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«Gott hat Freude am Menschen»

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In gewissen Klöstern feiern sie nur Namenstag, so auch im Albertinum in Freiburg. Der wohl prominenteste Insasse dieser dominikanischen Theologenhochburg, der langjährige Professor für Fundamentaldogmatik Johannes B. Brantschen OP, wird morgen Sonntag 85. «Einen der meistgelesenen und einflussreichsten theologischen Autoren der Schweiz» nannte ihn jüngst eine Darstellung über Schweizer Theologen im 20. und 21. Jahrhundert. Schon sein erstes spirituelles Buch «Gott ist grösser als unser Herz» (1980) wurde schnell in sechs Sprachen übersetzt, und sein populärstes Werk («Warum lässt der gute Gott uns leiden?», 1985 bei Herder) verkaufte sich in kurzer Zeit über 40 000 Mal: ein Phänomen! Brantschen wurde Wissenschaftler und blieb Seelsorger – ungetrennt und unvermischt. Theologie ist ihm immer noch intellektuelle Herausforderung und Herzensangelegenheit.

«Gott ist Liebe»

Geboren wurde er in Randa im Wallis. Was er hier mitbekam: nicht nur eine bodenständige Frömmigkeit. Hier gab es auch eine problematische Religiosität mit einem Gottesbild, dessen Strenge vielen Angst und Schuldgefühle einflösste. Es war die vorkonziliare Zeit neuscholastischer Systematik, die Brantschen selber als «perfektes Ausbauen von Sackgassen» erlebte. Was ihn vor dem Absturz in den Atheismus rettete, so bekennt er, war, neben der Exegese, die negative Theologie. Und die Entdeckung, dass der Gott Jesu mit dem Gott seiner Jugend nichts zu tun hatte. Zu vertiefen und zu konkretisieren, was das heisst: «Gott ist Liebe. Und er hat Freude am Menschen.» Das ist die Kurzformel seiner theologischen Lebensabsicht. Vor allem und immer wieder sieht sich sein Denken durch die Frage nach dem Leid herausgefordert. Das Besondere: dass er allen vorschnellen Trost verwirft und dennoch an der Hoffnung festhält.

Ein Vordenker

Die Vorlesungen dieses Professors waren, so erzählen noch heute viele seiner Schüler, ein Highlight; auch weil er geistigen Aufbruch lebte, von Freiheit nicht nur redete, sondern sie auch anderen einräumte: der feministischen Suche etwa – die manche seiner damals durchweg männlichen Professorenkollegen irritierte. Und auch dem gesellschaftspolitischen Engagement – das viele als marxistisch verteufelten. Er erschloss damit neue Horizonte.

Unter den gegenwärtigen Theologen ist Brantschen auch deswegen ungewöhnlich, weil er kein Vielredner ist, aber ein eleganter Sprachkönner. Die Schönheit seiner Texte ist poetisch bildhaft, von Klarheit und Empathie bestimmt. Hoffende Christen sind für ihn «wachend Träumende». Und den Theologen Ernst Fuchs nennt er schlicht «Troubadour der Freude Gottes».

2008 hat ihn der Generalmagister seines Ordens mit dem Titel eines Magister in Sacra Theologia ausgezeichnet. Das klingt feierlich. Aber hintergründiger Humor fehlt diesem Theologen nicht. Viele Anekdoten berichten davon, zum Beispiel diese: Vom Studienort Heidelberg fuhr er nach Berlin und jeweils in den Osten. Und zum Vopo mit dem MG sagte er an der DDR-Grenze, ganz der Sohn eines Walliser Hüttenwirts und nur scheinbar naiv: «Ich komme aus dem Tourismusland Schweiz. Ich würde das Gewehr unter den Mantel tun. Sie bekommen viel mehr Touristen, wenn Sie freundlich sind.» Die erwartbare Antwort: «Werden Sie nicht frech!»

«Laien und Frauen vorwärts!»

Nicht nur mit Grenzschützern konnte er umgehen. Auch mit Glaubenswächtern und römischen Heckenschützen. Als der Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, eine Kommission einsetzen wollte, weil kirchliche Anschwärzer sagten, Brantschen leugne in seinem neuen Buch die Hölle, liess dieser dem Kardinal einen Brief übermitteln, worin er schrieb: Er habe dieses Buch den Schweizer Bischöfen geschickt, die ihm alle dafür gedankt hätten, einer habe ihn sogar gefragt, ob er den Text in seinen Predigten verwenden dürfe. Und was die Existenz der Hölle angehe: Schliesslich habe er bei ihm in Tübingen gehört und gelernt, dass es auch Gott nicht «gebe» im Sinne unserer landläufigen Vorstellung von «etwas Existierendem». Er hoffe freilich und glaube fest, dass es Gott gelinge, alle Seelen zu gewinnen für das ewige Heil … Die «Kommission» fand nie statt.

Noch heute ist er überzeugt: «Theologen sollten nicht Besserwisser sein. Sondern Hüter des Geheimnisses.» Seine Wünsche für die Schweizer Kirche? «Dass Chur bald einen vernünftigen Bischof bekommt! Und: Laien und Frauen vorwärts! Schliesslich: ein Ende der permanenten klerikalen Massregelungen!»

Was man ihm selber wünschen kann: dass seine Glut noch lange wach bleibe und das Feuer (nicht nur seiner Pfeife) am Brennen halte!

Rudolf Walter war Programmleiter und Cheflektor beim Herder-Verlag, wo er zahlreiche Bücher von Johannes B. Brantschen betreut hat. Der Theologe ist Herausgeber des «Einfach-leben-Briefs» von Anselm Grün.

«Theologen sollten nicht Besserwisser sein. Sondern Hüter des Geheimnisses.»

Johannes B. Brantschen

Theologe

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