Fussball 24.02.2018

«Wir tragen unser Trikot mit Stolz»

Trainer Ismaël Djelid hat mit dem FC Freiburg Grosses vor.
Mit einem umgekrempelten Kader und einem professionellen Vereinsberater bläst der FC Freiburg in der 1.-Liga-Rückrunde zum Angriff. Zudem sucht der Verein einen finanzstarken Präsidenten.

«In letzter Zeit wurde viel negativ über den FC Freiburg berichtet. Es ist höchste Zeit, dass wieder einmal Positives erwähnt wird», sagte Is­maël Djelid im Vorfeld der gestrigen Pressekonferenz, an der er sein Team für die 1.-Liga-Rückrunde vorstellte. Tatsächlich hatte vor zwei Wochen der Rücktritt von FCF-Präsident Daniel Neuhaus für einige Aufregung gesorgt. Weil der Sensler den Verein nach einem knappen halben Jahr bereits wieder verliess, stehen die Pinguine nun ohne Präsidenten da, und ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Zudem hat Neuhaus bei der Überprüfung der Clubfinanzen und der Spielerverträge einige Leichen im Keller der FC Freiburg entdeckt. Konkret klafft in der Kasse ein Loch von 30 000 Franken, dem Verein fehlt es an Liquidität, was Neuhaus zu seinem Rücktritt veranlasst hat.

Angesichts dieser Ereignisse ist es Trainer Djelid durchaus genehm, dass am nächsten Wochenende die Meisterschaft ihren Betrieb aufs Neue aufnimmt und der Fokus wieder auf die sportlichen Aspekte gelegt wird. Denn auf dem Platz hat der FC Freiburg in dieser Saison wesentlich erfolgreicher gearbeitet als daneben. Mit Kampf, Leidenschaft und viel Selbstvertrauen hat er spielerisch überzeugt und einige spektakuläre Auftritte abgeliefert. Als Viertplatzierte fehlen den Pinguinen nur zwei Punkte auf einen Aufstiegsplatz.

Philosophie der Nachwuchsförderung

Und es soll noch besser werden, das zumindest verspricht Djelid. «Entsprechend unserer Clubphilosophie haben wir wieder einige junge, sehr talentierte Spieler geholt. Sie waren bei grossen Vereinen, haben dort den Durchbruch aber nicht ganz geschafft und wollen ihre Karriere bei uns neu lancieren.» Zu ihnen gehören Spieler wie der erst 17-jährige Steve Schmidhäusler, der kosovarische U19-Nationalspieler Fitim Rugovaj oder Arthur Napo Ozouf, der zu Togos Nationalmannschaft gehört und beste Chancen hat, nächstes Jahr am Afrika Cup dabei zu sein.

Viel erhofft sich Djelid auch von dem griechischen Stürmer Alexandros Tsoutsis. «Er hat in Griechenland in der zweithöchsten Liga gespielt. Weil er den Lohn nicht erhalten hat, hat er sich umorientiert. Bei uns will er sich für eine höhere Aufgabe empfehlen. Er hat definitiv das Potenzial dazu, er ist einer jener Knipser, die jeder Verein sucht.» Der Trainer ist überzeugt, dass man in der Rückrunde weiterhin für positive Schlagzeilen auf dem Platz sorgen werde. Dafür arbeite man sehr hart. «Alle Spieler tragen das Trikot des FC Freiburg mit Stolz und geben vollen Einsatz für das Team.»

Mit Vereinsberater zum Aufstieg

Den sieben Neuzugängen stehen beim Stadtclub elf Abgänge gegenüber. «Von einigen haben wir uns getrennt, weil sie in der Kabine für Unruhe gesorgt haben. Andere haben ein Angebot aus einer höheren Liga erhalten. Und einige haben uns verlassen, weil sie bei einem anderen Club ein paar Franken mehr verdienen. Das ist sehr enttäuschend, aber wer nur für Geld spielt, ist bei uns eh an der falschen Adresse», sagte Djelid.

Detaillierter mochte der Trainer nicht über die Abgänge sprechen, er hob lieber die positiven Punkte hervor, die sich in der Winterpause verändert haben. So wie das Engagement des ehemaligen NLA-Spielers Walter Palombo, einem professionellen Vereinsberater. «Von ihm erhoffen wir uns einiges. Er wird für uns den Austausch mit den Vereinen der oberen Ligen sicherstellen, er hilft uns, die Kommunikation im Verein zu verbessern, und nicht zuletzt berät er uns bei der Verpflichtung von neuen Spielern.» Djelid machte keinen Hehl daraus, dass er mit seiner Mannschaft Grosses vorhat. «Unser Ziel ist es, wieder die klare Nummer eins des Kantons zu sein. Wir wollen ambitioniert sein und streben über kurz oder lang den Aufstieg an.»

Gesucht: Ein Präsident mit Geld

Wie schwierig und komplex ein Aufstieg ist, hat der FC Freiburg in der Vergangenheit schon oft erfahren müssen. Ohne die entsprechenden finanziellen Mittel ist eine Promotion quasi unmöglich. Woher soll also das Geld für den x-ten Aufstiegsversuch der letzten Jahre kommen? «Wir suchen einen Präsidenten mit den entsprechenden Möglichkeiten. Einer, der selber etwas mitbringt und die entsprechenden Kontakte zur Wirtschaft hat, um die finanziellen Mittel zu beschaffen», sagt Bernard Joye, TK-Chef des FCF. «Zurzeit sind wir mit verschiedenen Personen im Gespräch.»

Kader

FC Freiburg, Rückrunde 2017/18

Torhüter: Marc Ummel (Alter 25), Sleo Freiburghaus (21).

Verteidiger: Timothée Ndarugendamwo (24), Julien Bise (27), Durim Ademi (21), Steve Schmidhäusler (17/neu, YB U18), Loic Ombala (21/neu, Azzurri Lausanne), Clirim Ademi (18).

Mittelfeld: Bryan Marques (21), Arthur Napo Ozouf (22/neu, Servette U21), Mehdi Benhaddouche (27), Nabil Souni (25/neu, Vevey), Mohamed M’sabeg (26), Isaac Bambele (23), Ylber Mejdi (20/neu, Bavois), Phy Nguven (21).

Stürmer: Vedad Efendic (21), Fitim Rugovaj (21/neu, Versoix), Santiago Cerezo Rendon (22), Alexandros Tsoutsis (26/neu, Doxa Dramas (GRE)), Simao Machado (23), Christopher N’singa (31).

Trainer: Ismaël Djelid (49).

Abgänge: Diego Mutombo, Gianluca Nucera, Yannick Moussa, Robyn Chirita, Nader Bouzenna, Dadem Vicky, Gregory Dimbi, Adan Rebronja, Luis Fernando Rodrigues, Jonathan Quintero, Jonatan Quintero Olsson.