Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Garten Eden oder Aussteigerfantasie?

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Bereits von weitem ist das Zirpen der Grillen im kniehohen Gras zu hören. Schmetterlinge schwirren im Schutz der Blumenblüten umher. Ende Juli ist dies ein seltener Anblick auf Bauernhöfen. Nicht so bei Jann Krättli und seiner Partnerin Nadia Ruchti – sie führen in Recht­halten einen Biohof der etwas anderen Art.

Wie Lebensmittel hergestellt werden, interessierte Jann Krättli bereits als jungen Erwachsenen. Als er im Jahr 2011 einen Hof übernahm, war auch klar: Biologische Landwirtschaft sollte es sein. «Mein Ziel war eine ökologische Produktion ohne Monokulturen. Das hilft gegen Schädlinge und sieht auch schön aus.» Denn: Vielfältige Lebensräume fördern auch eine Vielfalt an Tieren. So können sich einzelne Schädlinge weniger stark ausbreiten.

Nach seiner Ausbildung als Gemüsegärtner suchte Jann Krättli nach Möglichkeiten, Landwirtschaft ökologisch zu gestalten. Dabei stiess er auch auf das Konzept der Permakultur. «Permakultur ist das bewusste Design von landwirtschaftlich produktiven Ökosystemen», erklärt Hans Ramseier, Dozent für Pflanzenschutz und Ökoausgleich an der Hochschule für Agrarwissenschaften in Zollikofen (HAFL). Die Philosophie dahinter: mit der Natur arbeiten anstatt gegen sie. «Wenn die Kreisläufe von Ökosystemen geschlossen sind, werden Ressourcen optimal genutzt, und externe Ressourcen wie Dünger sind kaum mehr nötig», erklärt Ramseier. Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft habe der geografische Standort so einen stärkeren Einfluss auf die Anbaumethoden und die Auswahl der Pflanzen, sagt Krättli.

Ein laufendes Experiment

Wie viele Bauernbetriebe setzt auch der Biohof Tannacker in Rechthalten nicht ausschliesslich auf Permakultur, denn der Anbau auf kleinen Flächen erfordert viel Handarbeit. «Wir experimentieren laufend, welche Elemente zu uns passen», so Krättli. Dabei versuche er, den Gegensatz zwischen Effizienz und Ökologie aufzulösen. Aus Hecken, traditionellen Ökoflächen, erntet er Wildpflanzen. Gleichzeitig übernehmen produktive Flächen wie Salatbeete ökologische Funktionen.

«Eine gewisse Effizienz muss aber sein», sagt Jann Krättli. Aus der Permakultur habe er daher einige Ideen übernommen, andere nicht. So pflanzt er Mischkulturen, also verschiedene Nutzpflanzen auf engem Raum, an. Auch mehrjährige Pflanzen wie Beeren sind Teil des Betriebs. Im Gegensatz zu anderen Biobetrieben verzichtet Krättli zu 100 Prozent auf externen Dünger oder Pflanzenschutzmittel. Die in Permakultur-Lehrbüchern angepriesenen Hügelbeete hingegen gibt es auf Krättlis Hof nicht. «Sie sind aufwendig und bei der Ernte schwer zugänglich.»

Lohnhochburg Schweiz

«Im Bereich der Permakultur ist die Schweiz ein Entwicklungsland», sagt Ramseier. Seit zehn Jahren erst sei das Konzept in der Landwirtschaft sichtbar, obwohl es vor fast fünfzig Jahren erfunden worden sei. Das liege möglicherweise daran, dass die Schweizer Landwirtschaft im Vergleich zu Ländern wie den USA oder Australien nachhaltiger sei, so dass keine Gegenbewegung nötig war.

Eine weitere Hürde seien die hohen Löhne in der Schweiz, sagt Ramseier. Die Flächenproduktivität dieser Höfe sei zwar hoch, doch sei dies mit einem hohen Anteil an Handarbeit verbunden. Das zeigt sich auch auf dem Hof von Jan Krättli. Im Sommer benötigt er mit seinen Helfern um die 180 Arbeitsstunden pro Woche – für drei Hektaren Land.

Nischenmarkt

Damit sich die Handarbeit finanziell lohnt, hat sich Krättli auf Nischenprodukte spezialisiert, zum Beispiel arbeitsintensive Pflanzen wie Schnittsalate oder Kräuter. Ausserdem verarbeitet Nadia Ruchti Produkte zu Sirup und Konfitüre und vermarktet sie direkt an Kunden. «Momentan ist es aber schwer vorstellbar, mit Erträgen der Permakultur die konventionelle Landwirtschaft zu ersetzen», sagt Hans Ramseier. Für ihn ist klar: «Die Nahrungsmittelproduktion der Schweiz ist zwar effizient, aber nicht nachhaltig, denn wir benötigen viele externe Ressourcen wie Dünger.» Damit sich die Schweiz in Richtung Permakultur entwickle, müssten Konsumentinnen und Konsumenten bereit sein, mehr für ihr Essen auszugeben. Bis dahin würden Bauern Kompromisse eingehen. Ramseier ist aber überzeugt: «Punktuelle Massnahmen wie Baumreihen könnten, sofern die Agrarpolitik ihren Beitrag dazu leistet, die Schweizer Landwirtschaft nachhaltiger machen.»

Definition

Stabilität, Diversität und Widerstandsfähigkeit

Permakultur ist zusammengesetzt aus den beiden Begriffen permanent und agriculture, also Landwirtschaft. Das Konzept entstand in den 1970er-Jahren in Australien als Reaktion auf die Entwicklungen in der Landwirtschaft. Die Erfinder Bill Mollison und David Holmgren orientierten sich dabei an einem funktionierenden Ökosystem aus der Natur: dem Wald.

Heute steht der Begriff für Stabilität, Diversität und Widerstandsfähigkeit. Konkret richtet sich das Konzept gegen Monokulturen und den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, die durch eine Vielfalt von Anbaupflanzen überflüssig werden sollen. Bis vor wenigen Jahren fand Permakultur in der Schweiz hauptsächlich in privaten Gärten Anwendung.

sg

Klimawandel

Verursacher und Betroffene zugleich

Bäuerinnen und Bauern befinden sie sich in einer widersprüchlichen Lage. Einerseits sind sie direkt von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen: Wetterextreme wie Dürren gefährden Ernte und Viehbestand. Andrerseits tragen sie zum Klimawandel bei. Laut dem Bundesamt für Umwelt gehen rund 13 Prozent der Treibhausgasemissionen in der Schweiz auf die Rechnung der Landwirtschaft. Den Hauptteil verursachen die Nutztiere, in kleinerem Ausmass tragen die Düngemittel dazu bei. Von 1990 bis 2015 haben die Emissionen aus der Landwirtschaft um rund elf Prozent abgenommen. Grund dafür waren weniger Nutztiere und weniger Kunstdünger. Trotzdem werden die Ziele, die das Bundesamt für Landwirtschaft 2011 in einem Strategiepapier festgelegt hat, nicht erfüllt. Es sah von 1990 bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgase aus der Landwirtschaft um mindestens ein Drittel vor. Dieses Ziel liegt zudem unter dem «netto null» aus dem Pariser Abkommen.

sg

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema