Fussball 17.06.2019

Ueberstorf steigt trotz Kantersieg ab

Nach nur einem Jahr in der 2. Liga interregional steigt der FC Ueberstorf trotz eines 6:2-Heimsiegs gegen Mitabsteiger Thierrens wieder in die regionale 2. Liga ab. Dies auch, weil Meister Terre Sainte überraschend zu Hause gegen La Tour/Le Pâquier verlor.

Der Wettergott hatte es am Samstagabend mit den Fussballern in der Westschweiz nicht gut gemeint. Wegen heftiger Gewitter konnte das im Abstiegskamp so wichtige Spiel zwischen La Sarraz und Payerne gar nicht ausgetragen werden, und so drohte der Ausgang im Abstiegsrennen selbst nach der letzten Runde weiter offen zu bleiben.

Ueberstorf machte mit seinem nie gefährdeten Heimsieg gegen ein allerdings bedenklich schwaches Thierrens seine Hausaufgaben, leider konnten die Sensler nicht auf die erwünschte Hilfe von Meister Terre Sainte zählen, das in den letzten Minuten am Genfersee gegen La Tour einen 2:1 Vorsprung noch aus den Händen gab und 2:3 verlor. So gab es dann ein paar Minuten nach dem Abpfiff in Ueberstorf viele lange Gesichter zu sehen. Plötzlich war der Abstieg, den man lange Zeit in der Saison mit erstaunlich guten Leistungen verhindern zu können glaubte, Tatsache. Dass am Schluss 28 Zähler nicht zum Ligaerhalt reichen, ist sicher auch eine gehörige Portion Pech, letztlich wurden dem Team von Präsident Richard Schafer die beiden bitteren Niederlagen gegen direkte Konkurrenten wie Romont und La Tour zum Verhängnis. Trotz des Abstiegs geht beim starken Dorfklub die Fussballwelt nicht unter, schon im kommenden Jahr will man mit der praktisch gleichen Mannschaft eine Liga tiefer wieder vorne angreifen.

Regen, Wind und sechs Tore

Die Geschichte dieses letzten Meisterschaftsspiels zwischen den beiden Absteigern ist eigentlich schnell erzählt. Der Heimklub brauchte genau fünf Minuten, um diesen Match mit zwei schnellen Toren zumindest vorzuentscheiden. Die beiden Schlüsselspieler Kevin Portmann – mit einem Penalty – und Joel Jungo nach einer schönen Einzelleistung, zeigten dabei nochmals ihre gute Form. Nach einer Viertelstunde öffnete dann Petrus seine Schleusen, trotz Dauerregen und Windböen liess Schiedsrichter Pierre Collart ohne Unterbruch bis am Schluss weiterspielen. Die Spieler auf dem gut bespielbaren Rasen passten sich gut an die schwierigen Verhältnisse an und schossen in regelmässigen Abständen noch ein halbes Dutzend weitere Tore. Thierrens zeigte sich in der Abwehrarbeit ziemlich grosszügig und liess die torhungrigen Sensler Stürmer noch das eine oder andere schöne Tor drauflegen. Auf der Gegenseite schlug es auch noch zweimal beim sonst arbeitslosen Gael Aebischer ein, einmal ebenfalls per Strafstoss.

Ueberstorf verliert «Capitano»

Normalerweise herrscht nach einem Abstieg in den Fussballklubs Totengräberstimmung. Nicht so bei den Verantwortlichen des FC ­Ueberstorf. Sowohl Präsident Richard Schafer als auch Trainer Daniel Spicher, er hat schon für eine weitere Saison unterschrieben, zeigten sich unisono stolz auf die Leistung der Mannschaft, die in der langen Saison alles gegeben habe. Er habe letzte Woche von anderen Trainern SMS erhalten, die ihm mitgeteilt hätten, seine Mannschaft sei trotz Abstiegssorgen eine Bereicherung für die Liga gewesen, sagte Spicher.

Dass am Ende ein, zwei Punkte gefehlt hätten, sei sehr bitter, so Spicher, der einen der Gründe im etwas knappen Kader sieht: «Wenn bei uns zwei, drei Schlüsselspieler ausfallen, dann können wir diese nicht wie andere Mannschaft, die ein 23-Mann-Kader besitzen, gleichwertig ersetzen, aber auch unsere Ersatzbank hat immer hundertprozentigen Einsatz geleistet. Am Schluss war dann auch eine Portion Pech dabei.»

Präsident Richard Schafer betonte auch noch, dass Ueberstorf, als wohl einer der wenigen Klubs in der Liga, keine Spieler bezahle, und einen möglichen Abstieg deshalb auch in Kauf genommen habe. Ab sofort schaut man beim FCÜ mit seinen tollen Fans, am Samstag kamen erneut über 400 zum Sportplatz, schon wieder nach vorne. Die Zukunft wird man allerdings ohne «Capitano» Kevin Portmann, der gestern 30-jährig wurde, bestreiten müssen. Der Polizist will in Zukunft sportlich kürzertreten. Dazu kommt noch das Fehlen von Joel Jungo in der Vorrunde, der dann auf einer Weltreise ist. Trotz allem schaut Trainer Daniel Spicher optimistisch in die Zukunft: «In der 2. Liga haben wir wieder neue Ziele. Den Aufstieg in ein oder zwei Jahren, oder den Gewinn des Freiburger Cups. An diesem konnten wir in der 2. Liga inter ja nicht teilnehmen.» Auch im Sport sind manchmal kleine Rückschritte gleichzeitig in gewissen Bereichen Fortschritte.

 

Telegramm

Ueberstorf - Thierrens 6:2 (3:1)

Sportplatz: 428 Zuschauer. - SR Pierre Collart.

Tore: 4. Portmann (Foulpenalty) 1:0, 5. Joel Jungo 2:0, 21. Santos Mota (Foulpenalty) 2:1, 37. Joel Jungo 3:1, 63. Portmann 4:1, 72. Fasel 5:1, 74. Cédric Martin 5:2, 79. Fasel 6:2,

FC Ueberstorf: Aebischer; Rytz (83. Sauterel), Hagi, Spicher, Geissbühler; J. Jungo, Waeber (46. Schumacher), Burla, Schorro (66. Schneuwly); Boillat (57. Fasel); Portmann.

FC Thierrens: Charrière; C. Martin, Cheminade (82. Curty), Meylan, Pittet L. Martin, K. Martin, Brandt, Bilancioni (76. Filisetti) ; Santos Mota, Jebali (70. Casella).

Bemerkungen: Ueberstorf ohne S. Jungo (verletzt), Schafer (Beruf), Gasser (Militär); Thierrens ohne Bochud (Ferien), Bamba Die (verletzt), Diallo (Beruf) und Braun (verletzt). Pfostenschuss: Boillat (42.). Verwarnungen: Rytz (73.). Vor dem Spiel werden Kevin Portmann (seit 12 ½ Jahren in der ersten Mannschaft – 122 Spiele und über 80 Tore) und Ersatzhüter Flavio Jungo (geht in die 2. Mannschaft) mit Geschenken und Fantransparenten verabschiedet.

«In der 2. Liga haben wir wieder neue Ziele. Den Aufstieg in ein oder zwei Jahren, oder den Gewinn des Freiburger Cups.»

Daniel Spicher

Trainer FC Ueberstorf