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Gegen heuchlerische Kritik am Klimastreik der Schülerinnen und Schüler

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Als ich gestern auf dem Weg zur Arbeit war, bin ich in den falschen Bus gestiegen und musste ein ganzes Stück zu Fuss zurückgehen – an einer Autoschlange vorbei, die ihre Abgase in die kalte Winterluft entweichen liess. Dieser Umweg war zwar ärgerlich, aber nichts gegen die Wut, die ich in der letzten Zeit empfinde. Ja, langsam aber sicher entwickle ich mich zum «Wutbürger». Geht es ums Klima, müssen sich meine Redaktionskolleginnen und -kollegen warm anziehen. Wer es wagt, nur im Ansatz etwas Kritisches zum Klimastreik sagen zu wollen, kommt übers Luftholen nicht hinaus. Am liebsten würde ich in die Welt hinausschreien: «Macht doch endlich etwas gegen den Klimawandel!» Wenn draussen auf dem Meer jemand um Hilfe ruft, denkt doch auch keiner, ach, es lohnt sich nicht hinzuschwimmen, bis ich da bin, ist er eh ertrunken.

Nun gibt es ja das Sprichwort: «Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.» Natürlich habe ich einen ökologischen Fussabdruck wie ein Dinosaurier. Ich esse immer noch Fleisch und werfe nahezu täglich Essen fort. Ja, ich habe einen Wäschetrockner, weil es so praktisch ist, und kaufe unnötige Klamotten fürs Glücksgefühl. Einen Smiley-Kleber bekäme ich dagegen für mein vorbildliches Verhalten in Sachen Mobilität, wie ich finde. Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit, nur selten Auto und bin seit fünf Jahren nicht mehr geflogen – Letzteres ist allerdings keine besondere Leistung: Ich leide unter Flugangst.

Und genauso kann man argumentieren bei den Schülerinnen und Schülern, die auf die Strasse gehen, um gegen die Klimaerwärmung zu demonstrieren und für ihre Zukunft: Kein Wunder, nutzen sie die öffentlichen Verkehrsmittel, haben doch die wenigsten von ihnen das Autopermis. Das mit den Secondhandklamotten ist möglicherweise auch nur so eine Phase. Und dann nehmen sie für einen Wochenendtrip nach Barcelona auch noch den Flieger. Okay, sie trinken nicht so häufig aus PET-Flaschen wie ihre Eltern, und einige ernähren sich vegan. Diese Kritik an den jungen Menschen geht mir auf die Nerven. Letztens war in einem Online-Kommentar zur Klimademonstration vom Samstag zu lesen: «Können die Schüler nicht in ihrer Freizeit auf die Strasse gehen?» Habe ich etwas verpasst? Gibt es Regionen in der Schweiz, wo die Kinder auch am Samstagnachmittag in die Schule gehen müssen?

Mein bester Freund sagt immer, nimms nicht persönlich, die Menschen denken immer zuerst an sich. Wenn dem so wäre, müssten die Kritiker der Klimastreiks aber schnell schweigen. Denn es geht ja auch um ihre Zukunft. Oder meldet sich nur ihr schlechtes Gewissen, weil sie schon seit Jahrzehnten um die verheerenden Folgen der Treibhausgase wissen und nichts tun? Die Klimakonvention von Rio de Janeiro datiert von 1992. Das Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen, das erstmals völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoss von Treibhausgasen in den Industrieländern festlegte, wurde 1997, also vor über 20 Jahren unterschrieben. Die einen sagen, die Schweiz habe die damals festgelegten Ziele erreicht, die anderen kritisieren, dass der Schweiz die CO2-Reduktion rein rechnerisch nur gelungen sei dank einer modernen Form des Ablasshandels, dem Erwerb von CO2-Zertifikaten im Ausland, sowie dank der CO2-Senkenwirkung der Schweizer Wälder von 4,1 Millionen Tonnen. Wie auch immer, denkt man an die jüngsten Wetterextreme zurück, ist offensichtlich nicht genug passiert. Das Pariser Übereinkommen von 2015 verlangt, dass die weltweiten Treibhausgasemissionen auf netto null sinken. Da die Schweiz ihre Emissionen aber bis 2020 nur um 20 Prozent senken will, müsste sie, um ihren fairen Beitrag an diese Ziele zu leisten, bis 2030 eine 60-Prozent-Reduktion der Inland-Emissionen festschreiben. Stattdessen verwässerte der Nationalrat im vergangenen Dezember das CO2-Gesetz, indem er unter anderem den Inlandsanteil strich. In der Folge schickten die SVP und die linken Parteien die Vorlage in die Wüste: die SVP, weil sie gar keinen Klimaschutz will, und die Linken, weil sie von vorne anfangen wollen.

Und warum wirft man den Schülerinnen und Schülern nun vor, dass sie Politik und Wirtschaft auffordern, endlich zu handeln? Sie erheben ja nicht den Anspruch, besser zu sein. Von Kindsbeinen an wird ihnen eingeimpft, Sorge zur Umwelt zu tragen. Und man müsste ja auch auf den Kopf gefallen sein, wenn man nicht merken würde, dass mit dieser Umwelt etwas nicht stimmt. Wenn in Australien wegen der brütendenden Hitze schon die Koalas von den Bäumen fallen. Die jungen Menschen wissen und spüren, dass ihre Zukunft in Gefahr ist, das heisst nicht zwingend, dass sie sich besser verhalten als die vorhergehenden Generationen, die ihnen diese Welt eingebrockt haben. Die Demos sind ein einziger Hilfeschrei: Tut endlich was.

Störend ist auch die Diskussion darüber, ob die jungen Menschen von Umweltorganisationen im Hintergrund gelenkt werden. Als ob junge Menschen nicht selber denken könnten. Der deutsche Schriftsteller, Mediziner, Naturwissenschaftler und Revolutionär Karl Georg Büchner starb mit nur 23  Jahren und gilt als einer der bedeutendsten Literaten seiner Epoche. Jung sein heisst nicht dumm sein. Das findet nur, wer die Kinder am liebsten wie zu Gotthelfs Zeiten an einem separaten Tisch in der Küche essen lassen möchte.

Analyse/Leitartikel

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