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Gegen den Strom schwimmen

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Aldo Fasel

Zu Beginn eine Anmerkung zum doch etwas sonderbar anmutenden Titel: Vladimir Nabokov war ein russischer Schriftsteller und Schmetterlingsforscher. Nach der russischen Oktoberrevolution 1917 musste seine Familie ins Exil in den Westen. Dort veröffentlichte er neben zahlreichen literaturwissenschaftlichen Schriften den ersten Artikel über Schmetterlinge. Welche Bewandtnis hat dies nun mit dem Inhalt des vorliegenden Büchleins? «Die Zeit beginnt sich nämlich für Christian Haller zu dehnen, sie erlaubt ihm, sich umzusehen und sich wie der grosse Vladimir Nabokov, der, mit einem Netz ausgerüstet, auf die Jagd nach Schmetterlingen ging, mit dem vermeintlich Nutzlosen zu beschäftigen», erklärt dazu der Verlag.

Geschichten lassen aufhorchen

In 27 kurzen Geschichten ist der Autor der Zeit, die uns vielfach zu entschwinden droht, auf der Spur. Stecknadeln können uns mitunter bekanntlich ganz schön treffen und kurzen Schmerz beifügen. Nadelstichen gleich können uns auch diese 27 Beiträge irritieren, leicht verunsichern oder gar aufhorchen lassen. Wer sich jedoch von den Stecknadeln des Christian Haller stechen lässt, wird ein neues Gespür und ein besseres Verständnis für die ZEIT entwickeln können. Zögern Sie nicht länger, liebe Leser, dieses kleine, feine, auch sprachlich überzeugende Kunstwerk zu entdecken! Sie werden garantiert sehr viel Freude daran haben, werden sensibilisiert für die Schönheit des Normalen, des Einfachen und Unspektakulären.

Mit Haller zusammen machen Sie sich auf den Weg, das Leben zu entdecken, «das unter der täglichen Unrast begraben liegt». Hektik und Geschwindigkeit, Utensilien auf dem heutigen Götzenaltar, treten in den Hintergrund, das Langsame, das scheinbar Unscheinbare feiert Auferstehung. Die Geschichten nehmen uns mit auf eine «Reise in die Zwischenräume», in unverplante Zeit, in unverhofft wiederkehrende Erinnerungen.

Den Augenblick beachten

Das Leben sei der Narr der Zeit, und Zeit müsse enden, heisst es bei Shakespeare. «Doch bis es so weit ist, dass sie endet und mit ihr unser Leben, haben wir keine Zeit – und danach gibt es sie eh nicht mehr», schreibt Haller. Statt ungeduldig, ruhe- und rastlos durchs Leben zu rasen, tun wir gut daran, dem Augenblick, der oft Grosses bewirken kann, wieder vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken.

Einige Beispiele aus Hallers Sammlung gefällig? Die morgendliche Zeitungslektüre, vielleicht sogar begleitet von einem Espresso und «Gipfeli», ein Spaziergang bei prächtigem Frühlingswetter in einer ihre ganze Schönheit entfaltenden Landschaft, eine gute, vielleicht auch geistreiche Unterhaltung mit der Partnerin oder Freunden, eine gemütliche Radfahrt im Park oder auf der Landstrasse…

Die Normalität schätzen

An uns selber ist es nun, die «kleinen Dinge» in unserem eigenen Alltag zu suchen, zu finden und wertzuschätzen. Dadurch bekommt unser Leben auch die ihm zustehende Bedeutung. Der Ausspruch «Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah» beschränkt sich nicht nur aufs Reisen, sondern erinnert uns auch daran, das Naheliegende, den Moment, die Normalität, die Natur, den tiefen Gedanken zu schätzen. Die Hatz und die Jagd nach Reichtum und dem vermeintlichen Glück können wir uns ersparen, das wahre Glück und der wahre Sinn unseres Lebens liegen buchstäblich auf der Strasse.

Der Autor hat in dieser hübschen Sammlung viele gescheite und interessante Gedanken in ebenso schöne poetische Sätze gefasst. Man liest diese kurzweiligen Geschichten mit viel Vergnügen, mit einem Augenzwinkern und Schmunzeln obendrein.

Christian Haller:«Die Stecknadeln des Herrn Nabokov»; München: Luchterhand, 2010.

Aldo Faselist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Zur Person

Mehrfacher Preisträger

Haller, Christian, geboren 1943 in Brugg, studierte Biologie und gehörte der Leitung des Gottlieb-Dutt- weiler-Instituts bei Zürich an. Er wurde mit dem «Aargauer Literaturpreis» und mit dem «Schillerpreis» ausgezeichnet. Er lebt als Schriftsteller in Laufenburg und Zürich. af

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