Villars-sur-GlÂne 10.09.2019

Das KMU, das China schon früh entdeckte

Jesa-Mitarbeiterinnen bei der Montage.
Die Jesa AG aus Villars-sur-Glâne feierte dieser Tage ihr 50-Jahr-Jubiläum. Und seit genau 30 Jahren ist die Kugellager-Herstellerin auch in China tätig, wo sie heute ein eigenes Werk betreibt. Der Aufbau des Werks klappte dank langjährigen Kontakten.

«Kugellager sind überall», sagt François Dupont, CEO der Jesa AG. «In der Kaffeemaschine oder in den Maschinen, die zum Beispiel unsere Kleider herstellen. In einem Fahrzeug sind rund 60 bis 70 Kugellager verbaut.» Kugellager kommen überall da zum Einsatz, wo etwas bewegt wird. Ein riesiges Geschäft also. Das erkannte auch Joseph Egger, der 1969 zusammen mit seinem Sohn Rolf und Vincent Basile in Freiburg die Firma Jesa gründete, die zunächst mit Kugellagern handelte. Zwei Jahre später begann Jesa selbst zu produzieren.

1976 zog die Firma nach Villars-sur-Glâne. Nach und nach wurde das Werk vergrössert, heute betragen die Produk­tions- und die Bürofläche rund 6000 Quadratmeter. 145 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen dort hoch spezialisierte und individuell auf Kundenwünsche zugeschnittene Kugellager her, die vor allem in der Maschinenindustrie gebraucht werden.

Zwei Standorte

Doch der Hauptsitz in Villars-sur-Glâne ist nur ein Teil von Jesa. Der zweite Standort liegt rund 9000 Kilometer östlich, nämlich in Wuxi bei Shanghai im Osten Chinas. Bereits seit 1989 geschäftet Jesa in China. «Zunächst ging es darum, Standardkugellager und Komponenten für unsere Produkte zu kaufen», erklärt CEO François Dupont. Die Komponenten waren in China nämlich günstiger. Bis 2003 arbeitete Jesa dazu mit einem Staatsunternehmen zusammen, danach baute die Firma ein eigenes Netzwerk von Lieferanten auf.

Bald aber wurde klar: Ein eigenes Werk in China wäre besser. «Bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten muss man immer auch Knowhow weitergeben», sagt Dupont. «Einem unserer Konkurrenten ist es passiert, dass ein chinesischer Zulieferer begann, die gleichen Produkte selbst in Europa zu vertreiben.» Das wollte Jesa verhindern, und seit 2014 stellt sie in Wuxi selbst Kugellager her. «In China produzieren wir grössere Mengen an kundenspezifischen Kugellagern für die Automobil- und Textilindustrie.» Die beiden Werke konkurrenzierten sich nicht, sondern ergänzten sich.

«Das Werk in Wuxi wächst wie verrückt und ist mit einer Produktionsfläche von 10 000 Quadratmetern bereits grösser als der Hauptsitz», sagt der CEO. Das sei auch der guten Zusammenarbeit mit dem Personal in China zu verdanken. «Das Management von Jesa Wuxi ist rein chinesisch. Mit diesen Leuten arbeiten wir seit 20, teils sogar seit 30 Jahren zusammen», ergänzt Simon Brünisholz, Verkaufs- und Marketingchef. «Das schafft eine gute Vertrauensbasis. Sonst hätten wir es nicht geschafft, dieses Werk aufzubauen.»

Immer spezialisierter

Um sich im grossen Kugellagermarkt zu behaupten, setzt Jesa in China und in der Schweiz auf die Spezialisierung. Das heisst: Die Firma bietet keine Kugellager ab Stange an, sondern fertigt individuell zugeschnittene Teile. «Wir gehen nicht mit einem Katalog zu unseren Kunden, sondern mit einem weissen Blatt», sagt Verkaufs-Chef Brünisholz. Je früher Jesa bei der Produktentwicklung für die Kunden mitreden könne, desto besser.

Zu schaffen machte der Firma in den vergangenen Jahren der starke Franken, denn sie lebt vom Export (siehe Kasten). CEO Dupont setzt aber weiterhin auf den Standort Schweiz: «Unsere Mitarbeiter haben ein grosses Knowhow.» Dieses nutze die Jesa für Innovationen, die das Unternehmen konkurrenzfähig machten.

Zahlen und Fakten

285 Mitarbeiter an zwei Standorten

Die Jesa AG wurde 1969 gegründet und gehört seit 2001 der Polygena-Gruppe. Die Firma beschäftigt heute 285 Mitarbeitende, davon 145 in der Schweiz und 140 in ihrem Werk in Wuxi in China. Das Unternehmen macht pro Jahr einen Umsatz von rund 50 Millionen Franken. 66 Prozent des Umsatzes werden in Europa erzielt, 22 Prozent in Asien und rund 12 Prozent in Nord- und Südamerika. Jesa ist hauptsächlich im Exportgeschäft tätig: Weniger als 10 Prozent des Umsatzes macht die Firma in Schweizer Franken.