Freiburg 28.04.2017

Bundesrätlicher Besuch für die jungen Journalisten

Die Fragen der jungen ZiG-Journalisten kreisten um Themen wie die Energiewende, die Wahlen in Frankreich oder die anstehende AHV-Reform. Alain Berset antwortete schlagfertig und stellte den Schülern Rückfragen.
Im Rahmen des Projekts Zeitung im Gymnasium trafen gestern rund 150 Schüler, Lehrer und geladene Gäste in der Aula des Kollegiums Gambach auf Alain Berset. Der Bundesrat stellte sich den kritischen Fragen der Schüler mit viel Charme und Humor.

Die Aula des Kollegiums Gambach in Freiburg ist prall gefüllt. In den Sitzreihen des dunklen Saales tummeln sich Gymnasiasten, Lehrkräfte und geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft. Gemeinsam sehen sie dem Beginn eines grossen Events entgegen. Spannung und Vorfreude liegen in der Luft. Grund für den Grossandrang in der Aula ist weder ein Abschlussfest noch ein Schultheater. Das Publikum wartet heute Abend auf ein ganz anderes Spektakel: Niemand Geringeres als der Freiburger Bundesrat Alain Berset wird ihnen in wenigen Minuten die Ehre erweisen.

Der Grossanlass findet im Rahmen des medienpädagogischen Projekts Zeitung im Gymnasium (ZiG) statt. Die rund Schülerinnen und Schüler im Saal versuchen sich seit Anfang Schuljahr in Zusammenarbeit mit den «Freiburger Nachrichten» als Journalisten. Sie haben eifrig recherchiert, Interviews geführt und für ihre Zeitungsartikel so mancher Schreibblockade die Stirn geboten. Alles, was sie bisher als ZiG-Reporter gelernt haben, können sie an diesem Abend auf die Probe stellen. Schliesslich wird auf der Bühne bald ein Interviewpartner stehen, wie ihn Journalisten nicht jeden Tag treffen.

Nach der Begrüssung durch FN-Chefredaktor Christoph Nussbaumer steht zunächst ein kleiner Videobeitrag des Universitäts-Fernsehsenders Unicam auf dem Programm. Die Uni-Journalisten haben sich vor dem Anlass im Auftrag der FN mit Freiburger Politikern getroffen und sie zu Alain Berset befragt. Zudem kommen im Film Schüler der Freiburger Kollegien zu Wort. Der Schnitt ist schnell, die Antworten pfiffig: Der Einstieg in einen solchen Abend könnte kaum besser sein. Als schliesslich wieder die Lichter angehen, entflammt die Nervosität im Raum von neuem. Ein Raunen geht durch die Menge. Und plötzlich steht er auf der Bühne: der Mann, auf den hier alle gewartet haben. «Berset sieht irgendwie anders aus, als ich ihn vom Fernsehen kenne», flüstert eine Schülerin ihrer Kollegin zu. «Ja, viel grösser oder?», antwortet diese.

 

 

Die Schüler entfalten eine abwechslungsreiche Fragerunde. Die Fragen der Jugendlichen sind kritisch und zeugen von Interesse an der Politik: Energiewende, ­Fake News und die Präsidentschaftswahl in Frankreich interessierten sie genauso wie die anstehende AHV-Reform oder die Diskussion rund um die Berner Reithalle. Berset antwortet genau, aber auch locker und volksnah. Er stellt den Schülern Rückfragen und lanciert die Diskussion auch von seiner Seite. Und hin und wieder ist das Polit-Schwergewicht sogar für das eine oder andere Spässchen zu haben. Bei einer Frage gerät der Bundesrat aber etwas ins Schwitzen. «Wie verläuft Ihr perfekter Arbeitstag?», wollte eine Schülerin wissen. «Bei mir laufen nie zwei Tage gleich ab», sagt er und überlegt. «Ich denke aber, die schönsten Tage sind diejenigen mit vielen menschlichen Begegnungen.»

Zum Schluss kommt auch noch FN-Chefredaktor Christoph Nussbaumer zum Zuge: Auch er darf Bundesrat Alain Berset noch einige Fragen stellen. Nach einer langen und intensiven Fragerunde verlassen die Schüler schliesslich in Kolonnen die Aula. Doch das Rendez-vous mit Alain Berset geht munter weiter: Beim anschliessenden Apéro mischt sich der Politiker unter die Gäste. Ein Selfie hier, ein kurzer Smalltalk dort: Die Chemie stimmt zwischen dem Bundesrat und der Jugend. Wenn das kein gutes Zeichen ist.

 

Zum Projekt

Gymnasiasten werden zu kritischen Journalisten

Das Projekt Zeitung im Gymnasium (ZiG) findet in diesem Schuljahr bereits zum zweiten Mal statt und läuft seit letztem September. Während eines ganzen Schuljahres nehmen dabei rund 170 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten im Unterricht die Zeitung unter die Lupe, verbessern ihre Medienkompetenz und setzen sich mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen und mit dem regionalen Geschehen auseinander. Hierfür erhalten die elf teilnehmenden Klassen aus den Freiburger Kollegien Heilig Kreuz, Gambach und Sankt Michael sowie aus dem interkantonalen Gymnasium der Broye in Payerne täglich kostenlos die Zeitung ins Klassenzimmer geliefert. Zudem betätigen sich die Schülerinnen und Schüler als Journalisten und schreiben Artikel für die «Freiburger Nachrichten». Seit Ende Dezember sind so auf 15 ZiG-Spezialseiten rund 30 Schülerartikel zu verschiedensten Themen veröffentlicht worden. Ein Blogger-Kollektiv aus dem Kollegium Sankt Michael betreibt ausserdem auf der Website der FN einen Blog, auf dem die Autorinnen und Autoren in essayistischer Form über das Leben als Gymnasiasten schreiben. Das Projekt Zeitung im Gymnasium ist eine Erfindung des Izop-Instituts in Aachen (DE). Das Bildungsinstitut hat bereits mit seinem Primarschulprojekt Zeitung in der Schule von sich reden gemacht. Für Zeitung im Gymnasium bleiben die FN weiterhin die einzige Schweizer Zeitung, die am Projekt teilnimmt. Für die Finanzierung des Projekts konnten die FN vier Unternehmen als Wirtschaftspartner gewinnen: die Freiburger Kantonalbank (FKB), die Freiburgischen Verkehrsbetriebe (TPF), das Freiburger Energieunternehmen Groupe E und die Migros-Tochter Micarna. Für die Sponsoren ist das Projekt mehr als eine blosse Werbeplattform. Alle Wirtschaftspartner stellen sich als Themengeber und für Interviews zur Verfügung und sind auch offen für eine kritische Auseinandersetzung der Lernenden mit ihrem Unternehmen.

lr

 

Alle ZiG-Artikel unter: www.freiburger-nachrichten.ch/dossiers

ZiG-Blog unter: www.freiburger-nachrichten.ch/blogs

«Ich finde es super, dass sich ­Bundesrat Berset so viel Zeit für uns ­genommen hat und stets freundlich war.»

Fabienne Gimmel (17)

aus Murten

«Bundesrat Alain Berset ist ein sehr offener Typ, und er ging wirklich gut auf alle unsere ­Fragen ein.»

Adrian Rentsch (17)

aus Düdingen

«Er hatte immer eine gute Antwort bereit und ­zeigte viel Verständnis – genau so soll ein Bundesrat sein.»

Sara Blatter (18)

aus Murten

«Seine Offenheit und seine Vision haben mir gefallen. Er setzt sich voll und ganz für die Schweiz ein.»

Yllëz Calaki (18)

aus Düdingen

«Bundesrat Alain Berset war nett und sympathisch. Ich fand besonders die Debatte zur Bildung interessant.»

Brigitte Gong (18)

aus Freiburg

«Mich faszinierten sein Auftreten und seine Präsenz. Er blieb immer ruhig und beantwortete die Fragen super.»

Maic Aegerter (19)

aus Kleinguschelmuth

«Herr Berset ging kompetent auf die Fragen ein. Dazu war er während der Diskussion fair und sehr freundlich.»

Yelena Rauber (19)

aus Jaun

«Herr Berset weiss, von was er spricht. Die Diskussion zur AHV-Reform und zur Energiewende fand ich spannend.»

Sven Krattinger (16)

aus Düdingen