Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Gedanken zum Jenseits- und Gottesglauben

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

In dem am Vortag von Allerheiligen publizierten Interview erklärt Professor Othmar Keel, dass er weder an Gott noch an ein Jenseits im biblischen Sinn glaube. Mit dieser messerscharfen Aussage, die ich zwar nicht teile, aber sehr wohl respektiere, hat der katholische Theologe die religiösen Gefühle von vielen gläubigen Christen verletzt. All das, was während Jahrhunderten nach christlicher Weltanschauung als Wahrheit angesehen wurde, wird damit infrage gestellt. Viele Gläubige trifft so etwas wie ein Blitzschlag. Andere sagen wohl, sie hätten das schon immer gedacht, aber nicht auszusprechen gewagt… Was soll nun wahr sein? Die Theologen sind sich bei der Beantwortung dieser Frage offensichtlich nicht einig.

Auch die Naturwissenschaft vermag keine unwiderlegbaren Gründe für die Existenz eines göttlichen Jenseits vorzulegen. Und trotzdem: Forscher stossen immer wieder auf die Grenzen von physikalischer Erklärbarkeit. Viele gehen davon aus, dass es ausserhalb der Materie noch ein immaterielles Universum gibt. In Oxford und Cambridge diskutieren Biochemiker, Molekularbiologen und Teilchenphysiker über Glaube und Evolution, Gott und die Quantenphysik. Auch der Theologe und Teilchenphysiker John Polkinghorne hält die Idee eines Schöpfers für vielversprechender als die bloss materielle Sichtweise.

Die bekannte Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross ist aufgrund unzähliger Zeugnisse von Personen mit Nahtoderfahrungen überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Im Augenblick, in dem die Seele aus dem Körper tritt, kommt es zu einer Lebensbewertung und einer intensiven Begegnung mit dem Licht, das auch als Gottesnähe verspürt wird. Es werden dabei auch Geistwesen (Schutzengel) und Verstorbene wahrgenommen.

Der Top-Wissenschaftler und Genom-Forscher Francis Collins vertritt in seinem Buch «Die Sprache Gottes» die Auffassung, dass es jenseits von Zeit und Raum Wesenheiten gebe. Mit der Entschlüsselung des Genoms habe die Menschheit einen Blick in das Instruktionsbuch erhascht, das bisher nur Gott gekannt habe.

Zahlreiche Mystiker, unter ihnen auch der französische Jesuit Teilhard de Chardin, haben durch spirituelle Versenkung «Gottesnähe» verspürt. In seinen Veröffentlichungen suchte Teilhard nach einer Synthese von naturwissenschaftlicher Evolutionstheorie und christlicher Heilsgeschichte. Er sah die göttliche Schöpfung, den Kosmos, als evolutionären Prozess an, in dessen Verlauf Materie und Geist schliesslich den «Omegapunkt» erreichen. Für ihn ist die Liebe eine kosmische Energie, die Antriebskraft für das gesamte kosmologische Streben. Diese Liebe sieht er in Jesus Christus bereits vollkommen verwirklicht.

Zwar gibt es laut Richard David Precht, einem kritischen Intellektuellen, keine historisch gesicherten Quellen über Jesus. Die Evangelien seien keine historischen Berichte. Trotzdem zweifle er nicht daran, dass um das Jahr 30 der Prediger Jesus von Galiläa gelebt habe und von seinen Anhängern als Messias angesehen worden sei. Aus der Sicht eines nicht gläubigen Menschen sei nach dem Tod von Jesus das grösste Wunder in der Geschichte des Abendlandes passiert. Auf unerklärliche Weise habe sich aus dem Glauben der Jesusschar die gewaltigste religiöse Bewegung des Abendlandes entwickelt.

All diese Erwägungen sind keine zwingenden Beweise für die Existenz einer von Gott beseelten Jenseitswelt. Der Ablauf der über 2000-jährigen Geschichte des Christentums ist uns bekannt. Neben hervorragenden geistigen und kulturellen Leistungen hinterlässt die Institution Kirche eine von Blutspuren, Machtkämpfen und Intrigen durchzogene Bilanz. Zeitweise hat sie die Kernbotschaft ihres Begründers aus den Augen verloren. Dessen ungeachtet glaube ich aus den angeführten Gründen an eine göttliche Schöpferkraft, an das Jenseits und an die zentrale Botschaft der Selbst- und Nächstenliebe. Deshalb werde ich – auch aus Respekt vor dem vielen Guten, das im Namen Christi bewirkt wurde – weiterhin an kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen und freudig in das Lob Gottes einstimmen. Auch die Atheisten können keine Beweise für die Nichtexistenz Gottes vorlegen. Ich bin aber dem Auslöser dieser Gottesdebatte dankbar für das von ihm gesetzte Fragezeichen, würde ihm jedoch nahelegen, diese Frage nicht kategorisch zu verneinen, sondern in aller Bescheidenheit zuzugeben, dass wir Menschen die letztendliche Wahrheit über unser Sein nicht zu beantworten vermögen.

Karl Buchs (Jg. 1945) wirkte während 25 Jahren in St. Antoni als Primarlehrer und arbeitete von 1990 bis 2008 im Bundesamt für Migration in der Abteilung Asylverfahren.

Gastbeitrag

Mehr zum Thema