Freiburg 09.01.2019

Dem vergessenen Jahrhundert auf der Spur

Die Dreifaltigkeit aus dem einstigen Romonttor in Freiburg ist ab November im Museum zu sehen.
Das 14. Jahrhundert in Freiburg, ein Projekt mit Kunstschaffenden der Gegenwart und eines über starke Frauen aus aller Welt: Das sind die Höhepunkte im Ausstellungsprogramm des Museums für Kunst und Geschichte Freiburg für das Jahr 2019.

Es ist das «vergessene Jahrhundert» der Freiburger Geschichte: das 14. Jahrhundert, die Zeit zwischen der Gründungszeit des 12. und 13. Jahrhunderts und dem Aufschwung des 15. und 16. Jahrhunderts. Dabei sei dieses Stiefmütterchendasein keineswegs gerechtfertigt, sagt Stephan Gasser, Konservator am Museum für Kunst und Geschichte Freiburg. Der Mittel­alter­spezia­list bereitet derzeit eine Ausstellung über dieses «vergessene Jahrhundert» vor, die am 8. November eröffnet wird. Gestern gab er den Medien anlässlich des traditionellen Dreikönigsaperitifs des Museums erste Einblicke.

«Die Zeit war aus baulicher, wirtschaftlicher, politischer und künstlerischer Sicht bedeutend», so Gasser. So seien damals mehrere Kirchen fertiggebaut worden, darunter die Kirche St. Nikolaus, die Franziskaner- und die Augustinerkirche. Dies wiederum habe dem Kunstschaffen einen grossen Schub verliehen, von der Bildhauerei über die Glasmalerei bis zur Goldschmiedekunst. In der Ausstellung werden einige aus­sergewöhnliche Stücke zu sehen sein, darunter die Dreifaltigkeitsskulptur, die einst im Romonttor zwischen Manor und der reformierten Kirche stand. Es handelt sich um ein bedeutendes Stück aus der Sammlung des Museums, das derzeit eigens für die Ausstellung restauriert wird. «Die Ausstellung ist für das Museum und für den Kanton wichtig, weil sie auch an ein Forschungsprojekt gebunden ist», sagte Museumsdirektorin Verena Villiger.

Kunst der Gegenwart

Zwei weitere Sonderausstellungen laufen dieses Jahr im Museum: Noch bis Mitte März ist die Ausstellung «Treffpunkt Wirtshaus» zur Geschichte der Freiburger Wirtshäuser zu sehen (die FN berichteten). Im Frühling und Sommer folgt die Schau «Mémoires vives», die das Museum für Kunst und Geschichte und den Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle gleichzeitig bespielen wird. Für diese Ausstellung hat Vizedirektorin Caroline Schuster Cordone über vierzig Freiburger Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit ausgewählten Werken aus der Sammlung des Museums auseinanderzusetzen. «Die Gegenwartskunst tritt so in einen spannenden Dialog mit dem kulturellen Erbe», so Schuster Cordone.

Den Ausstellungsreigen des Jahres 2019 wird eine Schau der Freiburger Künstlerin Isabelle Pilloud im Espace Tinguely abschliessen: Mitte Dezember eröffnet sie die Ausstellung «Heldinnen» über starke Frauen aus aller Welt, ein Projekt, das im Rahmen des kantonalen Mobilitätsstipendiums entstanden ist.

Wechsel an der Spitze

Direktorin Verena Villiger stellte ein neues Angebot des Museums vor: Unter dem Titel «Unsichtbares» gibt es 2019 drei thematische Führungen im Zentraldepot Daillettes. «Von den 50 000 Objekten unserer Sammlung sind nur knapp zwei Prozent dauerhaft ausgestellt», so Villiger. «Mit den neuen Führungen zeigen wir Sachen, die das Publikum sonst nicht zu sehen bekommt.»

Nicht zuletzt steht für das Museum 2019 eine Änderung an der Spitze bevor: Verena Villiger tritt Ende November in den Ruhestand; ihr Nachfolger ist noch nicht bekannt.