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Sexismus an Freiburger Schulen gibt zu reden

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Sexismus an Schulen ist ein globales Phänomen. 
Keystone

Nach einem Vorfall im Kollegium Gambach werden die Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung an Freiburger Schulen immer lauter. Lukas Lehmann, Leiter Ausbildung der Pädagogischen Hochschule Freiburg, nimmt dazu Stellung.  

Im Kollegium Gambach wurde eine Schülerin kritisiert, weil sie ohne BH im Unterricht erschien. Das Bekanntwerden der Geschichte Anfang Woche sorgte für grosse Aufregung unter feministischen Gruppierungen. Das Freiburger Frauenstreikkollektiv teilte die Geschichte der Schülerin auf den sozialen Medien und erhielt unzählige Reaktionen von Personen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben (die FN berichteten). Aktuelle und ehemalige Schülerinnen und Schüler erzählen nun auf der Instagram-Seite des Kollektivs von ihren Erfahrungen mit Sexismus an Universität, Hochschule, Gymnasium, Orientierungsschule oder sogar Primarschule.

Mit über 300 Reaktionen innert weniger Tage und zahlreichen Beispielen von unangebrachten Kommentaren und Gesten bis zu sexueller Belästigung an Schulen im ganzen Kanton Freiburg stellt sich die Frage, ob es ein Problem bei der Lehrerausbildung gibt. Lukas Lehmann, Leiter Ausbildung der Pädagogischen Hochschule Freiburg, nimmt dazu Stellung und sagt: «Wenn man davon ausgeht, dass die Pädagogische Hochschule ein reales Abbild der Gesellschaft ist, und keine Insel, dann müsste die Antwort lauten: Ja, es gibt solche Probleme natürlich auch in der Lehrerausbildung.»

Keine simple Antworten

Im Studium werde den angehenden Lehrpersonen beigebracht, mit dem Thema Sexismus umzugehen, es zu beobachten und darauf zu reagieren. Es gebe jedoch kein spezifisches Modul zu dieser Thematik. «Es sind keine einfachen Zusammenhänge und es gibt keine simplen Antworten. Die Situationen sind oft auch weniger schwarz oder weiss, als man annehmen möchte.» Ein Modul allein löse das Problem nicht und würde nicht bedeuten, dass die Lehrpersonen danach alles richtig machten. Fehler würden nämlich selbst bei besten Absichten immer wieder geschehen und es sei wichtig, dass die Lehrpersonen diese thematisieren und Räume für Diskussionen eröffnen, sagt er.

«Hinter all den Problemen steckt die Machtbeziehung zwischen Lehrperson und Schüler», so Lehmann. Und wo es Macht habe, gebe es auch das Potenzial von Abhängigkeiten und von Missbrauch. «Solche Themen werden in der Ausbildung thematisiert und reflektiert.»

Nicht nur Freiburger Problem

Die Bekanntmachung von Fällen sexueller Belästigung an Schulen hat sich laut Lehmann in den letzten Jahren gehäuft. Und das freut ihn: «Die Schülerinnen und Schüler sind mutiger und trauen sich, darüber zu sprechen. Sie gehen damit an die Öffentlichkeit und sagen, dass das nicht in Ordnung ist», sagt Lehmann. Das sei gut so. Denn damit würden sich auch andere Schüler und Schülerinnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, trauen darüber zu sprechen.

Lehmann findet die vielen Reaktionen auf den Vorfall im Kollegium Gambach eine logische Schlussfolgerung. «Ein Einzelfall wird damit zum Kollektivmoment, da nun andere merken, dass sie nicht mehr allein von der Sexismus-Problematik an Schulen betroffen sind.» Sexuelle Belästigung oder auch andere Formen des Machtmissbrauchs seien aber ein allgegenwärtiges Thema: «Es kann deshalb nicht gesagt werden, dass die Freiburger Schulen ein spezielles Problem mit sexueller Belästigung haben, weil sich jetzt und genau hier so viele Personen melden. Das ist leider ein globales Phänomen.»

Wichtiges Anliegen

Das Freiburger Frauenstreikkollektiv fordert, dass Massnahmen getroffen werden und es für die beschuldigten Lehrpersonen Konsequenzen gibt. «Wir wollen die Schülerinnen und Schüler schützen und wir möchten, dass sie gehört werden», sagt Mitglied Marie Spang gegenüber den FN. Das Kollektiv hat alle Schuldirektoren im Kanton sowie Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen angeschrieben und sie zu einer Reaktion aufgefordert.

Reaktion der Erziehungsdirektion

Bestandsaufnahme geplant

Auf Anfrage der FN verurteilt die Freiburger Erziehungsdirektion Sexismus an den Schulen. Als Reaktion auf die sich häufenden Anschuldigungen will sie eine Bestandsaufnahme der Situation machen. Dies könnte mithilfe eines anonymisierten elektronischen Fragebogens geschehen. «Wir denken, dass es sinnvoll wäre, die Schüler an ihre Rechte zu erinnern und an die Möglichkeiten, die ihnen innerhalb oder ausserhalb der Schule zur Verfügung stehen, um über die Schwierigkeiten zu sprechen, die sie haben», schreibt die Kommunikationsverantwortliche Marianne Meyer Genilloud.

Fälle von unangebrachten Kommentaren und Gesten oder sexueller Belästigung sind der Erziehungsdirektion derzeit nicht bekannt: «Wenn dies der Fall gewesen wäre, wären Massnahmen oder sogar Sanktionen ergriffen worden. In unseren Schulen gibt es keine Straffreiheit», schreibt Genilloud.  Bei anonymen Aussagen sei es der Erziehungsdirektion nicht möglich, die Fälle zu untersuchen. «Wenn ein Schüler ein Problem hat, muss er dies mitteilen, sonst können wir nicht handeln», betont die Kommunikationsverantwortliche. Unangemessenes Verhalten solle dringend gemeldet werden.

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