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«Goodbye» und «au revoir»: FDP fordert Abschaffung von Frühfranzösisch und Frühenglisch

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Die FDP rüttelt am Sprachenkompromiss: Fremdsprachen würden zu früh unterrichtet, hält sie im Entwurf zum Positionspapier fest, das die Delegierten am Wochenende verabschieden.

Ab der dritten Klasse lernen Schülerinnen und Schüler in der Deutschschweiz entweder Englisch oder Französisch, ab der fünften Klasse folgt die zweite Fremdsprache. Fast alle Kantone setzen inzwischen auf dieses Modell, nur Appenzell Innerrhoden und Uri scheren aus. Der Sprachenkompromiss hat sich also durchgesetzt.

Doch die Kritik mehrt sich. Im Kanton Bern erteilte das Parlament der Bildungsdirektion unlängst den Auftrag, «die Sinnhaftigkeit» des Frühfranzösisch zu überprüfen.

Nun lässt ein Positionspapier der FDP zur Volksschule aufhorchen, das am kommenden Samstag an der Delegiertenversammlung verabschiedet wird. Es sei an der Zeit, «einige Fehlentwicklungen zu korrigieren», heisst es im Entwurf. Es folgen über ein Dutzend Forderungen – darunter die Abschaffung von Frühfranzösisch und Frühenglisch.

Auf Primarschulstufe müsse das Erlernen der Erstsprache Priorität haben, wird im Papier gefordert. Die abnehmenden Sprachkompetenzen in den lokalen Landessprachen seien «ein Alarmsignal und sprechen für sich». Laut Pisa-Studie erreicht ein Viertel der Schweizer Schülerinnen und Schüler im Lesen das Mindestniveau nicht.

Am Positionspapier hat FDP-Mitglied Irina Bannwart mitgewirkt. Sie ist gelernte Logopädin und ehemalige Schulleiterin – kennt die Schule also aus verschiedenen Perspektiven. «Wir müssen die Grundkompetenzen stärken», sagt sie. Darauf baue alles Weitere auf. «Was nützt einem KMU ein Lehrling, der nicht lesen und schreiben kann?», fragt sie rhetorisch.

Bannwart sagt, um eine Fremdsprache zu lernen, brauche es zuerst eine gute Basis in der Erstsprache. «Ein Grossteil der Drittklässler hat diese Kompetenzen noch nicht.» Das Positionspapier ist noch nicht definitiv, Änderungen sind möglich an der Delegiertenversammlung.

Lieber Französisch als Englisch

Überraschend ist, dass die Wirtschaftspartei FDP im Entwurf Französisch gegenüber Englisch vorzieht: Falls eine Frühfremdsprache unterrichtet werden solle – etwa in einem Brückenkanton – sei eine Schweizer Landessprache zu priorisieren. «Es geht um den Zusammenhalt des Landes», erklärt Bannwart.

Eine Abschaffung des Frühenglischs müsse zudem nicht bedeuten, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit weniger gut Englisch könnten, betont sie: «Es kommt vor allem auch auf die Intensität und die Qualität des Unterrichts an.» Im Positionspapier wird unter anderem auch gefordert, dass auf der Sekundarstufe ein Ausbau der Sprachaufenthalte geprüft werden soll.

Dass ein späterer Lernbeginn kein Nachteil sein muss, betont auch Florence Bettschart-Narbel, Waadtländer Kantonsrätin und designierte FDP-Vizepräsidentin, die ebenfalls am Positionspapier mitgearbeitet hat. «Das Niveau des Fremdsprachenunterrichts in der dritten Klasse ist sehr tief, die Lehrpersonen beherrschen die Sprache zum Teil selbst nicht super.» Wenn man später starte, könne man rasch ein höheres Niveau erreichen. Auch Studien kamen schon zu diesem Schluss.

Durchwachsene Resultate

Alain Pichard, Bildungspolitiker (GLP) aus Biel, ist seit langem ein Kritiker des Frühfranzösischs. Dass in sechs Kantonen (BE, BL, BS, FR, SO und VS) ab der dritten Klasse Französisch unterrichtet wird, hält er für einen Fehler. «Die Abschaffung ist überfällig.» Das Frühfranzösisch sei entgegen der Studienlage eingeführt worden, kritisiert er. Inzwischen zeige sich, dass die Resultate miserabel seien.

Eine Studie der Universität Freiburg lieferte derart schlechte Resultate, dass die sechs Kantone, die die Studie bestellt hatten, diese nicht publizierten. Und laut der letzten Überprüfung (ÜGK) erreichten nur 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit Französisch als erster Fremdsprache die Grundkompetenzen in Leseverstehen. Ein Frust für manchen Schüler und manche Schülerin.

Bei Frühenglisch als erster Fremdsprache sind die Resultate besser. Französisch und Englisch seien zwei Welten, sagt Pichard. Englisch könnten die Schüler relativ gut, sie kämen auch eher damit in Kontakt. Trotzdem sagt Pichard, Frühenglisch sei unnötig. Er kritisiert zudem die fehlende Harmonisierung: dass also in manchen Kantonen zuerst Französisch, in anderen aber zuerst Englisch gelehrt wird.

Lehrerverband sieht Rahmenbedingungen nicht erfüllt

Und was sagen die Lehrer und Lehrerinnen? Ihr Dachverband LCH ist mit dem Fremdsprachenunterricht nicht ganz zufrieden, wie er durchblicken lässt. Der LCH habe das Konzept des Frühfranzösischs und Frühenglischs unterstützt, unter dem Vorbehalt, dass die Rahmenbedingungen für einen wirksamen Sprachunterricht geschaffen werden, erklärt Beat A. Schwendimann, Leiter Pädagogik LCH. Die Rahmenbedingungen seien aber noch nicht erreicht.

Zentral sei die Qualität des Sprachunterrichts, betont Schwendimann: «Für einen erfolgreichen Fremdsprachenunterricht sind gut ausgebildete Lehrpersonen notwendig, es braucht eine Auswahl an geeigneten Lehrmitteln und es muss ausreichend Zeit zur Verfügung stehen.»

Bei der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) gibt es derzeit keine Diskussion zu den Frühfremdsprachen. Ob die Grundkompetenzen in den Fremdsprachen erreicht werden, wird derzeit zum zweiten Mal geprüft; die Resultate sollen 2025 veröffentlicht werden. Je nachdem wie sie ausfallen, dürften sie die Diskussionen neu anheizen.

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