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Giulia Steingruber – Die Überfliegerin fliegt nicht mehr

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Mit Giulia Steingruber tritt eine der grössten Persönlichkeiten des Schweizer Sports der letzten Jahre ab. Die Ostschweizerin imponierte mit ihrer Nervenstärke, aber auch mit ihrem Charakter.

Der Rücktritt von Giulia Steingruber hatte sich angekündigt. Bereits nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hatte sie Tokio 2020 als letztes grosses Karriereziel ausgerufen. Das jahrelange harte Training und einige schwere Verletzungen hinterliessen ihre Spuren, mit 27 Jahren gehörte Steingruber zuletzt zu den Ältesten in der Szene. Im April, als sie in Basel mit EM-Gold am Sprung ihre letzte von insgesamt zwölf Medaillen an internationalen Grossanlässen gewann, sagte sie mit einem Lachen: «Meine Karriere dauert nicht mehr ewig.»

An ihrer letzten von acht Europameisterschaften bei der Elite hatte Steingruber noch einmal auf die Zähne gebissen. Wenige Tage vor Beginn der Titelkämpfe in Basel hatte sie sich im Training einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen. Sie nahm die Schmerzen und das Risiko, sich noch schlimmer zu verletzten, in Kauf, im Wissen, dass es ihre wohl letzte Chance auf Edelmetall an internationalen Titelkämpfen sein würde. Der sechste EM-Titel, der erste nach 2016, war der Lohn für jahrelange Entbehrungen.

Kampf- und nervenstark…

Der Weg zurück an die Spitze Europas steht exemplarisch für die Persönlichkeit Steingrubers. Trotz ihrer ausgezeichneten körperlichen Voraussetzungen und ihres Talents war die Ostschweizerin vor allem eines: eine Kämpferin. Gerade nach 2016, als sie mit ihren beiden EM-Goldmedaillen in Bern und dem Gewinn von Olympia-Bronze auf dem Zenit ihrer Karriere stand, hatte sie viele Herausforderungen zu meistern.

Mit 7 Jahren – und damit relativ spät – war Steingruber zum Kunstturnen gekommen, mit 13 folgte der vorerst temporäre Wechsel nach Magglingen, mit 16 die erste Teilnahme an Weltmeisterschaften. Ein Jahr später verhinderte nur ein Sturz im Sprung-Final in Berlin die erste EM-Medaille der Ostschweizerin, die nahtlos in die Fussstapfen von Ariella Kaeslin trat. Ab 2012 heimste sie an Europameisterschaften Medaille um Medaille ein bis zum Karriere-Höhepunkt 2016, als sie in Rio de Janeiro Olympia-Bronze am Sprung gewann.

Der zweite Teil der Karriere Steingrubers stand unter einem weniger guten Stern. Nach einer zweimonatigen Auszeit in Down Under und einer Operation am Fussgelenk kam ein weiterer Schlag: Im Februar 2017 starb ihre Schwester Désirée, die seit Geburt schwer behindert war. Im Sommer 2018 riss sich Steingruber an einem Testwettkampf das vordere Kreuzband im linken Knie – eine Verletzung, die manche Karriere im Kunstturnen beendete. Und als Steingruber den Anschluss an die erweiterte Weltspitze wieder geschafft hatte, setzte die Covid-Pandemie die Sportwelt lahm.

Doch auch diesen Umweg nahm Steingruber für ihr letztes grosses Ziel in Kauf: die Olympischen Spiele in Tokio. Immer wieder kämpfte sie sich deswegen in all den Jahren zurück. Trotz Schmerzen, Frust und Entbehrungen verlor sie dabei ihre positive Haltung und ihr Lachen nie. Jammern war nicht ihr Ding. Und auch in schwierigen Zeiten bewahrte sie ihre wohl grösste Stärke: am Tag X bereit zu sein. 2017 gewann Steingruber in Montreal praktisch aus dem Nichts WM-Bronze am Sprung und schloss die letzte Lücke in ihrem Palmarès. 2019 schaffte sie bei ihrem internationalen Comeback die Olympia-Qualifikation, 2021 holte sie noch einmal EM-Gold.

… anständig und bescheiden

Trotz ihrer Erfolge blieb Steingruber stets bescheiden, die Bodenhaftung verlor sie ausserhalb der Turnhalle nie. Den Menschen begegnete sie mit Anstand und Respekt – das waren Werte, die ihr vom Elternhaus mitgegeben worden waren. Sie lernte früh, sich zu wehren, Probleme anzusprechen und für ihre Bedürfnisse einzustehen – anständig, aber unmissverständlich. Wohl auch deshalb erfuhr sie im rauen Umfeld des Spitzen-Kunstturnens nie verbalen oder körperlichen Missbrauch.

Auch gegenüber der Öffentlichkeit setzte Steingruber klare Grenzen. Zu tiefe Einblicke in ihr Privatleben liess sie nicht zu, was dem Boulevard oder Fotografen von Hochglanzmagazinen nicht immer gefiel. Und auch wenn es an Grossanlässen ausnahmsweise nicht nach ihrem Gusto lief, stand Steingruber Red und Antwort: höflich und selbstkritisch. Geduld war nicht ihre Stärke, auch ihre Dickköpfigkeit stand ihr gelegentlich im Weg. Letztere war aber sicherlich einer der Gründe, warum Steingruber überhaupt den Weg an die Spitze schaffte und eine solch glänzende Karriere hinlegte.

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