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Geduld… wahre Geduld!

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Letztes Jahr durfte ich an gleicher Stelle über Geduld schreiben, ein wahrhaft selten gewordenes Gut in unserer Gesellschaft. Ein arabisches Sprichwort sagt: «Geduld ist der Schlüssel zur Freude.» Ich wünsche uns, dass das Sprichwort stimmt, doch momentan sehe ich die Dinge etwas differenzierter.

Von mir dachte ich immer, dass ich ein ruhiger und geduldiger Mensch sei … von wegen! Vielleicht ruhig ja, aber geduldig … ohje, ohje! Ich habe ein optimales Experimentierfeld gefunden, Geduld zu erfahren und zu lernen!

 

 Es ist eine kleine Geschichte aus dem Alltag von meiner Tochter Flavia. Ich habe mit ihr gesprochen, sie hat meine Gastkolumne gelesen und ist einverstanden, dass wir darüber sprechen, da wir wohl nicht die Einzigen sind, welche diese Geschichte teilen.

Flavia macht uns sehr viel Freude bei allem, was sie tut – fast überall … wenn da nur die verschiedenen Fahrzeuge nicht wären. So hatte sie bei der Mopedprüfung geglänzt, genial, null Fehler in der Theorieprüfung. Beim Versuch, das Moped zu starten, mussten ihr der ältere oder jüngere Bruder jeweils helfen, denn bei Flavia sprang das Moped nur ganz selten an.

 

 Nun der nächste Schritt, die Autofahrprüfung. Nach bestandener Theorieprüfung holte ich die jubelnde Tochter im Strassenverkehrsamt ab. Die leuchtenden Augen, und dann die Frage, ob sie gleich üben gehen dürfe. Ich konnte es nicht ausschlagen. Den Lehrfahrausweis im Sack, den «L» auf dem Auto fixiert, ein riesiger Kiesparkplatz, mit nur einer Person, welche mit einem ferngesteuerten Auto am Spielen war – noch …

Wir wechseln die Sitze, ich erkläre Flavia das Prozedere von Bremse, Kupplung, Gas und Zündschlüssel … ein erster Ruck, ein erster Schock … uff! Nochmals von vorne. Was macht die Hand? Was machen die Beine? Ein zweiter Ruck, ein dritter und ein vierter, und dann fahren wir langsam im Schritttempo. Ich spüre meine eigene Verkrampfung, nehme peripher wahr, wie die Person, die mit dem ferngesteuerten Auto am Spielen ist, die Kreise des ferngesteuerten Autos kleiner und kleiner werden lässt.

 

 Nächster Schritt bei Flavias erster Fahrstunde, vorwärtsfahren, stoppen, rückwärtsfahren. Bei der ersten Bremsung, als ich fast in der Windschutzscheibe landete, wurde meine Verkrampfung gleich noch etwas grösser. Doch von Mal zu Mal geht es etwas besser – wir holpern etwas unkontrolliert im Schritttempo auf dem Kiesparkplatz herum, mal vorwärts, mal rückwärts.

 

 Es wird langsam besser, also der nächste Schritt. Anfahren an der kleinen Steigung. O la la, da muss die Feinkoordination noch etwas gefestigt werden. In meinem Augenwinkel registriere ich, wie der Junge mit dem ferngesteuerten Auto am Zusammenpacken ist. Ich muss etwas schmunzeln und habe volles Verständnis … Doch was ist da? Wir rollen rückwärts die Rampe hinunter, Flavia steht noch auf der Kupplung – da hilft nur noch die Handbremse! Uff!

Nun sind wir alleine, der Junge mit dem ferngesteuerten Auto hat die Flucht ergriffen, endlich haben wir Platz, um noch eine weitere Viertelstunde erste Fahrversuche zu machen. Danach sind wir beide etwas platt, unsere Geduld für heute am Ende.

 

 Zwei Tage später fahre ich hinter einem Auto mit einem aufgeklebten «L» her. Ich bin eigentlich noch gut in der Zeit, noch–ich bin bemüht, stets pünktlich zu sein. Überholen geht auf dieser Strecke nicht, zu unübersichtlich, zu kurvenreich. «Jetzt fahr doch mal», denke ich und nehme wahr, wie die Zeit langsam aber sicher voranschreitet. Ich ertappe mich selber – Geduld, ruhig Knuts, ruhig – schön geduldig bleiben! Das hast Du ja letztes Jahr in deiner Kolumne beschrieben und nun, wie steht es um deine eigene Geduld?

An dieser Stelle ein grosses Kompliment an alle Fahrschullehrer. Sie sind wohl die Experten im Geduldigsein. Täglich wird ihre Geduld auf die Probe gestellt. Falls Sie das nächste Mal hinter einem «L» nachfahren, dann können auch Sie eine erste Geduldsübung machen: Zuerst 3-mal tief ein- und ausatmen, grösserer Abstand halten als üblich, das schöne Wetter geniessen und die Gedanken auf angenehme Sachen lenken. Vielleicht sind es ja gerade wir, die mit Flavia unterwegs sind, etwas langsamer, Ihnen den Weg versperrend. Danke für Ihre Geduld.

 Bruno Knutti ist eidg. dipl. Sportlehrer und Trainer Swiss Olympic I. Seit unzähligen Jahren ist der Freiburger Konditionstrainer bei Freiburg-Gottéron und er betreute Athleten wie David Aebischer, Martin Gerber, Urs Kolly sowie Schweizer Beachvolleyballer.

«Da hilft nur noch die Handbremse! Uff!»

 

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