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Gott räumt unter den Priestern auf

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wort zum sonntag

Gott räumt unter den Priestern auf

Autor: Hans Ulrich Steymans

Wenn Amische, jene Täufer in Kutschen und altmodischen Kleidern, einen Gemeindeleiter suchen, geht das so: Die Gemeindeleiter des eigenen und benachbarten Kirchendistrikts gehen in einen Nebenraum. Als Leiter gibt es Völlige Diener (Bischof), Diener zum Buch (Prediger) und Armen-Diener (Diakon). Die Gemeinde schreitet dann an einem halb geöffneten Fenster des Nebenraums vorbei. Dabei flüstern Frau und Mann den Namen eines Mitglieds, das sie für geeignet halten. Sich für ein Kirchenamt berufen zu fühlen, wäre ein Zeichen, es nicht zu sein!

Ein geeigneter Diener muss demütig, theologisch ungebildet und verheiratet sein. Sein Bauernhof muss in Ordnung sein. Der Armen-Diener wiederholt die durchs Fenster geflüsterten Namen dem Völligen Diener und sie werden aufgeschrieben. Wer mindestens zwei- oder dreimal genannt wird, nimmt am Losverfahren teil.

Ein Zettel mit einem Bibelspruch (Spr 16,33 oder Apg 1,24) wird in ein Gesangbuch gesteckt. Man legt so viele Gesangbücher auf den Tisch, wie Kandidaten aufgestellt sind. Jeder Kandidat nimmt ein Gesangbuch. Dann blättert ein Völliger Diener jedes durch, bis der das Los findet. In wessen Gesangbuch das Los – meist zum Entsetzen des Getroffenen – steckt, der wird durch Handauflegung und unter Gebet «geweiht». Es gibt kein Gehalt. Der Diener muss sonntags unvorbereitet bis zu eine Stunde lange Predigten halten.

Ob lange Predigten von ausgelosten, theologisch Ungebildeten mehr Menschen in die Messe locken würden, sei dahingestellt. Die Ordnung der Amischen, die ihre Wurzeln in Zürich und den an Freiburg i.Ü. grenzenden Teilen des Berner Oberlands haben, soll Missstände vermeiden, wie sie die Maleachi-Schrift und viele unserer Zeitgenossen an Priestern feststellen. Die Bibel wirft ihnen vor, Gott nicht ernst zu nehmen und ihre Aufgaben zu vernachlässigen (Mal 2,1).

Das ist ein Phänomen, das Pastoraltheologen klerikalen Atheismus nennen. Das kirchliche Amtsgeschäft ist alltäglich, man vergisst, vor Gottes Angesicht zu arbeiten. Klerikaler Atheismus bedroht auch Laien, die mit Religion ihren Lebensunterhalt verdienen.

In zu vielen Pfarreien erreicht man am Wochenende nur Anrufbeantworter. Ist Freizeit wichtiger als Dienst? Die Maleachi-Schrift droht, dass Gott die Priester verächtlich mache und erniedrige (Mal 2,9). Ist die schlechte Presse der Kirche und der Priester Strafe für mangelndes Hören auf Gottes Wort und Gottes Geist? Vielleicht werden aus priesterlichen Amtsträgern und hauptamtlichen Laien noch demütige Diener.

Der DominikanerHans Ulrich Steymans ist Professor für Altes Testament und Biblische Umwelt an der Universität Freiburg (Schweiz) und lebt im Kloster St. Hyazinth in Freiburg.

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