Fussball 11.03.2019

Freiburg verpasst eine Riesenchance

Monteiro (l.) und der FC Freiburg nutzten die goldene Chance auf einen Befreiungsschlag nicht.
Obwohl er früh 2:0 in Führung ging und 70 Minuten lang mit einem Mann mehr spielen konnte, verlor der FC Freiburg in Meyrin 2:4. Wer solche einmaligen Chancen nicht nutzt, steigt Ende Saison unweigerlich ab.

Selbst langjährige und eingefleischte Fans konnten sich am Samstagabend im schwach besetzten Stade des Arbères bei ständigem Nieselregen nicht daran erinnern, jemals ein so verrücktes Spiel mit solch unglaublichen Wendungen gesehen zu haben.

Kurz vor Halbzeit – die Gäste führten entgegen dem Spielverlauf 2:0 und hatten zudem den Vorteil, dank einer frühen Roten Karte gegen Meyrins Dias mit einem Mann mehr zu spielen – vergab der junge Ibrahim Yimga (19) allein vor dem unsicheren Meyrin-Keeper ­Joao da Silva das dritte Tor, das wohl dieses Spiel zugunsten des Aussenseiters entschieden hätte. Praktisch im Gegenzug schoss Meyrins Goalgetter Matt Moussilou das 1:2-Anschlusstor, das den nervös startenden Genfern wieder Auftrieb gab. Vor und nach der Pause annullierte das Schiedsrichter-Trio zudem drei (!) Offside-Tore des Heimclubs, zumindest zweimal lagen die Unparteiischen zum Glück für Freiburg völlig daneben.

Aus all diesen glücklichen Umständen konnten die Pinguine jedoch keinen Nutzen ziehen – denn in der letzten halben Stunde fielen die Freiburger wie schon gegen Martigny eine Woche zuvor völlig auseinander. Angeführt vom spielerisch überragenden Duo Valente/Moussilou, kehrte Meyrin mit nur noch 10 Mann den Match mit drei Toren in regelmässigen Abständen zu ihren Gunsten, der FCF musste am Ende gar froh sein, nicht noch höher verloren zu haben.

Die Niederlage leitete Goalie und Captain Sléo Freiburghaus mit einem unnötigen Foul im Strafraum eine Viertelstunde vor Schluss ein, nach dem 2:2-Ausgleich per Penalty gings für den schwächelnden FCF nur noch bergab.

«Das darf nicht passieren»

Vom Komitee des FCF war am Samstag niemand in Meyrin, dafür standen bei den Gästen in diesem Spiel bei einem der Meisterschaftsfavoriten gleich drei Trainer an der Linie: Während sich das Duo Georges Bula und Anthony Schenewey an der Linie regelmässig abwechselte, hielt sich Charly Clément (er besitzt als Einziger die nötigen Trainerausweise für die 1. Liga) bis zum Schlusspfiff etwas zurück. Nach dem Schlusspfiff platzte dem langjährigen FCF-Mitglied dann aber der Kragen: «Heute haben wir eine hundertprozentige Chance verpasst, endlich den zweiten Meisterschaftssieg einzufahren. Aber unserer Mannschaft fehlt es ganz einfach an der Klasse und an der Physis. So wie wir am Ende eingebrochen sind, das darf einem 1.-Liga-Team ganz einfach nicht passieren.»

Verwunderlich sei es aber nicht, der Grossteil der neu zusammengestellten Mannschaft habe kaum die ganze Vorbereitung mitgemacht und büsse eben jetzt dafür. Zudem hätten viele Spieler ganz einfach nicht die Klasse, auf diesem Niveau zu spielen. Der wortkarge Georges Bula seinerseits sammelte seine enttäuschten und ausgelaugten Spieler auf dem Platz ein, um die Kabine aufzusuchen.

Meyrins Substanz

Dabei hatte dieser Match für die Gäste optimal begonnen: Mit den zwei ersten Torschüssen ging Freiburg mit 2:0 in Führung, während auf der anderen Seite Meyrin Chance um Chance vergab. Statt aber den Sack nach dem Ausschluss von Dias – er zog knapp hinter der Mittellinie die Notbremse – zuzumachen, liess der FCF den sichtlich angeschlagenen Gegner wieder ins Spiel zurückkommen und fiel nach der Pause, wie eingangs erwähnt, unerklärlich und unentschuldbar auseinander.

Mit lange Zeit nur neun Feldspielern und einem unglücklichen 0:2 Rückstand im Gepäck liess sich der FC Meyrin derweil nicht aus der Bahn werfen und wurde für seine Bemühungen am Schluss richtigerweise noch belohnt. «Eigentlich hätte Meyrin viel höher gewinnen können und müssen», zog Charly Clément ein klares Fazit. Tatsächlich setzte sich am Ende, wie meistens im Sport, eben doch noch die grössere Klasse durch. Aber es brauchte ein paar komische Momente in diesem umstrittenen Match, bis sich die favorisierten Gelb-Schwarzen verdientermassen doch noch durchzusetzen vermochten.

Eines ist klar, auf die junge Freiburger Truppe, der es an Einsatz nicht mangelt, wartet in den nächsten Wochen noch viel Arbeit, wenn sie nicht schon Monate vor Saisonschluss als Absteiger feststehen will. 10 Runden vor Schluss beträgt der Rückstand auf den Strich bereits satte 13 Punkte.

Telegramm

Meyrin - Freiburg 4:2 (1:2)

Stade des Arbères: 184 Zuschauer. – SR Yves Dégallier.

Tore: 19. Jaton 0:1, 39. Mejdi 0:2, 43. Moussilou 1:2, 73. Moussilou (Foulpenalty) 2:2, 77. Martins 3:2, 91. Diallo 4:2.

FC Meyrin: Da Silva; Dembele, Rezzonico, Buchs, Brito; Diallo, Dias, K. Tsimba (50. Gassama); C. Tsimba (50. Martins), Moussilou (87. Paçarizi), Valente (92. Seixa de Matos).

FC Freiburg: Freiburghaus; Monteiro, Fouda, Gharsallah, Ademi; Peter; Yimga (57. Yohans), Wenzi, Jaton (68. Polonyi); Mejdi (71. Nsingi); Zimmermann (80. Kemiri).

Bemerkungen: Meyrin ohne Howald (gesperrt); Freiburg ohne Bulay, Looga, Rusca, Vukanovic (alle verletzt), Simevski (krank) und Sulejmani (gesperrt). Verwarnungen: Peter (21.), Rezonico (76.). Platzverweis: Dias (22., Notbremse).