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Gewerkschaften sind gefordert

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Welche Kraft haben Gewerkschaften heute noch?

Thierry Jaquier (Syna): Die Gewerkschaften sind da. Um aber Einfluss zu haben, muss sich das Personal, das auf Gesamtarbeitsverträge angewiesen ist, mobilisieren. Es muss zeigen, dass es mit dem Abbau seiner Rechte nicht einverstanden ist.

Lassen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer denn mobilisieren?

Jaquier: Die Arbeitnehmenden stehen unter Druck. Sie riskieren ihren Job, wenn ihre Vorgesetzten mitbekommen, dass sie für ihre Rechte demonstrieren. Aber unsere Vorfahren, die die heutigen sozialen Errungenschaften erkämpft haben, standen auch unter Druck. Heute kommt allerdings das Phänomen der Entsolidarisierung dazu. Jeder glaubt, dass er bessere Resultate erzielt, wenn er selber mit seinem Chef verhandelt.

Und das ist nicht so?

François Ducrest (Syndicom): Das ist total falsch. Vielleicht erzielt ein Einzelner ein besseres Ergebnis, aber das wird immer zulasten eines anderen sein. Und das nächste Mal ist er der Verlierer.

Christian Fankhauser (SEV): Die Macht der Gewerkschaften hängt von der Anzahl ihrer Mitglieder ab. Bei den TPF beispielsweise sind 90 Prozent der Arbeitnehmenden in der Gewerkschaft. Eine Gewerkschaft wird von der Geschäftsleitung eines Unternehmens nur ernst genommen, wenn sie viele Leute im Rücken hat. Darum sind zum Beispiel die Arbeitsbedingungen im Verkehrssektor im Vergleich zum Verkauf geradezu exzellent.

Wie hoch ist der Organisa­tionsgrad im Verkauf?

Jaquier: Er liegt bei 10 bis 15 Prozent.

Warum ist er so tief?

Christophe Gremaud (Unia): Das ist sehr einfach. Im Verkehr müssen Sie zum Beispiel nur mit den TPF verhandeln. Der Detailhandel dagegen besteht aus vielen kleinen Geschäften und den grossen Ketten, wo die Arbeitnehmenden auf Hunderte von Filialen in der ganzen Schweiz verteilt sind. Es ist schwierig, das Verkaufspersonal zusammenzubringen.

Wenn Sie von der Notwenigkeit sprechen, die Leute zu mobilisieren, dann denken Sie an die Personen, die nicht in einer Gewerkschaft sind?

Gremaud: Ja, aber das ist schwierig. Denn sie haben wenig Lohn, oft sind es alleinerziehende Mütter, und ihre Arbeitszeit ist über den ganzen Tag zerstückelt.

Wo im Verkauf sind denn die Probleme am grössten?

Gremaud: Am schlimmsten sind die Bedingungen für die Angestellten von Kleider- und Schuhgeschäften. Aber auch in anderen Detailhandelsgeschäften ist die Situation nicht rosig. Nehmen wir das Beispiel der Kleiderfirma «Yendi», die Konkurs ging: Da hat eine Filialleiterin mit acht bis neun Untergebenen 3400 Franken verdient.

 

In der Baubranche liegt der Organisationsgrad bei 80  Prozent, bei der Gewerkschaft Medien und Kommunikation variiert er – bei der Post etwa sind es rund 40  Prozent. Wie steht es mit dem Personal öffentlicher Dienste?

Virginie Burri (VPOD): Da die Leute in verschiedenen Gewerkschaften organisiert sind, kann ich das nicht genau sagen. In der Tendenz denke ich, dass das Personal öffentlicher Dienste nicht schlecht organisiert ist. Meistens mobilisiert es sich allerdings, wenn etwa Grosses ansteht. Verbesserungen fallen aber nicht vom Himmel. Die Leute müssen sich für ihre Sache einsetzen, wie im Fall des Freiburger Spitals HFR. Es sind die Angestellten, die den Spitalbetrieb gewährleisten. Sie sollten sich dieser Macht mehr bewusst sein. Man muss aber auch verstehen, dass Arbeitgeber die Belegschaft gerne spalten, mit individuellen Evaluierungen etwa.

Ducrest: Im Moment gibt es die Tendenz, den Lohn für den Arbeitgeber nur als Belastung zu sehen. Niemand spricht vom Mehrwert, den die Arbeitnehmer schaffen.

Welche Rolle spielt in Bezug auf die mangelnde Mobilisierung die Digitalisierung – die Tatsache, dass es den Arbeiter aus dem Zeitalter der Indus­trialisierung nicht mehr gibt?

Fankhauser: Ich glaube, dass eher die Fragmentierung der Arbeit eine Rolle spielt. In gewissen Berufen arbeiten die Leute von zu Hause aus. So verlieren sie den Kontakt zu ihren Kollegen und können sich nicht mehr mobilisieren. Im Zusammenhang mit der sogenannten Uberisierung, aber auch bei den kürzlichen Streiks der Velokuriere in Bern, hat man gesehen, dass die Leute ein Bedürfnis haben, sich zu treffen.

Und da müssen die Gewerkschaften ansetzen?

Fankhauser: Ja, es ist an den Gewerkschaften, auf die Leute zuzugehen und sie zusammenzubringen.

Sie stellen aber auch eine Entsolidarisierung fest. Woher kommt diese?

Fankhauser: Ich denke, dass wir in den 1980er-, 1990er-Jahren mit Margret Thatcher, Ro­nald Reagan und Kompanie einen ideologischen Kampf verloren haben. Die Gewerkschaften verloren damals das Vertrauen der Leute, weil sie keine Lösungen gegen die Unternehmensschliessungen zur Hand hatten. Heute sehen darum viele Arbeitnehmer die Gewerkschaften nur noch als eine Art Versicherung gegen das Arbeitsrisiko. Wir brauchen aber den sozialen Diskurs mit den Arbeitgebern, um einen Stellenabbau zu verhindern. Es kann nicht mein Job sein, Sozialpläne zu verhandeln. Wie kann es da für die Arbeitnehmenden interessant sein, Mitglied einer Gewerkschaft zu werden?!

1. Mai

«Abschaffung des Personalstatuts wäre schlimm»

Der diesjährige Tag der Arbeit steht unter dem Motto «Holen wir uns unseren Anteil, wir haben ein Recht darauf». Am kommenden Dienstag laden die Freiburger Gewerkschaften zur traditionellen 1.-Mai-Kundgebung, die um 16 Uhr auf dem Python-Platz in der Stadt Freiburg startet. Die Veranstaltung dauert bis 21 Uhr. Reden werden der Präsident der SP Schweiz, Chris­tian Levrat, Jordi d’Alessandro von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals und Virginie Burri vom Personal öffentlicher Dienste. Die Gruppe Balkale macht Musik.

Wie die Gewerkschaften gestern vor den Medien betonten, gibt es viel zu tun an der Arbeiterfront. Im Bausektor geht es darum, im Rahmen der Verhandlungen für einen neuen Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe das Rentenalter 60 zu verteidigen, wie Thierry Jaquet von der Gewerkschaft Syna sagte. «Noch sieht es nicht nach einer Lösung aus. Wenn die Arbeitgeber nicht einlenken, wird es einen heissen Herbst geben.»

Der Detailhandel im Kanton Freiburg ist erneut mit der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten konfrontiert. «Das lehnen wir schlichtweg ab. Öffnungszeiten am Samstag bis 16 Uhr reichen», sagte Christophe Gremaud von der Gewerkschaft Unia. Unia fordert einen kantonalen Gesamtarbeitsvertrag für den Detailhandel.

Die Gewerkschaften VPOD, Fede und SBK erwarten viele Teilnehmer am diesjährigen 1. Mai. Sie wollen mit den Angestellten des Freiburger Spitals HFR gegen die Loslösung vom Staatspersonalgesetz kämpfen. «Die Loslösung wäre richtig schlimm», sagte Christophe Gremaud von der Unia. Denn das würde die Verhandlungsposition der Gewerkschaften auch in anderen Branchen schwächen, weil Referenzstandards fehlten.

rsa

 

 

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