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Geheimverwaltungen

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Gastkolumne

Autor: Martin Schick

Geheimverwaltungen

Beim Schreiben dieser Kolumne tut sich ein abgrundtiefes, dunkles Loch vor mir auf, und meine Gedanken stürzen sich händchenhaltend hinein. Kein Schreibstau, sondern ein Rätsel, das mich tatsächlich seit Jahren beschäftigt, nämlich: Wo kommen all die tollen Schreibstifte eigentlich hin? Wo sie doch nie da sind, wenn man sie braucht! Ich rede nicht von diesen form- und farbenfrohen Werbekugelschreibern (die liegen ja überall herum, als wären sie eine sich unaufhaltsam fortpflanzende Spezies), ich meine diese schönen schwarzen mit der tintigen Spitze, wo seitlich in Gold draufgeschrieben steht «Pilot Fineliner», nicht teuer, aber auf eine besondere Art wertvoll.

 

Ich kaufe bestimmt einmal pro Woche so ein Ding und lasse ehrlich gesagt auch mal einen, der unmotiviert herumliegt, mitgehen, und doch hab ich nie einen zur Hand, noch in der Tasche, Schublade, hinterm Sofa, nirgends. Es muss also Leute geben, die Hunderte davon zuhause haben und doch den einen an der Front verteidigen. Sonst würde es sich ja ausgleichen …

 

Nein, dies wird keine Abhandlung über den Kapitalismus. Könnte es sein, dass diese Kugelschreiberfirma extra Leute anstellt, um (als Verkaufsprinzip, versteht sich) verkaufte Stifte wieder einzusammeln, in Kaffees, auf der Strasse, zuhause und so weiter? Oder gibts irgendwo unterirdisch eine Art Magnet, der alle Stifte ansaugt? Oder es ist ein ganz persönliches Problem und diese Dinger wollen einfach nicht bei mir bleiben, laufen eigenmächtig davon, treffen sich dann in einer Selbsthilfegruppe mit andern missbrauchten Stiften und jammern über den ganzen Kack, den sie zu Papier bringen mussten!? Kann ich verstehen. Aber werde mir trotzdem wieder einen kaufen.

 

Ich schwörs, der Zufall will es, während ich hier schreibe in Berlin, mir denke, der Stift in der Hand sei eigentlich auch nicht schlecht, beinah ein «Fineliner», schön tintig und gut in der Hand … schau ihn an, und darauf steht in Goldbuchstaben: «Gemeindeverwaltung Plaffeien». Wie lange der mir wohl erhalten bleibt? Schreibstifteintreibende Geheimagenten der Gemeindeverwaltung gibts (zumindest in Berlin) wohl kaum, … aber die von Fineliner jagen bestimmt auch die Konkurrenz, … aufgepasst.

 

Und was wollte ich eigentlich kolumnieren? Ach ja: einen Berlinale-Bericht. Was solls, sie ist vorbei und ebenso ist mein Buchstabenkontingent am End. Nur eine Berlinale-Erkenntnis am unteren Rande: Schaupieler ist ein harter Beruf: viel trinken, rauchen, immer spät ins Bett und trotzdem immer toll aussehen sollen …

Martin Schick ist Theater- und Filmschauspieler. Er wuchs in Tafers auf und lebt derzeit hauptsächlich in Berlin. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet. Der Inhalt braucht sich nicht zwingend mit der Meinung der Redaktion zu decken.

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