übrigens 17.05.2018

Pjöngjang 2030

«Ist ja irre. Sie sehen aus wie dieser Diktator. Aus Nordkorea. Wie heisst er noch gleich?»

«Kim Jong-un.»

«Genau. Wirklich verblüffend. Aber egal, was können wir von der Fifa für Sie tun?»

«Ich will die Fussball-WM 2030 nach Nordkorea holen.»

«Haha, der war gut. Versteckte Kamera, oder?»

«Muss ich meinen roten Knopf rausholen, damit Sie mir glauben?»

«Sie sind es wirklich? Nichts für ungut, aber eine WM in Nordkorea? Das ist keine Bombenidee, hahaha, fürchte ich.»

«Wieso? Sie ist von mir.»

«Jetzt nicht gleich beleidigt sein, Herr Kim. Lieber kühles Köpfchen statt rotes Knöpfchen. Sehen Sie, wir von der Fifa haben hohe ethische Standards an die Gastgeber der WM, und Ihr Land hat da, wie soll ich es sagen, ein paar demokratische Defizite.»

«Die hat die Fifa auch. Und Katar. Und Russland.»

«Putin ist doch ein lupenreiner Demokrat.»

«Platz 135 auf dem Demokratieindex.»

«So schlecht ist das doch gar nicht.»

«Stimmt. Katar schneidet noch schlechter ab. Platz 136.»

«Und was ist mit Nordkorea?»

«Tabellenletzter. Platz 167. Nur konsequent, dass nach den anderen beiden autoritären Regimes auch ich mal darf.»

«Nana, Herr Kim. Wir wollen jetzt nicht faule Äpfel mit faulen ... Ich meine, zwischen Russland und Nordkorea, da liegen schon noch Welten. Bei Ihnen gibt es doch zum Beispiel keine freien Medien.»

«Gibt es die in Russland?»

«Ähm, das müsste ich jetzt im Bewerbungsdossier 2018 nachschlagen. Aber in Nordkorea, da werden politische Dissidenten einfach in Lager weggesperrt.»

«Das macht Putin auch.»

«Aber Sie, Herr Kim, Sie sind wirklich ein schlimmer Finger. Haben Sie nicht Ihren Halbbruder im Ausland vergiften lassen? Ich meine, so etwas würde Russland doch nie ... Gut, das war jetzt ein schlechtes Beispiel. Aber Ihr Regime ist einfach menschenverachtend. Sie haben Zehntausende Ihrer Bürger als Zwangsarbeiter ins Ausland verschachert.»

«Auch auf die WM-Baustellen in Russland und Katar, um genau zu sein. Wir haben also schon das nötige Know-how, wie man Stadien baut.»

«Aber sehen Sie, Herr Kim. Fussball, das sind Emotionen. Und bei Nordkorea geht die Stimmung einfach gleich in den Luftschutzkeller.»

«Vielleicht hebt ja das Ihre Stimmung?»

«Tja, wenn Sie da noch zwei, drei Nullen hinten dransetzen, dann ist das ein ziemlich bestechendes Argument. Wissen Sie, für mich war von Anfang an klar: Eine Fussball-WM in Nordkorea, das ist eine tolle Idee. Die Kraft des Sports zur Völkerverständigung, Fussball als Friedensstifter. Wunderbar. Sie werden auf jeden Fall von uns hören.»