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Fussnotizen einer starken Kämpferin

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«Es war immer ein grosser Traum von mir, ein Buch zu schreiben», erzählt Simea Schwab. Sie habe sich aber lange dagegen gesträubt, über ihr eigenes Leben zu schreiben. «Es war nie mein Ziel, die Neugier von Aussenstehenden zu befriedigen», sagt die Theologin. Deshalb hätte sie lieber ein Buch über ihr Fachgebiet verfasst, was aber aufgrund des übersättigten Marktes schwierig war. Nach einem langen Gespräch mit einer befreundeten Person entschied sie trotz anfänglicher Unsicherheit, ihre Lebensgeschichte niederzuschreiben. «Mit dem Buch möchte ich Menschen berühren und sie ermutigen, die schönen Seiten des Lebens zu sehen», sagt sie. Wenn sie spricht, unterstreicht sie ihre Worte mit Fussgesten. Sie ist eine temperamentvolle Frau. Zwischendurch kratzt sie sich mit dem Zeh im Gesicht oder spielt mit ihrem Zehenring. Ihre Füsse sind für sie wie Hände. Für den Zuhörer werden die zu Anfang irritierenden Fussbewegungen rasch normal.

Idyllische Kindheit

Eine Biografie im herkömmlichen Sinn ist «Fussnotizen» aber nicht. «Ich wollte ganz bewusst nicht mein ganzes Leben erzählen, nicht alles muss gesagt sein», erklärt sie. Stattdessen hat sie kurze Texte über prägende Erlebnisse und Begegnungen geschrieben. Sie bieten tiefe Einblicke in ein Leben mit Höhen und Tiefen, ohne voyeuristische Details preiszugeben.

Das Buch beginnt in der Kindheit. «Mir ist das Laufen zuwider», lautet der erste Satz. Ohne Hände, die helfen, das Gleichgewicht zu halten, stürzt sie als Kind immer wieder. Trotzdem weigert sie sich, einen Kopfschutz zu tragen. Schon in jungen Jahren hat sie einen starken Willen.

Als Kind gibt ihr die Familie Halt, gemeinsam mit ihren vier Schwestern ist sie trotz Behinderung bei allen familiären Aktivitäten mit dabei. «Angenommensein und Dazugehören–Schlüsselwörter meiner Kindheit», schreibt die Autorin. Sie lernt früh, ihre Behinderung nicht für ihre Zwecke auszunutzen; ihre Mutter trieb ihr dies rasch aus. Zur idyllischen Kindheit gehört auch das Abendritual mit Gebet und Gesang, der von den Eltern vermittelte Glaube begleitet sie bis heute.

Böses Erwachen

Mit dem Ende der Schulzeit ist für Simea Schwab auch die wohlbehütete Kindheit vorbei. Die Berufswahl führt zur ers-ten grossen Krise: Sie muss eine kaufmännische Büroausbildung in einem Grossheim in Bern in Angriff nehmen, obwohl das nicht ihrem Wunsch entspricht. Die ungeliebte Berufslehre und das Leben im Internat machen ihr schwer zu schaffen. «Am liebsten wäre ich Lehrerin geworden», erzählt sie. Dies wurde aufgrund ihrer Schwäche in Mathematik aber als unmöglich erachtet. Auch Bibliothekarin, ihr zweiter Berufswunsch, ist ausser Reichweite: Ihre Behinderung verunmöglicht das notwendige Hantieren mit Büchern. «Ich war damals zu jung und zu unsicher, um mich zu wehren», sagt sie heute. Und so begann eine grosse Leidenszeit, in der ihr Selbstbewusstsein auf einen Tiefstand sank.

In dieser Zeit findet sie Trost im Glauben an Gott. Sie kommt zur Überzeugung, dass Gott für alle einen Plan hat, auch für sie. «Da die Arbeit als Kauffrau nicht meinen Fähigkeiten entsprach, war ich sicher, dass er für mich einen anderen Weg vorgesehen hat.» Daraus schöpft sie Kraft und Hoffnung, um einen Traum zu verwirklichen: Sie geht nach England und studiert dort Theologie. So hat sie ihre Berufung gefunden: Mittlerweile ist sie seit vielen Jahren als freischaffende Theologin tätig.

Obwohl es ihr heute gut geht, hat sie immer wieder Phasen, in denen sie mit ihrem Schicksal oder dem von anderen hadert. In solchen Zeiten hadert sie auch mit Gott und lässt ihren Frust ab. «Wir führen keine harmonische Beziehung», sagt sie und lacht. Dies sei wohl die Kehrseite ihrer Kämpfernatur. «Sie wird mich wohl ein Leben lang begleiten.»

Buchvernissage:Kulturzentrum Beaulieu (KiB), Prehlstrasse 13, Murten. Fr., 5. Oktober, 19.30 Uhr.Lesung:Thalia Bücher im Loeb, Bern. Di., 16. Oktober, 19.30 Uhr.

Schwab, Simea (2012): Fussnotizen–aus meinem Leben, Blaukreuz-Verlag Bern.

Zur Person

Freischaffende Theologin

Simea Schwab aus Kerzers kam ohne Arme und mit verkürzten Beinen zur Welt. Die Behinderung geht möglicherweise auf ein Schädlingsbekämpfungsmittel zurück, mit dem ihre Mutter während der Schwangerschaft in Kontakt kam. Schwab wuchs gemeinsam mit ihren vier Schwestern auf dem elterlichen Bauernhof in Kerzers auf, wo sie auch die Schule besucht hat. Im Wohnheim Rossfeld in Bern absolvierte sie die kaufmännische Bürolehre. Später studierte sie Theologie und machte die Ausbildung zur Erwachsenenbildnerin. Seit 1996 ist sie an ihrem Wohnort in Kerzers als freischaffende Theologin tätig. Mit «Fussnotizen» erscheint nun ihr erstes Buch.luk

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