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Gerichtsfall in Tafers: Tochter missbraucht Namen ihrer Mutter

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Am Dienstag sollte sich eine Frau wegen Betrugs und Urkundenfälschung vor dem Bezirksgericht Sense verantworten. Weil sie sich weigerte, zu erscheinen, wurde sie von der Polizei vorgeführt. Sie hat das Gericht mit schweren Vorwürfen konfrontiert.

Fast alle waren da, als die Gerichtspräsidentin des Bezirksgerichts Sense, Debora Friedli, am Dienstagmorgen die Gerichtsverhandlung am Strafgericht eröffnete. Nur von der Angeklagten fehlte jede Spur. Wirklich überrascht schien darüber niemand: Die Frau war schon früheren Gerichtsterminen stets ferngeblieben.

Käufe im Namen der Mutter

Der 52-Jährigen, die in Tafers mit Abwesenheit glänzte, wird Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen. Sie hat gemäss Anklageschrift der Freiburger Staatsanwaltschaft in den letzten Jahren im Namen ihrer verstorbenen Mutter Verträge abgeschlossen und im Internet Dinge bestellt. Die im Sensebezirk wohnhafte Mutter wusste davon nichts und gab auch ihr Einverständnis zu diesen Geschäften nicht. Bei den Bestellungen im Internet handelte es sich in erster Linie um Kleidung. Aber auch die Rechnung für die Kremation ihres Katers liess die Beschuldigte auf den Namen der Mutter ausstellen. Diese hat deshalb immer wieder Betreibungsandrohungen erhalten.

2017 habe die Beschuldigte auf den Namen der Mutter sogar einen Mietvertrag für ein Doppeleinfamilienhaus im Kanton Luzern abgeschlossen. Sie habe dabei ihre Mutter als Hauptmieterin angegeben und deren Unterschrift gefälscht. Um ihre Tochter finanziell zu unterstützen, hat die Mutter die Mieten für die ersten zwei Monate bezahlt. Für die kommenden Monate seien jedoch keine weiteren Zahlungen mehr eingegangen.

2018 dann ein ähnlicher Fall: Der Frau wird vorgeworfen, dass sie im Namen ihrer Mutter einen Mietvertrag für ein Reiheneinfamilienhaus im Kanton Solothurn abgeschlossen habe. Auch dieses Mal habe die Mutter nichts davon gewusst, und die Tochter habe wieder die Unterschrift gefälscht. Wieder wurden die Mieten bald nicht mehr bezahlt. Die Immobilienfirma, mit der die Beschuldigte den Mietvertrag abschloss, hat gegen die Frau Strafanzeige wegen Betrugs und Urkundenfälschung eingereicht und tritt an der Verhandlung als Privatklägerin auf. 

Die Mutter der Angeklagten hatte 2018 wegen Betrug, Urkundenfälschung sowie wegen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage Strafanzeige gegen ihre Tochter eingereicht. Sie verstarb jedoch 2019.

Mit dem Polizeiauto ans Gericht

Zurück nach Tafers: Der Verteidiger der 52-jährigen Beschuldigten, Rechtsanwalt Lukas Bürge, stellte nach der Eröffnung der Verhandlungen einen Dispensationsantrag. Seine Mandantin sei wenige Tage zuvor in einen Autounfall verwickelt gewesen und habe nun gesundheitliche Beschwerden. Richterin Friedli forderte daraufhin den anwesenden Psychiater, der der Verhandlung als Sachverständiger beiwohnte, dazu auf, die Verhandlungsfähigkeit der Beschuldigten zu beurteilen. Als dieser aufgrund des vorliegenden Spitalberichts zum Schluss kam, dass sich die geschilderten Symptome nicht zwingend auf die Verhandlungsfähigkeit der Frau auswirken würden, ordnete das Gericht die polizeiliche Vorführung der Frau an. Für die Beteiligten hiess das: warten, bis die Angeklagte, die sich zu diesem Zeitpunkt im Kanton Bern befand, mit der Polizei in Tafers eintreffen würde. Ein guter Zeitpunkt für die Mittagspause, die die Gerichtspräsidentin an dieser Stelle gewährte. 

Schwere Vorwürfe an das Gericht

Bei der brütenden Mittagshitze, die in den Gerichtssaal drückte, wurde die Verhandlung nachmittags wieder aufgenommen. Mittlerweile war die Frau in Begleitung zweier Polizisten eingetroffen. Während sie sich einem Gespräch mit dem Psychiater unterzog, konfrontierte ihr Verteidiger das Gericht mit schweren Vorwürfen: Die Voraussetzungen für eine polizeiliche Vorladung seien nicht erfüllt gewesen, und das Bezirksgericht habe sich des Amtsmissbrauchs und des Freiheitsentzugs schuldig gemacht. Er erwäge sogar eine Anzeige gegen das Gericht. Die anwesende Staatsanwältin Liliane Hauser wies die Vorwürfe des Verteidigers kurz und bündig zurück: Da die Frau offensichtlich nicht gewillt sei, an einem Gerichtsverfahren teilzunehmen, sei die Massnahme gerechtfertigt. Deutlich emotionaler äusserte sich Rechtsanwalt Patrik Gruber. «Ich bin entsetzt!», rief Gruber, der die drei Schwestern der Angeklagten, die als Privatklägerinnen auftraten, vertritt. Dem fügte er mit eindringlicher Stimme hinzu: 

Dem Gericht ein Strafverfahren anzudrohen, das geht gar nicht!

Patrik Gruber
Rechtsanwalt

Beschuldigte äussert sich nicht

Dem Schlagabtausch folgte wieder eine Unterbrechung der Verhandlung, damit sich das Gericht über das Ausstandsbegehren der Verteidigung beraten konnte. Als die Verhandlungen wieder aufgenommen wurden, verkündete Friedli die Ablehnung des Antrags.

Nun wurde endlich auch die Angeklagte in den Saal gerufen: Die Frau mittleren Alters wirkte ruhig und ihr Blick ausdruckslos, als sie den Platz vor ihrem Verteidiger einnahm. Die Richterin forderte den Psychiater nun auf, sein Gutachten abzugeben. «Sie ist meiner Meinung nach verhandlungsfähig», sagte dieser mit leiser Stimme. Damit richteten sich nun alle Blicke gespannt auf die Angeklagte, die für ihre Befragung vor der Gerichtspräsidentin Platz nahm. «Nein, ich mache keine Aussage», antwortete die Frau auf eine Frage der Richterin. 

«Meiner Mutter ging es sehr schlecht»

Die drei Schwestern der Angeklagten, die im Prozess als Privatklägerinnen auftreten, schilderten hingegen ihre Sicht auf die Geschehnisse. Eine der Schwestern erinnert sich:

Es ging sehr lange, bis unsere Mutter sich traute, uns von den Vorfällen zu erzählen.

Schwester
Privatklägerin

Als sich die Mutter dieser Tochter schliesslich anvertraute, habe sie erzählt, dass sie Rechnungen erhalten habe für Dinge, die sie nie bestellt habe. Irgendwann sei die Polizei vor der Haustür aufgetaucht. «Sie hat der Polizei die Tür nicht geöffnet, weil sie so Panik hatte», schilderte die Frau dem Gericht. Die Vorfälle hätten ihre Mutter stark belastet, erzählte sie weiter:

Es ging ihr wegen dieser Belastung psychisch nicht gut.

Schwester
Privatklägerin

«So etwas habe ich noch nie erlebt»

Die Schwestern fordern von der Beschuldigten einen Betrag von etwas mehr als 57’000 Schweizer Franken. Rechtsanwalt Fabrizio Andrea Liechti, der die Immobilienfirma vertritt, fordert einen Betrag von aufgerundet 17’000 Franken.

Mehr als neun Stunden, nachdem der Fall angesetzt war, verkündete Debora Friedli, dass die Verhandlung an dieser Stelle abgebrochen und am Freitag fortgesetzt werde. Den von Hitze und Erschöpfung gezeichneten Beteiligten stand die Erleichterung aufs Gesicht geschrieben. Auch Debora Friedli, die das Sensler Bezirksgericht seit 2021 präsidiert. Dass die beschuldigte Person polizeilich vorgeführt werden müsse, sei in ihrer Amtszeit noch nie vorgekommen. «Ich habe so etwas noch nie erlebt», sagte sie den FN. 

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