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Geschichte einer verlorenen Kindheit

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

In der März-Ausgabe berichtet der Beobachter von einem Fall eines ehemaligen Leiters eines Waisenhauses, in dem es 50 Jahre zuvor zu psychischen und physischen Misshandlungen und sexuellen Übergriffen gekommen ist.

Von diesem düsteren Kapitel – nicht in der Schweiz, sondern im Nachkriegsdeutschland – handelt der neueste Roman von Mechtild Borrmann. Der Roman erzählt, welche Ungerechtigkeiten den Kindern widerfahren sind, wie die Wahrheit manipuliert wurde, wie ohnmächtig und chancenlos die sogenannten Schutzbefohlenen der geballten Macht von Heimleitung, Kirche und Staat waren.

Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf an der deutsch-belgischen Grenze. Der Zweite Weltkrieg ist zwar zu Ende, doch die Nachkriegszeit hält für die Menschen vorderhand auch nicht viel Gutes bereit. Armut, Hunger und Elend grassieren im Grenzgebiet. Auch für die Schönings geht es ums schlichte Überleben. Das Reich ist am Boden zerstört, Arbeit gibt es kaum. Die einzige Möglichkeit, etwas dazuzuverdienen und sich so mehr schlecht als recht über Wasser zu halten, bietet der Kaffeeschmuggel. Die ­meisten Familien beteiligen sich an diesem streng verbotenen und hart geahndeten Geschäft. Was ist schon illegal, wenn es ums nackte Überleben geht?

Erzählt wird die Geschichte der siebzehnjährigen Henriette Schöning, genannt Henni. Sie und ihre Geschwister sind auf sich allein gestellt.

Die Mutter hat sich für ihre Familie zu Tode gearbeitet, der Vater wird, obwohl er schon etwas älter ist, in den letzten Kriegsjahren zu einem Bombenentschärfungskommando eingezogen. Als er aus dem Krieg zurückkehrt, ist er komplett verändert, ist fremd und unnahbar geworden. Er verliert seine Stelle als Uhrmacher, stürzt sich krampfhaft in den Glauben und seine Familie ins Unglück. Die Kinder kämpfen um den Zusammenhalt. Die ganze Verantwortung hängt nun an Henni. Die Siebzehnjährige entwickelt eine ungeheure Energie und Willenskraft, um zu verhindern, dass die Kinder auseinandergerissen werden und in ein Heim gesteckt werden.

Sie sieht keinen anderen Ausweg, als beim Kaffeeschmuggel mitzumachen. Vorerst scheint dies recht gut zu klappen – bis zur schrecklichen Tragödie.

Nun schlägt die Stunde der Behörden. Ein grausames Schicksal nimmt seinen Lauf. Henni wird in eine Besserungsanstalt eingewiesen. Die Knaben werden in ein kirchliches Heim gesteckt, wo sie unter furchtbaren Bedingungen aufwachsen.

Teils spielt die Handlung 1970, wo Elsa, eine frühere Freundin, den Prozess gegen Henni verfolgt, teils – in Rückblenden – in den Nachkriegsjahren. Geschickt wechselt die Autorin zwischen verschiedenen Zeitebenen, Orten und Personen und entwickelt so auf subtile Art die Spannung dieser aussergewöhnlichen Erzählung.

Mechtild Borrmann: «Grenzgänger», Roman. Droemer, München 2018. 285 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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