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Gastbloggerin Karin Ledermann fragt sich: Wie will ich sein mit 90?

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Karin Ledermann

Kürzlich feierte eine Arbeitskollegin ihren 28. Geburtstag. Wir standen zu fünft draussen und prosteten uns mit Kaffee zu. Die eine Kollegin erzählte, sie werde demnächst 49, bei einer weiteren stand der 51. Geburtstag kurz bevor. Nun wurde eifrig über das Alter und das Älterwerden diskutiert. 

Das Geburtstagskind mochte sich nicht vorstellen, 30 zu werden – man stelle sich vor: mit 30 sei man ‚halt schon recht alt‘. Die bald 51-jährige berichtete von den Tränen, die sie am Fünfzigsten vergossen hatte, und die demnächst 49-jährige erklärte resolut, sie werde die nächsten fünfzehn Jahre 49 bleiben.

Was ist schlimm am Älterwerden, fragte ich mich.
Älterwerden, so viel ist sicher, steht nicht hoch im Kurs, es wird gleichgesetzt mit keinen Spass und schon gar keinen Sex mehr zu haben. Nicht mehr gebraucht zu werden, nutzlos, einsam, verbittert, krank, arm zu sein, körperliche und geistige Beeinträchtigungen zu haben und irgendwann tot zu sein.

Der letzte Punkt ist zweifelsfrei eine Tatsache. Aber ebenso ist es eine Tatsache, dass nicht alt werden nur möglich ist, wenn man jung stirbt – und das ich auch keine sehr begehrte Option.

Solange die Gesellschaft die Jugend und das Jungsein auf ein Podest erhebt – als sei Jungsein ein persönlicher Verdienst – wird die Angst vor dem Alter wohl zunehmen. Momentan steigert sich diese Angst noch, da die ‚Alten‘ für die eingeschränkte Freiheit der jungen Menschen mitverantwortlich gemacht werden. Aber wenn ich den Faden weiterspinne, komme ich nicht umhin festzustellen, dass die Jugendhuldigung halt von einigen ‚Alten‘ mit unterstützt wird. Da wird Fett abgesaugt oder umgespritzt, geliftet, man will bis ins hohe Alter sportlich, modisch und kulturell mit den Jungen mithalten.

Ich finde es in Ordnung, wenn mein Musik- und Filmgeschmack nicht mit demjenigen meiner Kinder übereinstimmt, wenn ich andere Literatur bevorzuge, mein Dekolleté gemässigter und meine Röcke länger sind als die meiner Tochter und meine Söhne doppelt so schnell wie ich den Berg hinaufradeln. Wenn mein Haar nicht mehr so voll ist und grau wird, meine Haut Falten bekommt und ich aus Bequemlichkeit von Zehn-Zentimeter-Absätzen auf sechs Zentimeter umgestiegen bin.

Wenn wir mit der Jugend in Konkurrenz treten, rennen wir einem Ideal hinterher, das wir nie erreichen und verschwenden lediglich die Zeit, die uns bleibt. Zudem machen wir uns je länger je lächerlicher.

Es ist eine Herausforderung, in Würde zu altern und die Überlegung, wie man als alter Mensch sein möchte, lohnt sich. Es ist, befürchte ich, unwahrscheinlich, dass man im Alter ‘einfach so’ weiser, sanftmütiger, humorvoller, grossherziger, toleranter wird. Im Gegenteil, ich gehe davon aus, dass weniger positive Eigenschaften zunehmend stärker zutage treten.

Ich weiss um eine nicht besonders positiv behaftete Eigenschaft, die in der Linie meiner Familie leider von Generation zu Generation weitergegeben wird. Meine Mutter bat uns Kinder, sie darauf hinzuweisen, sollte sich dieser Charakterzug auch bei ihr bemerkbar machen. Als wir es schliesslich taten, wies sie die ‘Anschuldigungen’ vehement von sich. Und nun merke ich zu meinem Entsetzen, dass auch ich von dieser speziellen Untugend nicht verschont geblieben bin.

So war die Aufgabe, die ich mit meiner ersten Glasmurmel verband, mir auszumalen, wie ich als alte Frau sein will. Wie sollen mich Enkel, Nachbaren, meine Schwiegertochter, der Strassenwischer und der Chiropraktiker wahrnehmen?

Ich entwarf das Bild einer neunzigjährigen Karin Ledermann – und jetzt bleibt nichts weiter zu tun, als jeden Tag darauf hinzuarbeiten.

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