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UPDATE: Gerhard Andrey will erster grüner Bundesrat werden

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Der Freiburger Nationalrat Gerhard Andrey (Grüne) will zur Bundesratswahl antreten. Die Bundeshausfraktion hat entschieden, am 13. Dezember einen der beiden Bundesratssitze der FDP anzugreifen.

Der 47-jährige Gerhard Andrey ist seit 2019 Nationalrat und der erste Freiburger Grüne in der grossen Kammer. Er ist nach einer Reihe von Absagen nun auch der erste Grüne, der seinen Hut in den Ring für die Gesamterneuerungswahl des Bundesrats vom 13. Dezember wirft. Bei einer Wahl wäre er schliesslich auch der erste grüne Bundesrat. Die FN haben mit ihm über seine Motivation gesprochen sowie über die Chancen und Risiken einer Wahl.

Gerhard Andrey: Was hat Sie persönlich zu diesem Schritt bewogen?

Ich möchte mich in der Regierung für eine intakte Natur und für eine solidarische Gesellschaft einsetzen, die fähig ist, die schwierigen Herausforderungen, die vor uns liegen, zu bewältigen. Und ich möchte zum Umbau unserer Wegwerfwirtschaft hin zu und einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft beitragen. Das ist die notwendige Grundlage für ein gutes Leben der jetzigen und zukünftigen Generationen.

Was qualifiziert Sie für das Amt des Bundesrats? Sie haben ja erst eine Legislatur im Nationalrat hinter sich und hatten noch nie ein Exekutivmandat inne.

Ich habe einen atypischen Werdegang. Der Aufbau eines Unternehmens mit heute 200 Mitarbeitenden in der ganzen Schweiz hat mich viel gelehrt. Ich habe in den zwanzig Jahren als Unternehmer viel Führungserfahrung gesammelt und gelernt, mit komplexen Situationen umzugehen. In meiner ersten Legislatur als Nationalrat konnte ich mich zudem bereits gut einbringen, obwohl es unter anderem wegen der Corona-Pandemie eine schwierige Legislatur war. Ich habe es sogar geschafft, in schwierigen Dossiers Mehrheiten zu schaffen. So konnte ich beispielsweise bei der E-ID, die nach der Volksabstimmung einen Totalschaden erlitten hat, ein neues Projekt aufgleisen, das von allen Mitgliedern aller Fraktionen unterstützt worden ist. Bereits ein Jahr vor der Credit-Suisse-Krise konnte ich das Parlament und den Bundesrat davon überzeugen, den Finma-Werkzeugkasten zu überprüfen, weil wir offensichtlich ein Verantwortlichkeitsproblem im Bankensektor haben. Auch im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg konnte ich bewirken, dass sich der Bundesrat dafür einsetzt, dass die im Westen blockierten russischen Staatsgelder von über 300 Milliarden Franken für den Aufbau der Ukraine eingesetzt werden. Dies aus einer Minderheitsposition heraus. Ich habe also in relativ kurzer Zeit doch gewichtige Dossiers voranbringen können. Dass mir dies gelungen ist, ist sicher auch meiner unternehmerischen Vergangenheit geschuldet, die immer lösungs- und resultatorientiert war. Das kommt mir auch im Umgang mit meinen bürgerlichen Ratskolleginnen und -kollegen zugute. 

Sie sprechen die Bürgerlichen an. Mit Ihrer Kandidatur wollen Sie einen der FDP-Bundesratssitze attackieren. Ein chancenloses Unterfangen?

Man könnte sogar behaupten, es sei unmöglich. Aber das könnte man auch sagen in Bezug auf die aktuellen Krisen. Ihre Bewältigung scheint schier unmöglich. Unsere Vorfahren haben uns jedoch gezeigt, dass Dinge, die unmöglich erschienen, wie der Bau des längsten Tunnels durch die Alpen, von riesigen Staudämmen oder eines Eisenbahnnetzes, von dem wir seit Generationen profitieren, machbar sind. Es ist eine Frage des Willens. Unsere Vorfahren haben gezeigt, wie das geht, daran müssen wir anknüpfen.

Die potenziellen Stolpersteine sind aber viel konkreter: Es ist verpönt, einen gewählten Bundesrat abzuwählen, der Kanton Freiburg hat eben gerade einen Bundesrat gestellt, und die Machtverhältnisse im Parlament sprechen auch nicht gerade für Ihre Wahl. 

Die Grünen haben bei den jüngsten Parlamentswahlen das zweitbeste Resultat ihrer Geschichte eingefahren. Gleichzeitig machte die FDP das historisch schlechteste Resultat ihrer 175-jährigen Existenz. Dennoch stellt sie heute zwei Bundesratsmitglieder. Die FDP hat einen Wähleranteil von 14 Prozent, was exakt einem Bundesratssitz entspricht. Das heisst, ein zweiter Bundesratssitz ist noch weniger gerechtfertigt als in der letzten Legislatur. Darum ist der erste grüne Sitz mit knapp zehn Prozent viel stärker legitimiert.

Es geht darum, die Demokratie und die Konkordanzkultur der Schweiz auch tatsächlich zu leben, indem man die wichtigsten Kräfte einbindet.

Daneben sind andere Themen im aktuellen Bundesrat nicht vertreten, etwa die Digitalisierung, progressives Unternehmertum und die Klimafrage, und auch jüngere Generationen sind nicht vertreten. Bezüglich der kantonalen Herkunft gilt es zu sagen, dass wir ja nicht zwei Freiburger in der Regierung wären, sondern dass es sich um eine Stabübergabe handeln würde. Im Übrigen hat der Kanton Neuenburg, der halb so gross ist wie der Kanton Freiburg, mehr als doppelt so viele Bundesräte gehabt. 

Von welcher Seite rechnen Sie mit Stimmen?

Für mich steht die inhaltliche Kandidatur im Zentrum. Ich möchte das, was ich anzubieten habe, in den Vordergrund stellen. Die Parlamentsdynamik, die mit meiner Kandidatur losgetreten wird, ist zweitrangig. Ich bin auch nicht in den Gremien, die die strategischen Diskussionen führen. Aber es ist auch klar, dass es die Unterstützung der Mitte brauchen wird. Bauernpräsident und Mitte-Nationalrat Markus Ritter hat zum Beispiel in Aussicht gestellt, die Lage je nach Kandidatur neu zu beurteilen. Alles ist im Fluss, es kann noch vieles passieren. Man muss auch betonen, dass es sich um eine Gesamterneuerungswahl handelt. Es geht darum, dass man nach den eidgenössischen Wahlen eine Wahl hat und dass die Regierung «erneuert» wird entlang der neuen politischen Kräfte. 

Haben Sie nicht Angst sich zu verheizen, sodass Sie im Hinblick auf einen späteren Rücktritt eines FDP-Bundesrats keine Chance mehr haben?

Man stellt sich zur Wahl zur Verfügung. Das ist ein demokratischer Prozess. Ich kann mit dem Begriff «verheizen» nichts anfangen. Entweder man wird gewählt oder nicht. Was danach daraus abgeleitet wird, überlasse ich den anderen. Tatsächlich geht es aber nicht nur um meine Person, sondern um den Willen der Regierungsparteien, die anderen wichtigen Kräfte einzubeziehen. 

Zur Person

Gerhard Andrey ist 47-jährig, wuchs in Heitenried auf und wohnt heute in Granges-PaccotDer gelernte Schreiner, Holzbetriebsingenieur und studierte Informatiker ist Mitbegründer der Webagentur Liip in Freiburg. Andrey war von 2010 bis 2016 Vorstandsmitglied und ab 2014 Vizepräsident der Grünen Freiburg und von 2012 bis 2020 Vorstandsmitglied der Grünen Schweiz, von 2016 bis 2020 als Vizepräsident. Bei den Parlamentswahlen 2019 eroberte er den ersten Sitz der Grünen im Nationalrat für den Kanton Freiburg auf Kosten von Jean-François Rime (SVP). Er ist Mitglied der Finanzkommission (FK) sowie der Sicherheitspolitischen Kommission und ist erster Stellvertreter in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben. Seit 2022 ist er als Stimmenzähler Mitglied des Nationalratsbüros. Weiter ist Andrey unter anderem Verwaltungsrat der Alternativen Bank Schweiz. rsa

Zahlen und Fakten

Die Gesamterneuerungswahl des Bundesrats findet am 13. Dezember statt. Die Sitze werden einzeln und nacheinander nach Anciennität besetzt. Guy Parmelin (SVP) amtiert seit 2016, Ignazio Cassis (FDP) seit 2017, Viola Amherd (Mitte) und Karin Keller-Sutter (FDP) seit 2019, Albert Rösti (SVP) und Elisabeth Baume-Schneider (SP) seit 2022. Am Schluss folgt die Ersatzwahl für den zurücktretenden Freiburger SP-Bundesrat Alain Berset. rsa

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