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«Geringelte» Bäume schützen Moosflora

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Ein FN-Leser hat bei einem Spaziergang in der Nähe des Rotmooses in Rechthalten mehrere Bäume entdeckt, deren Rinde beschädigt ist. «Ich habe diese zum Tode verurteilten Bäume gefunden», schreibt er in seinem Mail an die Redaktion. Was steckt dahinter? «Kein Baumfrevel», sagt Roger Raemy, Förster beim Amt für Wald, Wild und Fischerei, auf Anfrage der FN. Er ist Mitglied der interkommunalen Möserkommission, welche die Möser Rotmoos, Entemoos und Schwandholz auf dem Gebiet der Gemeinden St. Ursen und Rechthalten betreut (siehe Kasten).

Vor Jahrzehnten eingeführt

«Es geht um die Weymouthföhre», erklärt er. Diese Baumart ist vor Jahrzehnten aufgrund ihrer Schnellwüchsigkeit aus dem Osten Nordamerikas in die Schweiz eingeführt worden. «Sie ist also eine gebietsfremde Pflanze, ein Neophyt, der die heimischen Pflanzen bedroht.» In den letzten Jahren hätten Fachleute beobachtet, dass sich die Weymouthföhre in der Freifläche des Rotmooses sehr stark natürlich verjüngt und somit heimische Pflanzen, Moorpflanzen wie zum Beispiel den seltenen fleischfressenden Sonnentau verdrängt.

Sensibles Terrain

Um die weitere Ausbreitung der Weymouthföhre einzudämmen, habe die Kommission entschieden, einige samentragende Bäume zu entfernen, führt Roger Raemy aus. Nun sei dies in einem Moor mit erheblichen Problemen verbunden, da der Torfboden nicht befahrbar ist, ohne beim Abtransport der dicken Baumstämme riesige Schäden zu hinterlassen. «Also haben wir eine möglichst umweltverträgliche Lösung gesucht, welche die natürliche Vermehrung effizient unterbindet.»

Zudem bestehe für das Holz der Weymouthföhre keine wirtschaftlich interessante Nachfrage. Da der Energiewert vergleichsweise gering sei, komme eine Verwertung als Brennholz aus finanzieller Sicht ebenfalls nicht infrage. «Wir haben uns deshalb in der Kommission dafür entschieden, die Rinde der Bäume einzukerben, die Samen tragen, sie also zu ‹ringeln›. Das hat zur Folge, dass die Bäume langsam absterben», führt er aus.

Saftfluss unterbrechen

Bei dieser Technik werden die Rinde und die äusseren, nährstoffführenden Holzschichten auf einer Länge von etwa 30 und 50 Zentimetern eingesägt – das sieht aus wie ein Ring – und somit der Saftfluss unterbrochen. In der Folge stirbt der Baum langsam ab, bleibt aber stehen. Der grosse Vorteil dieser Methode ist, dass der Lichteinfall auf den Waldboden nicht schlagartig, sondern über mehrere Jahre leicht zunimmt und sich die Bodenpflanzen anpassen können. Das Ringeln leitet einen mehrjährigen Zerfallsprozess ein, der mit dem stehenden Totholz neuen Lebensraum schafft. «Sehr viele Pilz-, Pflanzen-, und Tierarten sind auf Totholz in verschiedenen Zersetzungsstadien angewiesen», erklärt Roger Raemy.

Die jungen Weymouthföhren in der Freifläche des Rotmooses werden gänzlich entfernt. Wie effizient die gewählte Methode ist, wird sich jedoch erst in einigen Jahren zeigen. Wie der Förster ausführt, werden die Arbeiten durch die Universität Bern wissenschaftlich begleitet.

Ökologisch am sinnvollsten

Roger Raemy hat Verständnis, dass das Bild von geringelten Baumstämmen auf den ersten Blick für Unmut sorgen kann. Er betont aber, dass das gewählte Verfahren für das Rotmoos das ökologisch sinnvollste ist. «Zudem gibt es im Rotmoos keine Wanderwege und daher quasi keine Erholungssuchenden, denn in der unmittelbaren Nähe von Erholungseinrichtungen dürfte das Verfahren aus Sicherheitsgründen nicht angewandt werden.»

Hintergrund

Früher Torfabbau, heute unter Schutz

1918 hat der Staat Freiburg das Rot- und das Entemoos gekauft. Im Rotmoos wurde im letzten Jahrhundert zur Brennstoffgewinnung und für den Gartenbau Torf gestochen. 1971 wurde der Abbau eingestellt und die Fläche konnte sich mittlerweile recht gut regenerieren.

2016 hat die Möserkommission Rechthalten-St. Ursen das 25-jährige Bestehen gefeiert. Die Hauptaufgabe dieses Gremiums, das sich aus Gemeindevertretern sowie Vertretern diverser Amtsstellen zusammensetzt, ist der Erhalt und Schutz der drei Möser von nationaler Bedeutung. Sie koordiniert die verschiedenen Unterhaltsarbeiten, wie zum Beispiel den Naturlehrpfad im Entemoos. Gegründet wurde die Möserkommission im Nachgang der Rothenthurm-Initiative von 1987, mit der das Schweizer Volk die Moorlandschaften unter Schutz stellte. Im Rahmen der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft wurde 1991 im Entenmoos bei Rechthalten ein Moorlehrpfad eingeweiht.

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