Freiburg 16.04.2018

Bei Notfalleinsätzen zählt jede Minute

Mit Fallbeispielen veranschaulichten die Rettungskräfte ihre tägliche Arbeit.
Am «Tag des nationalen Notrufs 144» gaben Rettungssanitäter und ihre Partnerorganisationen am Samstag in der Stadt Freiburg Einblick in ihre Arbeit. Information, Sensibilisierung und praktische Fallübungen prägten den Anlass vor dem Gastspielhaus Equilibre.

«Ist die Person ansprechbar? Atmet sie? Beginnen Sie die Herzmassage: eins, zwei, drei, vier.» Professionell und ruhig betreut die Disponentin der Notrufzentrale den verzweifelten Anrufer, der eben eine Person mit Herzstillstand gefunden hat. Die Rettungskette ist aktiviert. Bald schon taucht ein First Responder auf, der über sein Handy alarmiert wurde. Die Polizei eilt mit einem Defibrilator herbei, Herzschlag und Atmung sind noch vor dem Eintreffen der Rettungssanität wieder zurück. Was sich am vergangenen Samstag vor dem Gastspielhaus Equilibre in Freiburg abspielte, war zwar eine Demonstration der Rettungssanität und ihrer Partnerorganisationen. Es kann sich aber auch in der Realität so abspielen.

144 – alles andere als geläufig

Seit einigen Jahren führt die Freiburger Sektion der Rettungssanitätervereinigung VRF am 14.4. den Tag des nationalen Notrufs durch. Nächstes Jahr wird der Anlass voraussichtlich in Murten stattfinden. Laut Mohamed El-Attar, Vizepräsident des VRF, gibt es zwei Ziele für diesen Anlass: «Erstens wollen wir die Nummer 144 der Bevölkerung zugänglicher machen. Unser zweites Ziel ist es, die Verzahnung von Laien und Professionellen zu zeigen, die es in Notfallsituationen geben kann.» Jedes Jahr lade man zudem eine Partnerorganisation als Gast ein, sagte El-Attar. Dieses Jahr war es die Feuerwehr. Sébastien Waeber vom Feuerwehrkorps Freiburg schätzt, dass es monatlich etwa drei Einsätze in Zusammenarbeit mit der Rettungssanität gebe. «Wir werden gerufen, wenn die Bergung des Verletzten kompliziert ist», so Waeber.

Nicht nur Profis kommen bei der Notfallintervention zum Zug. Markus Stempfel vom Verein First Responder Sense zum Beispiel ist ein Laie, der in Notfallsituationen von der Notrufzentrale alarmiert wird und erste lebensrettende Massnahmen ergreifen kann. Als sogenannter First Responder plus verfügt Stempfel über zwei Rucksäcke mit Defibrilator und weiteren lebensrettenden Uten­si­lien. Einer liegt griffbereit an seinem Arbeitsplatz bei der Extramet in Plaffeien. «Mein Arbeitgeber weiss, dass ich mich bei einem Alarm in der näheren Umgebung unverzüglich davonmachen muss.»

Einsatz mit Herz

Während Passanten versuchen, einer Reihe von Übungspuppen mittels Herzmassage wieder Leben einzuhauchen, gibt Christophe Roulin von Herz Freiburg Auskunft über die Mission seiner Stiftung. Herz Freiburg will die Überlebensrate bei Herzstillstand im Kanton Freiburg entscheidend erhöhen, indem sie die Freiburger Bevölkerung in den lebensrettenden Sofortmassnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung (BLS-AED) schult und das Ersthelfernetz mit der Notrufzentrale koordiniert.

Massgeblich an der Ausbildung der Bevölkerung beteiligt sind auch die Samariter, die am Samstag ebenfalls mit einem Informationsstand präsent waren. Sie seien gut über den ganzen Kanton verteilt und somit nah dran, meinte Tanja Buntschu vom Kantonalverband der Samariter. Nebst dem klassischen Nothelferkurs fürs Permis kann man bei den Samaritern auch die Reanimation erlernen.

Zahlen und Fakten

Sanität mit über 20 000 Einsätzen

2017 hat die Notrufzentrale Freiburg-Jura 103 492 Anrufe bearbeitet. Es kam zu 11 862 Primäreinsätzen, bei denen die Rettungsdienste direkt an den Ort des Geschehens fuhren. Die 8622 Sekundäreinsätze bezeichnen Krankentransporte zwischen Pflegeorten. Laut der Ret­­tungs­sanität kommt es jährlich zu etwa 200 Interventionen mit Herz- oder Atemstillstand. In jeder verstrichenen Minute ohne Hilfeleistung sinken die Überlebenschancen um zehn Prozentpunkte. Es ist darum für den Patienten lebenswichtig, bereits vor dem Eintreffen der Ambulanz reanimiert zu werden. Heute gibt es im Kanton Freiburg 935 First Responder und 350 gemeldete Defibrilatoren. Im Jahr 2016 formulierte die Gesundheitsdirektion des Kantons das Ziel, in ein paar Jahren auf ein Netz von 3000 bis 5000 First Respondern zählen zu können. In den Sensler Gruppen gibt es aktuell rund 20 First Responder.

cb