carouge. «Lancy hatte keine Mutationen im Kader, und Konstanz ist die grösste Stärke, die ein Team haben kann. Carouge hat mehrere Spieler von Servette engagiert. Das wird eine ganz harte Rückrunde.»

Vorbereitungsspiele

Freiburg - Köniz (PL) 1:5 a

Freiburg - Stade Lausanne (1L) 1:2 a

Freiburg - Bulle (2i) 2:2 h

Freiburg - Bex (2i) 3:1 h

Freiburg - Yverdon (PL) 3:1 a

Freiburg - Romont (2i) 2:0 h

Freiburg - Azzurri Lausanne (1L) 3:2 a

Kader

FC Freiburg, Rückrunde 2017/18

Torhüter: Marc Ummel, Sleo Freiburghaus.

Verteidiger: Timothée Ndarugendamwo, Julien Bise, Durim Ademi, Steve Schmidhäusler (neu, YB U18), Loic Ombala (neu, Azzurri Lausanne), Clirim Ademi.

Mittelfeld: Bryan Marques, Arthur Napo Ozouf (neu, Servette U21), Mehdi Benhaddouche, Nabil Souni (neu, Vevey), Mohamed M’sabeg, Isaac Bambele, Ylber Mejdi (neu, Bavois), Phy Nguven.

Stürmer: Vedad Efendic, Fitim Rugovaj (neu, Versoix), Santiago Cerezo Rendon, Alexandros Tsoutsis (neu, Doxa Dramas GRE), Simao Machado, Christopher N’singa.

Trainer: Ismaël Djelid.

Abgänge: Diego Mutombo, Gianluca Nucera, Yannick Moussa, Robyn Chirita, Nader Bouzenna, Dadem Vicky, Gregory Dimbi, Adan Rebronja, Luis Fernando Rodrigues, Jonathan Quintero, Jonatan Quintero Olsson.

«Wenn eine Mannschaft nur fürs Ergebnis spielt, wird es für die Zuschauer langweilig. Wir wollen Spektakel bieten.»

Ismaël Djelid

Trainer FC Freiburg