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Greta Th., 16-jährig (Gastkolumne)

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Im Jahr 1944 schrieb Astrid Lindgren für ihre kranke Tochter die erste Geschichte von Pippi Langstrumpf. Ein tapferes Mädchen, selbstbewusst, mutig, stark und unabhängig, immer in Konflikt mit gesellschaftlichen Normen und Tabus, heimliches Vorbild vieler braver Kinder.

Lieben wir nicht alle dieses Mädchen mit seiner ehrlichen, unkonventionellen Art und seinem Mut, Althergebrachtes zu hinterfragen?

75 Jahre später leben diese Geschichten immer noch. Und wir, die wir als Kinder die Erzählungen vorgelesen bekamen, die ersten Filme mit klopfendem Herzen und glänzenden Augen erlebten, lesen sie erneut unseren Kindern, unseren Enkelkindern vor, und immer noch glänzen die Augen.

Greta Thunberg kommt aus dem gleichen Land wie ­Pippi, sie ist keine Geschichte, im Gegenteil, obwohl noch ein Kind, macht sie Geschichte. Auch sie ist mutig, selbstbewusst, und ohne Rücksicht auf falsche Befindlichkeiten setzt sie sich für die «gute Sache» ein: einen Beitrag gegen die rücksichtslose Zerstörung unserer Mutter Erde zu leisten. Und um dies zu erreichen, wurde ihr bewusst, dass es nicht reicht, brav in der Schulbank zu sitzen und schlaue Aufsätze über den Klimawandel zu schreiben, und ihr ist auch klar, dass sie allein wenig erreichen kann. So appellierte sie an die Kinder auf der ganzen Welt: Wacht auf, wehrt euch, setzt ein Zeichen! Ihre Botschaft wurde gehört, und viele folgten ihr.

Und wie reagierten wir Erwachsenen, die wir doch zumindest einen Teil der Verantwortung mittragen? Mit Abwehr, Drohungen und teilweise mit offener Aggression. Haben wir ein so unglaublich schlechtes Gewissen oder Angst, dieses Mädchen wolle uns etwas wegnehmen?

Was ist bloss mit uns geschehen? Waren wir nicht auch Kinder und haben Fragen gestellt und nach Antworten verlangt? Sind wir in unserer Übersättigung träge und abgestumpft geworden? Warum brauchen wir Lügen und flüchten uns in billige Ausreden? Um unsere Trägheit zu rechtfertigen? Warum setzen wir uns nicht mit den Argumenten der Kinder auseinander, sondern greifen mit unglaublich bösartigen Kommentaren ein 16-jähriges Mädchen an. Von «schwedische Göre», «Greta Dummberg», « Einfaltspinsel» bis «Fuck you Greta» (als Aufschrift auf dem Auto) war alles versammelt.

Sogar mehr oder weniger mittelmässige Satiresendungen versuchen sich auf Kosten dieses Mädchens zu profilieren. Politiker, je nach Farbton, springen heuchlerisch auf den Zug auf oder malen Schreckensszenarien an die Wand. Da stellt sich schon die Frage, was sogenannte «gestandene» Männer bewegt, sich an einem 16-jährigen Mädchen abzu­reagieren? Was ist denn so böse an ihrer Botschaft?

Dass sie darauf hinweist, dass die Erde krank ist? Dass wir endlich aufwachen und handeln sollen, bevor es endgültig zu spät ist? Dass sie diese Botschaft, damit sie überhaupt wahrgenommen wird, mit einem Ausrufezeichen versehen hat: dem Schülerstreik?

Das genügt offensichtlich, um die Pharisäer in allen Lagern zu mobilisieren. Mit Hingabe suchen sie nach «Fehlern», um daraus einen Strick zu drehen. (Wie wir aus der Bibel wissen, hat dieses Verhalten der Pharisäer Tradition.) Erinnert ihr euch an die hämischen Kommentare zu ihrer Reise nach Amerika mit einem Segelschiff? Wie hätten wohl die Kommentare gelautet, wäre sie mit dem Flugzeug geflogen? Und ich bin mir sicher, wäre sie zu Fuss übers Meer gelaufen, man hätte ihr vorgeworfen, dass sie nicht einmal schwimmen könne.

Mir ist das alles fremd: Kinder kämpfen um ihre Zukunft, machen sich berechtigte Sorgen über die Welt von morgen. Drücken dies auf ihre kindliche Art aus und verlangen Entscheidungen. Und wir? Wir schlagen Türen zu, verschliessen Augen und Ohren, verschliessen unser Herz.

Was muss das für ein Triumph sein, ein 16-jähriges Mädchen zum Schweigen zu bringen? Ich wünsche mir so sehr für sie, dass sie ob all der bösartigen Kritik nicht zerbricht und vielleicht für ihren Einsatz belohnt wird, und sei es nur, dass sie wieder Kind sein darf. Was auch immer sie künftig tun mag, was auch immer mit ihr geschieht, an der Dringlichkeit ihrer Botschaft ändert sich nichts.

1854 (!) richtete der Indianerhäuptling ­Seattle (ein «Wilder») folgende Worte an den amerikanischen Kongress (Auszüge): «Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder gelehrt haben, dass die Erde unsere Mutter ist. Was immer der Erde widerfährt, widerfährt den Söhnen und Töchtern der Erde. Wenn Menschen die Erde zerstören, zerstören sie sich selbst. Wir sind ein Teil der Erde, und die Erde ist ein Teil von uns.»

Ich wünsche allen einen besinnlichen Advent.

P.S.: Ein Lied zum Thema: Hannes Wader: «Der Rattenfänger». Wer Ohren hat zu hören …

Der Düdinger Franz Engel ist pensionierter Arzt und verbringt nun seine freie Zeit mit Fischen und dem Hüten der Enkelkinder. Als Gastkolumnist bearbeitet er im Auftrag der «Freiburger Nachrichten» in regelmässigem Rhythmus selbst gewählte Themen.

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