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Gewalt

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wort zum sonntag

Gewalt

Autor: Hans Ulrich Steymans

Der Gott der Bibel ist gewalttätig. Das gefällt nicht. Man möchte lieber Frieden und Harmonie. Doch unsere Welt ist gewalttätig. Wer das leugnet, schaut weg von Verbrechen und Folter, wendet den Blick ab von Diktatoren und Drogenbaronen.

Die Bibel schaut nicht weg, sie deckt auf. Zugleich gibt sie Hoffnung. Selbst wenn die Öffentlichkeit wegblickt, ist da einer, der sieht: Gott sieht. Gottes Gewaltausübung ist ausgleichende Gerechtigkeit. Sie stellt zerstörte Ordnung wieder her. Sie ist eine Form der regierenden Gewalt, die vor Verbrechern schützt, indem sie diese abschreckt oder bestraft. Sie ist ordnende Gewalt im Sinne des englischen Wortes «power» oder des lateinischen Wortes «potestas».

Es gibt noch eine andere Form von Gewalt: die skrupellose, zerstörerische, verachtende. Das ist die Gewalt von Schlägern und Vergewaltigern, von Mördern und Waffenlieferanten. Der Engländer sagt dazu «violence», der Römer «violentia».

Der biblische Gott übt «power» aus, um «violence» zu unterbinden. Gewalt so auszuüben, war im Altertum die Aufgabe der Könige. Das gewalttätige Gottesbild im Judentum und im Christentum ist verbunden mit der Vorstellung von Gott als König.

Die Lesung aus dem Prophetenbuch Ezechiel (17,22–24) und die Gleichnisse Jesu im Evangelium (Mk 4,26–34) sprechen von der königlichen «power» Gottes zum Trost für diejenigen, die ohnmächtige Opfer von «violence» sind. Sie verstecken das hinter Erzählungen von Pflanzen. In manchen Epochen seiner Geschichte erlitt das Volk Israel «violence», weil es selbst «violence» ausübte.

Das auserwählte Volk bekam die «power» des göttlichen Königs zu spüren. Ganz im Stil altorientalischer Könige verlangt Gott für sich: «Ich mache den hohen Baum niedrig, den niedrigen mache ich hoch. Ich lasse den grünenden Baum verdorren, den verdorrten erblühen.» Ehren und Ehrenrechte entziehen, zum Tod verurteilen und begnadigen, sind bis heute Vorrechte der Staatsgewalt.

Im Ezechielbuch pflanzt Gott den Zweig eines Zedernbaumes – ein Bild für die Überlebenden Israels – auf dem Bergland Israels ein: Neuanfang ist möglich, aber kleiner und gewaltloser als zuvor.

Jesu Gleichnisse verwenden Pflanzen – das Senfkorn – als Bilder für das Wachsen des Reiches Gottes. Eigentlich heisst es «Königreich» Gottes. In Jesu Verkündigung erscheint Gott als König, dessen Herrschaft sich wie eine unaufhaltsam wachsende Pflanze dort ausbreitet, wo Menschen auf Gegengewalt verzichten und auf Gottes «power» vertrauen.

Der DominikanerHans Ulrich Steymans ist Professor für Altes Testament und Biblische Umwelt an der Universität Freiburg (Schweiz) und lebt im Kloster St. Hyazinth in Freiburg.

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