Fussball 30.07.2019

Die klare neue Nummer 1 im Kanton

Der FC Bulle (hier im Vorbereitungsspiel gegen La Tour) hat eine junge, hungrige Truppe beisammen.
Wenn am Wochenende die neue 1.-Liga-Saison beginnt, ist nur noch ein Freiburger Team dabei: Der FC Bulle. Was haben die Greyerzer in den letzten Jahren besser gemacht als die übrigen Clubs im Kanton?

«Natürlich macht es uns stolz, die Nummer 1 im Kanton zu sein», sagt Bulle-Trainer Pierre-Alain Suard. «Aber mir wäre es lieber, wenn wir es auf andere Art wären, wenn zum Beispiel Düdingen den vierten Rang in der 1. Liga belegen würde und wir den dritten.» Denn dass Bulle das einzige verbleibende Freiburger Team in der vierthöchsten Schweizer Spielklasse ist, findet Suard «sehr schade». Es könne zwar in gewissen Bereichen Vorteile haben, Bulle sei zum Beispiel nunmehr die einzige Anlaufstelle im Kanton für Spieler, die mindestens in der 1.  Liga spielen wollten. «Aber wenn man alle Parameter zusammennimmt, ist es ein Nachteil für uns. Derbys sind für Zuschauer und Spieler sehr wichtig. Diese Derbys fehlen uns in dieser Saison jedoch gänzlich. Die nächstgelegene Equipe ist fast schon die U21 der Berner Young Boys.»

Junge Spieler aus der Region

Noch vorletzte Saison stand Bulle in der Hierarchie im Kanton nur an vierter Stelle. Die Greyerzer spielten damals noch in der 2. Liga interregional. Mit dem FC Freiburg, dem SC Düdingen und Portalban/Gletterens waren drei andere Teams aus Freiburg eine Division höher in der 1. Liga aktiv. Sie sind seither einer nach dem anderen abgestiegen – während Bulle vorletzte Saison aufstieg und letzte Saison souverän den Klassenerhalt schaffte. Was hat der Greyerzer Club besser gemacht als die anderen? «Ich will und kann die Arbeit der andern Clubs nicht im Detail beurteilen. Aber was Bulle sicher besser gemacht hat: Ruhe, Stabilität und Kontinuität standen zuletzt stets im Vordergrund.»

Das sei vor allem ein Verdienst von Präsident Philippe Kolly und Sportchef Steve Guillod, die seit Jahren gute Arbeit leisteten. «Es gibt auch auf diesem Niveau Clubs, da nimmt ein neuer Trainer zehn Spieler mit und schafft vielleicht sogar den Aufstieg. Doch wenn dann der Trainer geht oder der Club wieder absteigt, sind alle wieder weg.» In Bulle arbeite man komplett anders. «Als ich vor einigen Wochen engagiert wurde, haben der Sportchef und der Präsident mit mir auch über die Vergangenheit und die Philosophie des Clubs gesprochen, damit ich mich nahtlos einreihen kann.» Die Philosophie des FC Bulle: auf junge, ambitionierte und aufstrebende Spieler aus der Region setzen. «Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 22 Jahren, und von den 20 Spielern im Kader sind 16 aus Freiburg.»

Die meisten dieser Spieler waren bereits letzte Saison dabei. «Unsere grösste Stärke ist wohl die defensive Stabilität. Die war übrigens schon nach einer Woche erkennbar. Da wären wir wieder beim Thema Kontinuität», sagt Suard. «Denn wenn bereits in der Vorbereitung die Defensive stabil ist, dann liegt das nicht an mir, sondern an der guten Arbeit meines Vorgängers und daran, dass immer noch dieselben Spieler am Werk sind.»

Zur defensiven Grundausrichtung passt, dass die zwei Leader des Teams die beiden Innenverteidiger sind: Flavio Cassara und Joan Yenni. «Sie teilen sich das Captainamt und müssen die Jungen führen und mitreissen. Ich bezeichne die beiden gerne auch als die Lebensversicherung des FC Bulle.»

Auch Trainer jung und ambitioniert

Wenn der FC Bulle der Club der Ambitionierten und Jungen ist, passt Pierre-Alain ­Suard bestens dazu. Mit 36 gehört der Mann aus Progens, der im Juni beim FC Bulle die Nachfolge des zur U17 von Team Waadt abgewanderten Cédric Mora übernahm, auf diesem Niveau zu den jüngeren Trainern. Es ist denn auch seine erste Station als Headcoach eines 1.-Liga-Teams. Davor war er Trainer des FC Aigle in der 2. Liga. Zuvor war er unter anderem im Nachwuchsbereich des FC Sion tätig. Nervös ist er vor seinem Debüt am Sonntag gegen Echallens nicht. «Mit dem Ligaerhalt hat der Club ein Saisonziel formuliert, das mich nicht zu sehr unter Druck setzt. Das ist nett», sagt Suard und lacht. «Denn ich denke, dass mit diesem Team durchaus mehr drin liegt. Es ist zwar eine junge Mannschaft, wir werden Fehler machen, doch das Gute ist, dass man uns das Recht auf Fehler gewährt. Deshalb bin ich nicht nervös, selbst wenn es für den Club in der 1. Liga das schwierige zweite Jahr der Bestätigung ist.»

Nervös ist Suard also nicht – aber ambitioniert. Das gilt auch für seine persönliche Zukunft. «Ich habe das Trainerdiplom mit Gerardo Seoane gemacht. Wenn ich ihn nun jeweils bei YB an der Seitenlinie sehe, hab ich natürlich Sternchen in den Augen», sagt Suard. «Aber es wäre falsch, nun bereits darüber zu sprechen, dereinst in einer höheren Liga trainieren zu wollen. Nun will ich erst einmal beim FC Bulle abliefern und mich richtig etablieren.»

Das Kader

Torhüter: Sléo Freiburghaus (neu, FC  Freiburg), David De Campos.

Verteidigung: Frank Bochud, Patrick Dos Santos, Joan Yenni, Maxime Afonso, Flavio Cassara, Loic Marmier, Steve Schmidhäusler.

Mittelfeld: Anthon Yenni, Victor Girod, Robin Golliard, Kevin Sumbula, Arthur Ozouf (neu, Aigle), Arthur Deschenaux, Maxime Mason, Simon Puertas.

Sturm: Baptiste Bersier (neu, Echallens) Ndiaw Ndiaye, Ben Käser.

«Das Durchschnittsalter liegt bei 22 Jahren, und von den 20 Spielern im Kader sind 16 aus Freiburg.»

Pierre-Alain Suard

Trainer FC Bulle